Methoden & Arbeitsweisen
Bevor du dein ABA-Thema einreichen konntest, musstest du dich schon mit der von dir angestrebten Arbeitsweise und Methode auseinandersetzen. Der Einsatz jeder wissenschaftlichen Methode basiert auf einer genauen inhaltlichen Vorbereitung.
Eine Methode ist ...
- die Art und Weise etwas zu tun.
- eine Arbeitsweise, die gewissen Regeln/Arbeitsschritten folgt.
- eine Herangehensweise, Forschungsthemen zu untersuchen bzw. eine Fragestellung zu beantworten.
Relevant ist dabei die Brauchbarkeit der Methode zur Beantwortung der Fragestellung bzw. zur Umsetzung des gestalterischen oder künstlerischen Vorhabens.

Hast du dich für eine wissenschaftliche Methode entschieden, musst du die Umsetzung dieser Methodevorbereiten. Zum Beispiel: Für die Durchführung eines Interviews muss unter Umständen ein Interviewleitfaden erstellt werden und technische Geräte müssen besorgt werden, um das Interview dokumentieren zu können.
Dann folgt die Phase, in der du die Methode anwendest, also die Interviews machst oder das Experiment durchführst. Dabei kommt das Wissen über diese Prozesse zur Anwendung. Daher ist es wichtig, sich auf diesen „Methodeneinsatz“ vorzubereiten.
Die Anwendung jeder Methode erzeugt unterschiedliches Datenmaterial. Das erzeugte Datenmaterial muss sinnvoll dokumentiert und sortiert werden.
Danach wertest du die erhaltenen Daten aus. Du filterst dafür jene Informationen heraus, die du in deiner ABA verwenden möchtest.
Erst jetzt kannst du über die Ergebnisse, die zur Beantwortung deiner Fragestellungen führen, schreiben.
Allgemeines
Die Beobachtung stellt eine von vielen Möglichkeiten zur Datenerhebung und Sammlung von Fakten dar. Voraussetzung ist, dass sie in Hinblick auf die Forschungsfrage(n) systematisch, objektiv und nachvollziehbar vorgenommen wird.
Beobachtungen können sowohl
- der qualitativen (auf Basis verschriftlichter bzw. audiovisueller Daten) als auch
- der quantitativen Forschung (Erfassung numerischer Daten)
zugeordnet werden.
Sie werden besonders häufig in der Sozialforschung angewendet, spielen aber auch in den Naturwissenschaften eine große Rolle. Sie sind immer dann sinnvoll, wenn es um Sachverhalte geht, die in Befragungen nicht oder nur unzureichend erhoben werden können.
Beobachtungen können unter Einsatz aller Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken) bzw. unter Gebrauch technischer Hilfsmittel (Video-/Audioaufzeichnungen etc.) protokolliert und ausgewertet werden.
Beobachtungsgegenstand können Vorgänge (menschliche Handlungen, sprachliche Äußerungen, ...), Ereignisse (Prüfungen, Schulveranstaltungen, ...), soziale Merkmale (Brauchtum, Kleidung, ...) und Verhaltensweisen (nonverbale Reaktionen, ...) von Lebewesen, aber auch Objekten sein. Situationen, in denen Beobachtungen vorgenommen werden, können für den Forschungszweck sowohl speziell arrangiert werden (z. B. im Labor) und somit künstlicher Art sein als auch in natürlicher Umgebung stattfinden (Feldbeobachtung).
Arten von Beobachtungen
Unstrukturiert, teil- oder vollstrukturiert
Zur ersten Orientierung werden Beobachtungen häufig unstrukturiert, d. h. mit geringen Vorgaben und wenigen Einschränkungen, vorgenommen. Die Beobachterinnen und Beobachter nehmen wahr, was ihnen wichtig erscheint, und halten das Beobachtete dann zumeist schriftlich fest.
Beobachtungen können aber auch teil- bzw. vollstrukturiert ablaufen, als zumeist quantitative Methoden, unter Einsatz eines erprobten detaillierten Beobachtungsschemas, Merkmal- oder Kategoriensystems und mit wenigen Freiheitsgraden für die Beobachterinnen und Beobachter.
Die Anzahl der Kategorien sollte einerseits klein genug sein, um Beobachterinnen und Beobachter nicht zu überfordern, andererseits aber auch groß genug, um die im Mittelpunkt des Interesses stehenden Handlungen/Verhaltensweisen differenziert genug erfassen zu können.
Einzelne Kategorien müssen deutlich voneinander abgegrenzt sein. Eine bestimmte Verhaltensweise darf nicht mehreren Kategorien zugeordnet werden können.
Verschiedene Beobachterinnen und Beobachter sollten unter gleichen Voraussetzungen/Bedingungen zu möglichst gleichen Ergebnissen kommen.
Kriterien eines Kategoriensystems
Teilnehmend oder nicht teilnehmend
Die Art der Beobachtung kann aktiv oder passiv sein. Bei der teilnehmenden Beobachtung machen die Beobachterinnen und Beobachter mit, sie nehmen aktiv am Geschehen teil, sind integriert. Bei passiver Teilnahme sind sie zwar anwesend, verhalten sich aber distanziert und zeichnen nur auf, protokollieren.
Bei der nicht teilnehmenden Beobachtung sind die Forscherinnen und Forscher persönlich nicht anwesend, sie haben keinen direkten Kontakt mit dem Geschehen. Die Situation, die beobachtet wird, wird beispielsweise über die Medien verfolgt.
Direkt oder indirekt
Bei der Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Beobachtung geht es um die Sicht der Beobachteten. Nehmen diese die Forscherinnen und Forscher wahr, so liegt eine direkte Beobachtung vor. Tun sie das nicht und erfolgt die Beobachtung mittels technischer Hilfsmittel (beispielsweise durch Audio-/Videoaufzeichnungen), so handelt es sich um eine indirekte Beobachtung.
Offen oder verdeckt
Bei der offenen Beobachtung geben sich die forschenden Personen als solche zu erkennen, bei der verdeckten Beobachtung tun sie das nicht. Bei offenen Formen ist zu bedenken, dass sich Beobachtete in Anwesenheit der Forscherinnen und Forscher anders verhalten (Hawthorne-Effekt, Rosenthal-/Versuchsleiter(erwartungs)effekt). Verdeckte Beobachtungen führen unter Umständen zu moralischen/persönlichen Konflikten.
Aufgrund von Veränderungen der Gestaltung und des Ablaufes einer Beobachtung kann es auch zu Mischformen kommen.
Planungsphase
In der Planungsphase systematischer Beobachtungen ist festzulegen, was genau von wem wann und wo beobachtet wird. Zu definieren sind dabei:
- die zu beobachtenden Verhaltensmerkmale („Was soll beobachtet werden: das allgemeine Handeln/Verhalten bestimmter Lebewesen oder nur bestimmte Handlungszüge/Verhaltensweisen?)
- die Situationsmerkmale (In welchen Situationen sollen die Verhaltensmerkmale beobachtet werden?)
- die Zeitstichproben (Wie viele Beobachtungen sollen vorgenommen werden und wie groß sollen die Intervalle zwischen den Beobachtungen sein?)
- die Mess- bzw. Registrierungsprozeduren (Wie detailliert soll die Registrierung/Protokollierung erfolgen, was soll festgehalten werden? Soll nur festgestellt werden, ob ein bestimmtes Phänomen auftritt, oder auch, wie häufig es in einem bestimmten Zeitraum auftritt? Sollen auch Ausprägungen von Merkmalen, wie Zeitdauer/Intensität eines bestimmten Verhaltens, erhoben werden? Wie erfolgt die Dokumentation? Mit Notizbuch, Protokollbögen, technischen Hilfsmitteln?)
Problemkreise/Fehlerquellen
- Mangelnde Objektivität der Beobachterinnen und Beobachter
- Die Beobachterinnen und Beobachter haben ein bestimmtes Forschungsziel vor Augen und sehen mehr oder weniger unbewusst nur das, was sie sehen wollen. Sie sind voreingenommen.
- Datenerfassung und -auswertung erfolgen durch nur eine Person, sie sind somit in einem mehr oder weniger geringen Maß subjektiv.
- Die Forscherinnen und Forscher werden bei der teilnehmenden Beobachtung unter Umständen ihrer Doppelfunktion als Gruppenmitglieder und Beobachterinnen und Beobachter nicht gerecht. Sie kommen in Konfliktsituationen bzw. können Situationen erst nachträglich aus dem Gedächtnis verschriftlichen, was zu Ungenauigkeiten führen kann.
- Reaktivität der Beobachterinnen und Beobachter
Personen, die unter Beobachtung stehen, verhalten sich zumindest in der Anfangsphase der Beobachtung weniger natürlich (weniger spontan und zwanglos). Es besteht daher die Gefahr, dass von den Beobachterinnen und Beobachtern ein verfälschtes Verhalten registriert wird, was den Wert der Untersuchung beeinträchtigt.
Teilnehmende Beobachtung
Unter teilnehmendem Beobachten versteht man das aktive und bewusste Teilnehmen an einer Aktivität (Event, Fest, Konzert oder Ähnliches) und das gleichzeitige aufmerksame (strukturierte) Beobachten von sozialen Handlungen. Teilnehmendes Beobachten kann sehr unterschiedlich gestaltet werden und orientiert sich an der Art der beobachteten Aktivität. Die Qualität der teilnehmenden Beobachtung hängt von verschiedenen Parametern ab, die in der nachstehenden Tabelle dargestellt werden:
| Natürlichkeit des Feldes | Feld | Labor |
| Beobachtungsmodus | unstrukturiert | strukturiert |
| Transparenz | offen | verdeckt |
| Mitgliedschaft der Beobachterin/des Beobachters | voll | peripher |
| Partizipationsgrad | aktiv teilnehmend | passiv teilnehmend |
Natürlichkeit des Feldes:
Beobachtest du z. B. das Verhalten von Kindern bei einem bestimmten Spiel, so kann diese Aktivität wie in einem Labor inszeniert werden. Es ist aber auch möglich, ein solches Verhalten „im Feld“, also in der Alltagsrealität, teilnehmend zu beobachten.
Beobachtungsmodus:
Teilnehmendes Beobachten kann strukturiert und unstrukturiert erfolgen.
- Strukturiertes Beobachten heißt, dass man nach bestimmten Aspekten einer Aktivität sucht und sich auf ein bestimmtes Element konzentriert (z. B. die Kleidung verschiedener Akteurinnen und Akteure bei einem hinduistischen Ritual).
- Unstrukturiertes Beobachten ist z. B. dann sinnvoll, wenn man an einer Aktivität zum ersten Mal beobachtend teilnimmt, nur wenige Vorkenntnisse dazu hat und im Vorfeld noch nicht entscheiden möchte/kann, welchem Aspekt man sein Augenmerk schenken möchte (z. B. Teilnahme an einer politischen Veranstaltung, bei deren Beobachtung viele Faktoren wichtig sind und deren Verlauf nicht absehbar ist).
Transparenz:
Teilnehmendes Beobachten kann offen oder (in seltenen Fällen) verdeckt durchgeführt werden.
- Offen ist eine Beobachtung dann, wenn man den Menschen offen sagt, dass eine Beobachtung einer Aktivität (zu Forschungszwecken) durchgeführt wird..
- Von verdecktem Beobachten spricht man, wenn den Menschen nicht mitgeteilt wird, dass man beobachtend Daten erhebt. Letzteres ist gut zu überlegen, da bei einer späteren Offenlegung Menschen evtl. brüskiert bzw. damit nicht einverstanden sind.
Mitgliedschaft der Beobachterin/des Beobachters und Partizipationsgrad:
Inwieweit die teilnehmende Beobachterin bzw. der teilnehmende Beobachter in die Aktivität, die beobachtet wird, involviert ist, spielt eine große Rolle für die Forschungsarbeit. Man kann zwischen voller, aktiver und peripherer Mitgliedschaft unterscheiden.
- Periphere Mitgliedschaft: Ich bin Besucherin einer römisch-katholischen Kirche und beobachte eine mir fremde Familie, die die Taufe eines Familienmitglieds feiert. Ich hole bei den Familienmitgliedern die Erlaubnis ein, das Ritual zu beobachten, und mache mir als Außenstehende (während oder nach der Feier) Notizen.
- Aktive Mitgliedschaft: Eines meiner Familienmitglieder (z.B. Cousin) wird getauft. Ich bin eingeladen, bin Teil des Feldes und kann aktiv teilnehmend die Taufe beobachten. Notizen kann ich mir evtl. erst nach der Taufe machen. Als Teilnehmerin bzw. Teilnehmer ist es mir möglich, einige Fotos zu machen.
- Volle Mitgliedschaft: Ich lasse mein eigenes Kind römisch-katholisch taufen. Ich stehe mit meinem Kind im Zentrum des Rituals. Im Anschluss daran mache ich mir Notizen zur Dokumentation der Vorgänge.
Hinsichtlich des Partizipationsgrades werden aktiv und passiv teilnehmende Beobachtungen unterschieden.
Die hier beschriebenen qualitativen Merkmale der angewendeten teilnehmenden Beobachtung sind in der abschließenden Arbeit offenzulegen. So wird gezeigt, wie und unter welchen Rahmenbedingungen man gearbeitet hat.
Wichtige vorbereitende Fragen für die Umsetzung einer teilnehmenden Beobachtung
- Warum möchte ich etwas beobachten? Was erwarte ich mir davon? Warum hilft mir die teilnehmende Beobachtung bei der Beantwortung meiner Fragestellung?
- Was möchte ich beobachten? (Nicht alle Aspekte einer Aktivität müssen für die Beantwortung einer bestimmten Fragestellung relevant sein!)
- Wen muss ich darüber informieren, dass ich etwas beobachten will? Überschreite ich rechtliche Grenzen?
- Welchen Zeitpunkt wähle ich für die teilnehmende Beobachtung? Wann ist eine solche passend/zielführend?
Die Dokumentation einer teilnehmenden Beobachtung
Beobachtet man eine Aktivität oder nimmt man z. B. an einer gesellschaftlichen Veranstaltung, einem religiösen Ritual oder einem familiären Fest teil, so muss/soll das Erlebte und teilnehmend Beobachtete dokumentiert werden:
- Man dokumentiert jene Aspekte, Vorkommnisse, Gegebenheiten, die besonders aufgefallen sind, die interessant waren, die mit der Beantwortung der Fragestellung zu tun haben. Was der jungen Forscherin bzw. dem jungen Forscher interessant erscheint, was besonders spannend ist, das ist auch wichtig. Empirisches Erleben bringt einen Zugewinn an Wissen und Erfahrung!
- Was wie dokumentiert wird, hängt von der beobachteten Aktivität ab. (Z. B. macht es einen Unterschied, ob man bei einem Fußballspiel im Stadion etwas beobachtet oder bei einer christlichen Taufe anwesend ist.)
- Mögliche Dokumentationsmethoden für eine teilnehmende Beobachtung sind: Forschungstagebuch oder Gedankenprotokoll (im Nachhinein), Notizbuch (währenddessen, wenn der Situation angemessen), Fotos (währenddessen, wenn erlaubt), Filmaufnahmen (währenddessen, wenn erlaubt), Audioaufnahmen (währenddessen, wenn erlaubt).
Die Auswertung der Daten
Forschungstagebücher oder Beobachtungsprotokolle werden nach dem Forschen ausgewertet. Die Aspekte der Aufzeichnungen, die helfen, einen Sachverhalt zu beschreiben und die Fragestellung zu beantworten, werden identifiziert und im Anschluss für die schriftliche oder gestalterische Arbeit verwendet.
Mischform teilstrukturierte, direkte, teilnehmende Beobachtung Anwendungsbeispiel aus der Ethologie
Protokollbogen einer Tierbeobachtung für erfahrene, geübte Beobachterinnen und Beobachter (etwa im Rahmen der ABA)
Thema: Rassenspezifische Unterschiede im Verhalten von Stubenkatzen
| Erfassung der Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen von Stubenkatzen | ||
| Protokollbogen Nr.: | Name des Beobachters/der Beobachterin: | |
| Tierart/Rasse: | Beobachtetes Individuum: | Alter des Tieres: |
| Gruppengröße: | Gruppenmitglieder/Beziehungen: | |
| Beobachtungszeitraum: | Datum der Beobachtung: | Beginn der Beobachtung: |
| Wetter: | Ende der Beobachtung: | |
Lade dir hier ein Formular zur Bestimmung der Zeitdauer von beobachteten Verhaltenselementen herunter.
Schutz des Urheberrechts vs. freie Nutzung
Der Großteil der Bilder aus dem Internet (Fotos, Cartoons, Grafiken, Diagramme etc.) ist urheberrechtlich geschützt, weswegen bei deren Verwendung die damit verbundenen urheberrechtlichen Bestimmungen zu berücksichtigen sind.
Für deine abschließende Arbeit ist das Urheberrecht nicht zwingend anzuwenden, solange es zu keiner Veröffentlichung kommt. Dennoch ist die Angabe der Urheberin/des Urhebers bzw. der Bildquelle im Sinne der gutenwissenschaftlichen Praxis vorzunehmen.
Für schriftliche Arbeiten mit forschendem Zugang gilt:
Setze Abbildungen (Bilder, Grafiken, Tabellen etc.) nur dort ein, wo sie den Text unterstützen bzw. Inhalte besser verständlich machen (Belegfunktion). Das Bild muss also zur Auseinandersetzung mit dem Thema erforderlich sein und die Argumentation veranschaulichen. Die Verwendung von Bildern zu reinen Illustrationszwecken, also zur Dekoration, ist nicht erlaubt.
Für die Dokumentation des Entstehungsprozesses gilt:
Selbst erstellte Fotos, Screenshots, Skizzen, Grafiken etc. haben die Funktion, den Entstehungsprozess nachvollziehbar darzustellen. Für übernommene Abbildungen gelten die gleichen urheberrechtlich relevanten Bestimmungen wie für die schriftliche Arbeit.
Rechtliche Konsequenzen hast du bei einem Verstoß kaum zu befürchten, wenn deine Arbeit nicht veröffentlicht wurde. Das Fehlen der entsprechenden Angaben wird jedoch Einfluss auf deine Beurteilung haben.
Die Universität Wien hat eine Checkliste zur Bildnutzung in wissenschaftlichen Arbeiten bereitgestellt. Die Checkliste kann hier heruntergeladen werden.
Eine Bildersuche in Google und anderen Suchmaschinen liefert eine Fülle an Ergebnissen. Doch wie kann man bei der Bildersuche vorgehen und worauf ist bei der Verwendung von Bildern aus dem Netz zu achten?
- Die inhaltliche Qualität (Glaubwürdigkeit) muss stimmen.
- Die ursprüngliche Quelle muss korrekt angeführt sein.
- Urheberrechtliche Bestimmungen müssen berücksichtigt werden.
- Das Bild muss beschriftet sein.

Bei der Suche nach Bildern im Netz ist es zunächst wichtig, deren Glaubwürdigkeit zu beurteilen. Das Tagging, also die Benennung oder Etikettierung von Bildern, gibt noch keine verlässliche Auskunft über deren Glaubwürdigkeit. Die Digitalisierung hat bewirkt, dass Bilder oftmals aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang genommen und in einem neuen Umfeld eingesetzt werden (Stichwort Manipulation). Die Gefahr der Verbreitung falscher Botschaften ist damit stets gegeben und eine genaue Prüfung der Bildquelle in jedem Fall erforderlich.
Die Herkunft eines Bildes bestimmen (Reverse Image Search)
Um herauszufinden, in welchem Zusammenhang ein Bild ursprünglich verwendet wurde, führst du am besten eine rückwärtsgerichtete oder umgekehrte Bildersuche durch.
Bei einer normalen Bildersuche gibt man einen Suchbegriff ein und man erhält als Resultat passende Bilder. Bei der umgekehrten Bildersuche wird der gegenläufige Weg beschritten: Als Basis dient ein vorhandenes Bild und das Ziel ist es, Informationen zu diesem Bild zu erhalten.
Es gibt zwei Möglichkeiten, eine umgekehrte Bildersuche durchzuführen:
- über Google-Bildersuche: https://images.google.com
- über TinEye: https://tineye.com
Tipps und Tricks zur normalen & rückwärtsgerichteten Bildersuche
Das Coffeecup-Lernvideo der virtuellen PH liefert eine kurze Einführung in die Bildersuche im Internet [5:40 min] und stellt frei nutzbare Bildersammlungen vor.
Frei nutzbare Bilder finden
Das Internet bietet eine große Anzahl an Plattformen, die frei nutzbare Inhalte, sogenannte Creative-Commons(CC)-Inhalte, anbieten. Bei CC-lizenzierten Bildern ist die Nutzung frei, unterliegt jedoch, je nach Angabe, unterschiedlichen Lizenz-Bedingungen (z. B. Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen). Auf manchen Portalen ist eine kostenlose Registrierung erforderlich.
Auf diesen Plattformen kannst du nach Bildern suchen:
- Meta-Suchmaschine für Creative-Commons-Inhalten: CC Search
- Bildersuche: Wikimedia Commons, Bilderpool.at, Flickr.com, Pixabay.com
- Vektorgrafiken: freepik.com
Die Nutzungsrechte bei Creative Commons werden durch entsprechende Lizenzen genau definiert. Eine solche Lizenz kann aus verschiedenen Modulen bestehen:
| Lizenz | Definition |
|---|---|
| CC0 | freie Nutzung ohne Einschränkung; nur Link zum Lizenztext erforderlich |
| CC-BY | Namensnennung erforderlich (BY), sonst ist alles erlaubt |
| CC-BY-NC | Namensnennung; kommerzielle Nutzung ist nicht erlaubt (NC = non commercial) |
| CC-BY-ND | Namensnennung; Bearbeitung nicht erlaubt (ND = no derivative) |
| CC-BY-SA | Namensnennung; Weiterverwendung nur unter gleichen Lizenzbedingungen (SA = share alike) |
| CC-BY-NC-ND | Namensnennung; keine kommerzielle Nutzung, keine Bearbeitung |
| CC-BY-NC-SA | Namensnennung; keine kommerzielle Nutzung, Weiterverwendung nur unter gleichen Lizenzbedingungen |
Detaillierte Hinweise zu den Lizenzformen und was bei der Nutzung zu beachten ist hat die Initiative Saferinternet.at zusammengetragen: Creative Commons-Inhalte richtig verwenden.
ABA-Präsentationen
Bei der (öffentlich zugänglichen) Präsentation deiner ABA darfst du ein veröffentlichtes Bild (ein „veröffentlichtes Werk der Lichtbildkunst“) dann verwenden, wenn die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck der Prüfungssituation gerechtfertigt ist. Das ist bei Bildern insbesondere zulässig, wenn sie zur Erläuterung des Inhalts der Präsentation verwendet werden (vgl. § 42f des Urheberrechtsgesetzes).
Hier kannst du weiterführende Informationen zum Urheberrecht im Zusammenhang mit der ABA finden.
Veröffentlichungen
Kommt es zu einer Veröffentlichung (Flugblatt, Schülerzeitung, Flyer, Einreichung einer ABA bei Wettbewerben, Schulwebsite), ist das Urheberrecht in vollem Umfang zu berücksichtigen. In diesem Fall musst du für die Verwendung von fremden Abbildungen die Genehmigung zur Verwendung einholen.
In diesem Abschnitt geht es um visuelles Material, das im Zuge der Arbeit an deiner ABA zu Zwecken der Dokumentation oder Analyse verwendet wird.
Es geht nicht um Filme und Fotos, die als „praktische“ bzw. „grafische Arbeiten“ in die ABA einbezogen werden und selbst thematische Grundlage einer ABA sind.
Visuelles Material (Fotos, Filme) kann auf unterschiedliche Weise für eine abschließende Arbeit eine Rolle spielen:
- Fotos und Filme können dazu verwendet werden, einzelne Schritte eines Prozesses abzubilden (z. B. Fotodokumentation über die Zubereitung einer Speise).
- In Kombination mit einer teilnehmenden Beobachtung oder einer Gruppendiskussion können Fotos oder auch filmische Dokumente helfen, Erlebtes und Erfahrenes zu dokumentieren.
- Bei einer Filmanalyse oder wenn du dich mit den Werken eines bestimmten Fotografen bzw. einer Fotografin befasst, ist das visuelle Material zentrales Element deiner ABA.
Wichtige vorbereitende Fragen für den Einsatz visueller Arbeitsweisen
- Warum soll visuelles Material verwendet werden? Ist eindeutig geklärt, was damit geschehen soll und warum diese Methode geeignet erscheint, die Fragestellung zu beantworten?
- Welche technischen Hilfsmittel brauche ich, um die visuelle Methode umzusetzen? (Fotoapparat, Videokamera etc.)
- Was will ich fotografieren?
- Wer/Was soll abgebildet werden? Habe ich das Einverständnis aller Mitwirkenden eingeholt?
- Wann kann ich was am besten abbilden? Hier ist auf das Zeitmanagement zu achten.
- Muss ich mich mit ethischen Fragen im Kontext meiner Forschung beschäftigen? Fotoapparate, Handys und Videokameras werden von Menschen oft als störend empfunden – hier ist Sensibilität für die Situation gefragt. Technische Geräte dürfen/sollen Abläufe und Aktivitäten nicht stören.
- Kenntnisse über technische Geräte können NICHT während der Forschungstätigkeit erlangt werden.
Dokumentation von visuellen Daten
- Die Ablage der Fotos auf dem PC sollte systematisch organisiert werden, die Aufnahmedaten und -orte müssen dokumentiert werden.
Auswertung und Verwendung von visuellen Daten
- Werden Fotos oder Filme analysiert, so ist zu entscheiden, welche Aspekte eines Fotos bzw. welche Elemente eines Filmes Beachtung finden sollen. Diese Entscheidung kann nur im Zusammenhang mit dem zu bearbeitenden Thema und der Fragestellung getroffen werden.
- Die in der ABA verwendeten Fotos und Abbildungen müssen in unmittelbarem inhaltlichem Zusammenhang mit dem Text stehen. Sie müssen in den Text der ABA eingebunden werden, ihr Inhalt und die Bedeutung für die schriftliche Arbeit müssen dargelegt werden. Fotos ohne Bezug zum Text sind in einer ABA nicht zulässig.
- Werden eigene Fotos bzw. Fotos anderer in der ABA verwendet, so muss immer auf die Fotografin/den Fotografen des Fotos hingewiesen werden. Zitation in der Bildbeschreibung und im Abbildungsverzeichnis.
Immer mehr Bücher, Zeitschriften oder Hörbücher werden mittlerweile als E-Medien veröffentlicht und die digitalen Angebote der Bibliotheken erfreuen sich großer Beliebtheit. Für viele Schülerinnen und Schüler ist der digitale Zugang eine wichtige Alternative, um an Informationsquellen unterschiedlicher Art für die Bearbeitung ihres ABA-Themas zu kommen. Der E-Medien-Verleih öffentlicher Bibliotheken und der AK Bibliothek digital ist für dich leicht zugänglich und kostenlos nutzbar.
E-Medien in öffentlichen Bibliotheken
Die Stadt- und Landesbibliotheken und zahlreiche Zweigstellen bieten dir österreichweit ein stets wachsendes Angebot an E-Medien. Voraussetzung für die Ausleihe sind lediglich ein gültiger Leseausweis der jeweiligen Bibliothek und ein Internetzugang. Die Nutzung kann über den PC, den Laptop, einen E-Reader oder über das Smartphone erfolgen. Je nach Größe und Ausrichtung stellen die Büchereien folgende E-Medien zur Verfügung: E-Book, E-Audio, E-Paper, E-Magazin, E-Music, E-Video.
Zur Übersicht der E-Medien-Plattformen öffentlicher Bibliotheken in Österreich
E-Medien der AK Bibliothek digital
Mit der AK Bibliothek digital stellen die Arbeiterkammern aller 9 Bundesländer ihren Leserinnen und Lesern eine E-Library zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung: AK Bibliothek digital
Die digitale Bibliothek umfasst über 30.000 deutsch- und englischsprachige E-Medien in Form von E-Books, E-Journals, E-Audios und E-Sprachkursen. Als E-Book verfügbar sind Werke der erzählenden Literatur ebenso wie Fach- und Sachliteratur aus unterschiedlichsten Wissensgebieten. Ergänzt wird das Angebot durch eine ebenfalls kostenfreie Video-on-Demand-Plattform (filmfriend), über die Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer auf mehr als 3.500 hochwertige Spiel- und Dokumentarfilme, Serien und Kurzfilme für alle Altersgruppen Zugriff erhalten.
Zusätzlich bietet die AK Bibliothek digital einen eigenen Bereich mit ausgewählter Literatur, der dich ebenso wie deine Betreuungsperson bei der Umsetzung der ABA unterstützen kann: Sammlung abschließende Arbeit.
Vertreten sind Bücher
- Bücher zum Prinzip des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens,
- Bücher zur korrekten methodischen Vorgehensweise,
- Bücher zur Vorbereitung auf die Präsentation und Diskussion,
- Bücher zu Motivation und Zeitmanagement sowie
- Grammatik- und Wörterbücher.
Weiterführende Informationen zur einmaligen Registrierung, zur Suche im elektronischen Bibliothekskatalog sowie zur Nutzung der E-Medien über Smartphone, Laptop/Tablet/PC oder E-Reader, finden sich hier.
Wie können Schulen die Ausleihe elektronischer Medien unterstützen?
Du kennst dich bei den E-Medien-Plattformen der Bibliotheken nicht aus? Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekare können dich darin unterstützen, das E-Angebot der Bibliotheken kennenzulernen. Schülergerechte Anleitungen auf der Website deiner Schule (der Schulbibliothek) und Workshops zur Nutzung von E-Medien-Plattformen helfen dir, digitale Medien für dich zu entdecken und zu nutzen.
Du kannst das E-Angebot öffentlicher Bibliotheken und der AK Bibliothekdigital kostenlos nutzen. Voraussetzung sind lediglich ein gültiger Leseausweis bzw. ein aktives Nutzerinnen/Nutzer-Konto der jeweiligen Bibliothek sowie ein Internetzugang. Die Ausleihe kann über den Computer oder Laptop, ein Tablet, einen E-Reader oder über das Smartphone erfolgen. Für die Nutzung über das Smartphone stehen kostenlose Apps zur Verfügung.
Allgemeine Tipps zur Ausleihe von E-Medien in Bibliotheken findest du hier.
Bei einer Einzelfallanalyse wird ein einzelner „Fall“ untersucht. Ein Fall kann eine Person, eine Personengruppe (z. B. Familie, Schulklasse) eine Organisation (z. B. ein Unternehmen, eine bestimmte Schule), eine Situation (z. B. Pausen, Woche vor der Matura, eine Aufsehen erregende Gerichtsverhandlung) oder ein Prozess (z. B. Eingewöhnungsphase im Kindergarten, Aufnahme im Krankenhaus) sein.1 Dieser Einzelfall wird durch gezielte Beobachtung systematisch beschrieben, die erhobenen Daten werden reflektiert und nach Gesetzmäßigkeiten sinnhaft interpretiert. Methoden dazu sind z. B.: Messung, teilnehmende Beobachtung, Interview, Befragung. Sie liefern die Antworten zur Fragestellung/Forschungsfrage.2
Die einzelnen Methoden werden häufig kombiniert. Grundsätzlich werden die Methoden verwendet, mit denen die Forschungsfrage am effizientesten beantwortet werden kann.
Durch die starke Eingrenzung kann der Fall ganz genau mit vielen Details beobachtet und dargestellt werden.3 Ziel dabei ist es, etwas an dem Fall besser zu verstehen. Man kann individuelle Zusammenhänge, Ursachen und Auffassungen beziehungsweise individuelle Prozesse und Entwicklungen genauer betrachten.
Ist ein Einzelfall zu wenig?
Der Einzelfall ist nicht zu wenig, allerdings auch nicht weniger Arbeit. Die Begrenzung auf einen Fall ist dann sinnvoll, wenn individuelle Perspektiven (z. B.: Wie nimmt ein Jugendlicher eine Stresssituation wie die bevorstehende Matura wahr?), komplexe Phänomene wie Deutungsmuster (z. B.: Wie wird ein außergewöhnliches Ereignis wie eine Gerichtsverhandlung mit prominenten Angeklagten in der Tagespresse rezensiert und interpretiert?), Handlungsmuster (z. B.: Wie gehen Kinder mit einer unbekannten Situation wie dem ersten Schultag um?), individuelle Entwicklungsverläufe (z. B.: Was verändert sich für einen Jugendlichen, wenn er anfängt, jeden Tag Sport zu machen?) oder Prozesse (z. B.: Wie läuft die Vorbereitung für ein Schuljahr im Ausland ab?) von Interesse sind. Im Gegensatz zu einer quantitativen Umfrage, die über große Stichproben Erkenntnisse über die Allgemeinheit gewinnen will, wird in der Einzelfallstudie durch die Erfassung vieler Details versucht, tiefgreifende Erkenntnisse über den einen Fall zu bekommen.4 Das heißt, dass in der Einzelfallanalyse auch viele Daten erhoben werden, allerdings nur von einem Fall.
Für eine ABA kann ein Fall ausgewählt und beschrieben werden. Man kann aber auch zwei oder drei Fälle auswählen und einen Fallvergleich vornehmen.
Vorgehen, Dokumentation und Auswertung
Ausgangspunkt der ABA ist die Fragestellung und ihre Beantwortung. Nur wenn man weiß, was man untersuchen möchte, kann man sinnvolle Entscheidungen zu Vorgehen und Methode treffen. Wesentlich ist, dass die Einzelfallanalyse in einen theoretischen Rahmen eingebettet wird. Dazu gehören Begriffsklärungen und die Anbindung an Literatur.
Hier sind die wichtigsten Entscheidungsschritte aufgelistet:
1. Fragestellung
Formuliere die Fragestellung: Was soll herausgefunden werden, was soll mit der Fallanalyse bezweckt werden?
2. Fallauswahl
Nun muss ein Fall ausgewählt werden. Es kann sich um einen typischen oder außergewöhnlichen Fall handeln (je nach Fragestellung). Das heißt, du musst entscheiden, worüber du mehr wissen und was du untersuchen möchtest.
3. Fallabgrenzung
Wenn du weißt, was du untersuchen möchtest, musst du überlegen, wie dieser Fall abzugrenzen ist. Handelt es sich z. B. um eine Person, gilt es festzulegen, welchen Aspekt du in welchem Kontext untersuchen möchtest. Handelt es sich um eine Situation oder einen Prozess, musst du dir darüber Gedanken machen, was die Situation/den Prozess ausmacht, wo Start und Endpunkt sind, wer beteiligt ist etc.
4. Methodenauswahl und Methodenmix
Prinzipiell stehen alle Methoden der empirischen Sozialforschung zur Verfügung. Je nach Fragestellung kannst du messen, beobachten, interviewen, Dokumente analysieren und auch verschiedene Methoden kombinieren.
5. Dokumentation
Alle Methoden und Vorgehensweisen müssen systematisch und nachvollziehbar dokumentiert werden – durch nummerierte Transkripte, Aufzeichnungen, Notizen, Videomaterial etc. Das Material kannst du, wenn Umfang und Datenschutz es gestatten, im Anhang der ABA veröffentlichen. Umfangreiche Transkripte finden sich üblicherweise nicht im Anhang.
In denjenigen Teilen deiner ABA, in denen mit Literatur gearbeitet wurde, musst du die verwendete Literatur klar ausweisen und die Literaturauswahl begründen.
Die Methode und die Vorgehensweise werden im Hauptteil der Arbeit beschrieben.
6. Auswertung
Die Ergebnisse müssen in einem eigenen Kapitel präsentiert und analysiert werden. Die Auswertung der Daten erfolgt gemäß der verwendeten Forschungsmethode. Insgesamt geht es darum, die erhobenen Daten zu interpretieren. Dabei musst du immer genaue auf das Datenmaterial verweisen (z. B.: Tagebuchmessung 3, S. 7 oder: Interview 1, S. 5, Zeile 7).
Beispiel: Wie geht ein Jugendlicher mit einer Stresssituation – am Beispiel der Matura – um? Ad 1 und 2) Zu dem Fall gehören der Jugendliche, die Matura und alles aus seinem Umfeld, das unterstützend oder stressend sein könnte. Eine Abgrenzung kann daher erst erfolgen, wenn man erste Informationen zum Fall hat (z. B. durch Literaturrecherche zu „Umgang mit Stress“ oder/und ein Interview). Ad 3) Da das Interesse auf dem individuellen Umgang und der subjektiven Einschätzung des Jugendlichen liegt, bietet es sich an, ein oder mehrere Interviews zu verschiedenen Zeitpunkten mit dem Jugendlichen und eine Beobachtung durchzuführen (z. B. der Jugendliche vor, zwischen und nach der Matura). Eine Dokumentenanalyse der Zeugnisse, Beurteilungen und Einschätzungen von Lehrerinnen und Lehrern könnte den Fall ergänzen. Man könnte auch das Tagebuch des Jugendlichen verwenden, in dem er seine Befindlichkeit und den empfundenen Stress in Verbindung mit der Matura dokumentiert. Ad 4) Das Interview muss aufgenommen und zentrale Aussagen müssen transkribiert werden. Die Beobachtungen müssen in Form von Protokollen festgehalten werden. Die Dokumente müssen gesammelt und nummeriert werden. Das Tagebuch kann anhand von statistischen Methoden ausgewertet werden, wenn quantitative Skalen verwendet wurden. Diese Dokumentation ist wichtig, da in der Arbeit systematisch auf die Daten verwiesen werden muss (das heißt mit Angaben zur Art der Daten und zur genauen Seite; z. B.: Interviewtranskript 2, Seite 4, Zeile 15). Ad 5) Ergebnisse in diesem Fall sind, welche konkreten Handlungen dieser Jugendliche setzt, um mit der Matura umzugehen. Dabei kann auf alle erhobenen Daten verwiesen werden (z.B. Aussagen aus Interviews, notierten Beobachtungen, Auszüge aus Dokumenten). |
Führt man die unterschiedlichen Ergebnisse zusammen, können folgende Fragen hilfreich sein:
- Versteht man unter Berücksichtigung aller Daten die Einschätzungen, Perspektiven und Handlungsweisen der beteiligten Personen des Falles (im oberen Beispiel wären dies die Gedanken des Jugendlichen)?
- Welche Gründe und Ursachen lassen sich in den Daten für das Sosein5 des untersuchten Falles finden (im oberen Beispiel das Sosein des Jugendlichen)?
- Warum sind die Gegebenheiten (im oberen Beispiel wären dies die Handlungen und Gefühle des Jugendlichen) genau so und nicht anders? Welche Hinweise finden sich dazu in den Daten?
- Wie stehen die Informationen in Beziehung zueinander? Gibt es z. B. Widersprüche oder Irritationen zwischen den untersuchten Quellen?
1 Hering, Linda/Schmidt, Robert J. : Einzelfallanalyse. In: Baur, Nina/Blasius, Jörg (Hrsg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Wiesbaden: Springer, 2014, S. 529.
2 ebda., S. 529.
3 Mayring, Philipp: Einführung in die Qualitative Sozialforschung. Weinheim: Beltz Studium, 2002, S. 41.
4 Bude, H. Fallrekonstruktion. In: Bohnsack, Ralf/Marotzki, Winfried/Meuser, Michael (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen: Leske+Budrich, 2003, S. 60.
5 Bude, H. (2003): Fallrekonstruktion. In: Bohnsack, Ralf/Marotzki, Winfried/Meuser, Michael (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen: Leske+Budrich, S. 60.
Allgemeiner Teil
Experimente spielen in der Wissenschaft eine große Rolle.¹ Mittels Experimenten wird gewissermaßen „die Natur befragt“, um Antworten auf ein „Warum?“, „Wodurch?“, „Wie?“ zu erhalten, neue Sachverhalte zu erforschen (Daten zu erheben) und angenommene Kausalzusammenhänge hinsichtlich ihres Wahrheitsgehaltes zu überprüfen.
Experimente bestehen einerseits aus systematischen Beobachtungen und andererseits aus aktivem, planmäßigem Verändernbestimmter Variablen unter Ausschaltung bzw. zumindest Kontrolle eventueller Störfaktoren.
In Bezug auf die Einflussnahme werden verschiedene Variablen unterschieden, und zwar:
- Unabhängige, verursachende Variablen (UV): Sie werden im Experiment von den Forscherinnen und Forschern manipuliert und sind Gegenstand der Untersuchung.
- Abhängige Variablen (AV): Sie werden im Experiment beobachtet/untersucht und sind von den unabhängigen Variablen abhängig.
- Störvariablen (SV): Sie werden im Experiment kontrolliert und haben, wie die unabhängigen Variablen, Einfluss auf die abhängigen Variablen. Sie stören und machen Schlussfolgerungen von der unabhängigen auf die abhängigen Variablen missverständlich. Beispiele für mögliche Störfaktoren: Alter, Geschlecht von untersuchten Personen, Vorwissen zum Thema, Tageszeit, Geräuschpegel …
Haben Forscherinnen und Forscher eine bestimmte (Arbeits-)Hypothese entwickelt, so können sie diese unter Umständen mit einem Experiment überprüfen, in welchem sie die verursachende Variable gezielt ändern und die Auswirkung(en) dieses Vorganges auf die abhängigen Variablen untersuchen.
Um brauchbare Ergebnisse zu erhalten, darf in ein und demselben Experiment maximal eine unabhängige Variable auftreten. Abhängige Variable darf es mehrere geben, da die Veränderung der unabhängigen Variablen unter Umständen verschiedene Auswirkungen haben kann.
Beispiel 1: Wie beeinflusst die Temperatur das Lösungsverhalten von Kohlenstoffdioxid in Wasser?
Unabhängige Variable (wird variiert): Temperatur
Abhängige Variable (wird beobachtet/gemessen): Lösungsverhalten von Kohlenstoffdioxid
Störvariable: Luftdruck, pH-Wert der Lösung …
Beispiel 2: Wie beeinflusst Alkoholgenuss das Reaktionsvermögen?
Unabhängige Variable (wird variiert): konsumierte Alkoholmenge
Abhängige Variable (wird beobachtet/gemessen): Reaktionsvermögen
Störvariable: Alter, Geschlecht, Tagesverfassung
Je nach Forschungsumgebung werden Laborexperimente (in speziellen von Forschenden erstellten künstlichen Umgebungen mit hoher Kontrollmöglichkeit) und Feldexperimente (in natürlichen Umgebungen mit relativ geringer Kontrollmöglichkeit) unterschieden.
Je nach Art der Zuordnung von Versuchspersonen/Testmaterialien zu Versuchsbedingungen liegen randomisierte Experimente oder Quasi-Experimente vor. Im ersten Fall erfolgt die Zuweisung in Test- und Kontrollgruppen durch Zufall, im zweiten Fall hingegen planmäßig.
Beispielsweise ist es in klinischen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit/Verträglichkeit bestimmter Medikamenteninhaltsstoffe üblich, Patientinnen und Patienten auf zwei oder mehrere Gruppen aufzuteilen und die Gruppen miteinander zu vergleichen, um personenbezogene Störvariablen möglichst auszuschalten. Eine Gruppe erhält das Medikament, die andere Gruppe bekommt ein Placebo. In einer randomisierten Studie erfolgt die Zuweisung der Patientinnen und Patienten in eine der beiden Gruppen nach dem Zufallsprinzip, in einem Quasi-Experiment hingegen nach bestimmten Kriterien (Alter, Geschlecht, …).
Experimente werden – wie andere Forschungsmethoden auch – danach beurteilt, wie valide, reliabel, objektiv und überprüfbar sie sind.
- Ein Experiment gilt als valide (gültig, tauglich), wenn es in einem hohen Grad das misst, was gemessen werden soll.
- Von interner Validität wird gesprochen, wenn die gemessene Veränderung der abhängigen Variablen ausschließlich auf Veränderung der unabhängigen Variablen beruht und Störfaktoren möglichst konstant gehalten bzw. ausgeschlossen werden konnten.
- Eine hohe externe Validität ist gegeben, wenn sich der beobachtete kausale Zusammenhang verallgemeinern lässt. Feldexperimente haben im Allgemeinen eine höhere externe Validität als Laborexperimente, da sie in natürlichen Umgebungen stattfinden und sich die ermittelten Ursache-Wirkungs-Beziehungen besser verallgemeinern lassen. Werden die Untersuchungen zu den Auswirkungen von Alkoholgenuss auf das Reaktionsvermögen in einer natürlichen Umgebung vorgenommen, etwa im Stammlokal der Untersuchten, so sind die Ergebnisse realitätsnäher und lassen sich über die Stichprobe hinaus besser verallgemeinern/übertragen – sie haben eine hohe externe Validität. Aber wurde auch wirklich nur das gemessen, was gemessen werden soll?
- Ein Experiment gilt als reliabel (zuverlässig), wenn es unter gleichen Bedingungen zu gleichen Resultaten führt.
- Es ist objektiv, wenn unter gleichen Bedingungen auch unabhängig von den Experimentierenden gleiche Resultate entstehen.
Experimente können, auch abhängig davon, ob es sich um natur- oder geisteswissenschaftliche Experimente handelt, sehr unterschiedlich sein. In allen Fällen werden sie aber von den folgenden Faktoren bestimmt:
- den Forscherinnen und Forschern,
- den Versuchspersonen bzw. den Versuchsobjekten,
- der Versuchsanordnung und
- der Durchführung.
Ablaufphasen
Experimente verlaufen im Allgemeinen in drei Phasen: der Planungs-, Durchführungs- und Auswertungsphase.
- Die Planungsphase ist für den weiteren Verlauf des Experiments bestimmend und daher sehr wichtig. Sie besteht im Klären der folgenden Fragen und Erstellen eines detaillierten Versuchsplans:
- Welches Ziel soll mit dem Experiment verfolgt werden? Was genau soll mithilfe des Experiments im jeweiligen wissenschaftlichen Gebiet geklärt werden?
Wie und womit soll die Hypothese überprüft werden? Was genau soll gemessen, welche Daten sollen erfasst werden? Mit welcher Versuchsanordnung sollen die abhängigen Variablen erfasst werden? Welche Geräte und Materialien werden gebraucht?
Beispiel aus dem naturwissenschaftlichen Bereich:
Fragestellung: Welches Lösungsverhalten zeigt Kohlenstoffdioxid in Wasser in Abhängigkeit von der Temperatur? bzw. präziser formuliert: Löst sich Kohlenstoffdioxid bei 30° Celsius Wassertemperatur schlechter in Wasser als bei 15° Celsius?
Arbeitshypothese (Vermutung nach Aktivierung von Vorwissen): Kohlenstoffdioxid löst sich mit steigender Temperatur zunehmend schlechter in Wasser.- Soll nur eine oder sollen nacheinander mehrere unabhängige Variablen verändert werden? In welchen und wie vielen Stufen sollen sie variiert werden?
- Welche Störvariablen treten auf (Umwelteinflüsse …), wie können sie ausgeschaltet, minimiert, konstant gehalten, parallelisiert bzw. randomisiert werden?
- Welche Fehler könnten auftreten?
- Welcher Zeitrahmen steht zur Verfügung?
- Bei Gruppenarbeit: Wie ist die Aufgabenverteilung zu gestalten?
- Bei soziologischen/psychologischen Experimenten: Welche Personengruppe(n) soll(en) untersucht werden (die Gesamtheit der Zielgruppe oder nur Stichproben)? Welche Personen sollen der Experimentalgruppe zugeordnet werden und welche der Kontrollgruppe? Durch welches Verfahren soll die Zuteilung der Personen erfolgen (per Zufall oder planmäßig)?
- In der Durchführungsphase gilt es, den Versuchsplan umzusetzen. Dazu müssen bei naturwissenschaftlichen Experimenten Chemikalien und Laborgeräte bereitgestellt und Apparaturen standfest aufgebaut werden. Die Experimente müssen unter Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen ausgeführt werden.
Alle Schritte sind penibel zu protokollieren. Schließlich sollten die Experimente anhand der Aufzeichnungen zu einem anderen Zeitpunkt/von einer anderen Person wiederholt werden können bzw. können die Unterlagen bei einer eventuellen Fehlersuche hilfreich sein.
Naturwissenschaftliche Protokolle beinhalten üblicherweise die folgenden Punkte:
- Überschrift/Titel des Experiments
- Aufgaben- bzw. Fragestellung, Einleitung
- Chemikalien/Laborgeräte
- Durchführung
- Ergebnisse
- Diskussion der Ergebnisse
- Verwendete Literatur
In der Auswertungsphase sind die erhaltenen Daten gemäß dem Versuchsplan – und unter Umständen statistisch – zu erfassen, zu interpretieren, zu bewerten sowie zu diskutieren. Letzteres auch etwa in der Art: Sind Fehler aufgetreten? Wenn ja, in welcher Größenordnung? Wie zuverlässig sind die Messergebnisse? Ist das Experiment unter Umständen zu wiederholen?
Mit dem Experiment können angenommene Kausalzusammenhänge bestätigt oder widerlegt und Gesetzmäßigkeiten erkannt werden. In der Wissenschaft können gewonnene Erkenntnisse als Grundlage für neue Modelle und schließlich Theorien dienen.
Mögliche Fehlerquellen
Mögliche Fehlerquellen/Probleme:
Bei wissenschaftlichen Messungen/Experimenten werden grundsätzlich drei Arten von Fehlern unterschieden:
- Grobe Fehler aufgrund schlechter/falscher Planung, Schlamperei (Verwechslung von Proben, Unwissen, unvollständige Aufzeichnungen etc.). Sie liefern mehr oder weniger falsche Ergebnisse.
- Systematische Fehler z. B. aufgrund von falsch geeichten Messinstrumenten, Waagen etc., schlecht geschulten Experimentierenden. Diese Experimente liefern entweder konstant zu hohe oder zu niedrige Werte. Das bedeutet, die Resultate werden in eine Richtung verschoben.
- Zufällige (statistische) Fehler aufgrund von Schwankungen äußerer Bedingungen wie z. B. Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, ungenaues Ablesen von Skalen, Toleranzen beim Pipettieren (Ablesen/Einstellen eines Meniskus). Sie liefern bei mehrmaliger Wiederholung unterschiedliche Ergebnisse (Messwerte streuen um einen Mittelwert) und können durch wiederholte Messungen verringert werden.
Bei Experimenten unter Beteiligung von Personen (soziologische/psychologische Experimente, medizinische Studien und dergleichen) sind für aussagekräftige Resultate mögliche Fehlerquellen zu beachten und zu berücksichtigen.² Einige sind hier aufgelistet:
- mangelnde Motivation bzw. Übermotivation von Versuchspersonen,
- Versuchsleiterin/Versuchsleiter sieht/beobachtet nur, was sie/er sehen will (Rosenthal-Effekt),
- Einfluss persönlicher Eigenschaften, Einstellungen und Meinungen von Versuchspersonen auf das Verhalten anderer (Attributierungsfehler),
- Einflüsse der Vorher-Messung auf die Nachher-Messung (Vorher-Messung ändert möglicherweise die Einstellung der Versuchspersonen, macht sie erfahrener),
- Verwendung unterschiedlicher Messinstrumente, unterschiedliche Testauswertung durch verschiedene Personen (Instrumenteneffekte),
- einseitige Selektion (Interessenten/Nichtinteressenten),
- gehäufte Aussteiger (Versuchspersonen, die das Experiment vorzeitig abbrechen) aus einer Versuchsgruppe, z. B. der Experimentalgruppe,
- Wirkung der Zuteilung zu Experimental- oder Kontrollgruppe (Freude bei den einen bzw. Enttäuschung bei den anderen Versuchspersonen).
¹Reich, Kersten: Unterrichtsmethoden im konstruktiven und systemischen Methodenpool. Experiment. http://methodenpool.uni-koeln.de/experiment/frameset_experiment.html [Zugriff: 19.08.2019].
² Schwedt, Georg: Grundlagen der quantitativen Analyse. Fehlerbetrachtung. 6. Auflage. Weinheim: Wiley VCH, 2009, S. 5ff.
Die Untersuchung historischer Filme ist eine geeignete Aufgabenstellung für eine ABA, da sie gut eingrenzbar ist und zugleich die Möglichkeit bietet, substanzielles inhaltliches Wissen und relevante methodische Fertigkeiten zu zeigen. Folgende Aspekte musst du dabei beachten:
- Der anhaltende Geschichtsboom seit den 80er-Jahren wurde und wird ganz zentral durch filmische Geschichtsdarstellungen getragen (z. B. „Holocaust“ [1987], „Schindlers Liste“ [1993], „Soldat James Ryan“ [1998], „Gladiator“ [2000])
- Filme mit historischen Bezügen lassen sich auf zwei Arten untersuchen: Entweder sie werden als filmische Quellen (z. B. Aufnahmen von Familienfeiern als Quelle für Alltagsgeschichte) verwendet oder als filmische Geschichtsdarstellungen (Dokumentationen oder Spielfilme). Allerdings können auch filmische Geschichtsdarstellungen zu Quellen werden, wenn dies die Fragestellung verlangt (z. B. US-amerikanische Antikenfilme der 60er- und 70er-Jahren als Metapher für den Kalten Krieg).
- Filmische Geschichtsdarstellungen sind immer Rekonstruktionen. Selbst eine genau recherchierte Dokumentation kann niemals alle Fakten kennen. Sie zeigt daher nie, wie es „wirklich gewesen ist“, sondern muss mutmaßen, Leerstellen ausblenden oder Details glaubwürdig hinzufügen. Wie jede andere historische Darstellung ist sie notwendigerweise eine Auswahl, die durch die zeitgenössische Perspektive jener Menschen beeinflusst wird, die sie produzieren. Es gibt im Medium des Films, wie in allen anderen Medien auch, keine objektive Darstellung historischer Verläufe. Entscheidend für die Interpretation ist der zeitgebundene Kontext, in dem die filmische Darstellung entstanden ist.
- Historische Spielfilme, aber auch Dokumentationen haben immer eine bestimmte Wirkabsicht. Sie wollen etwas Bestimmtes bei der Zuseherin/beim Zuseher erreichen, etwa Emotionen, bestimmte Geschichtsbilder erwirken oder Meinungen beeinflussen. Dies trifft auch dann zu, wenn ihnen keine bewussten manipulativen Absichten zugrunde liegen. Filme lassen sich hinsichtlich ihrer inhaltlichen (Was?) und ihrer ästhetischen Umsetzung (Wie?) analysieren. Interessant ist, wie beide Seiten aufeinander bezogen sind, also mit welchen Gestaltungsmitteln welche Inhalte dargestellt werden.
- Um filmische Darstellungen von rekonstruierter Geschichte zu analysieren, kann man die analytische Sprache der Filmanalyse verwenden. Mit ihr ist es möglich, Szenen kleinteilig zu analysieren, Elemente zu benennen und so Wirkeffekte und -absichten herauszuarbeiten.
Wie kann man Filme analysieren?
Kontext und Grobanalyse
- Eckdaten: Titel, Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Erscheinungsjahr, Schauspielerinnen und Schauspieler, gewonnene Preise, beteiligte Länder etc.
- Genre: Dokumentarfilm (faktisch, Faktentreue) oder Spielfilm (fiktional); heute gibt es vielfach Mischformen (z. B. Dokudrama, Spielfilmszene in Doku, Docutainment)
- Handlungsanalyse (Plot): Handlungsverlaufskurve zeichnen (Wendepunkte, Exposition etc.), Analyse im Rahmen von Modellen wie Heldenreise, 5-Akt-Schema oder Schema von Syd Field, Zeit- und Raumgestaltung, Erzählperspektive, Plot und Story vergleichen
- Dramaturgie: Spannungsverlauf, Einsatz filmischer Mittel zur Rezeptionslenkung und Spannungserzeugung, erzählerische Umsetzung (Diskurs vs. Plot)
- Inhaltsanalyse: historisches Thema oder historische Person
- Figurencharakteristik und -konstellation: Steckbriefe, Beziehungsnetzwerk der Figuren, Gegenüberstellung von Figureneigenschaften
Detailanalyse
Bei der Szenenanalyse wird ein kurzer Ausschnitt aus dem Film verwendet, der im Detail analysiert wird.
- Bild:
- Kameraperspektive: Vogel- bis Froschperspektive
- Kameraeinstellung: Panorama, Totale, Halbtotale, Halbnah, Amerikanisch, Nah, Groß, Detail, Over-the-Shoulder-Shot, Point-of-View-Shot
- Kamerabewegung: Kameraschwenk und Kamerafahrt
- Schnitt: harter Schnitt, weicher Schnitt, Jump-Cut, Match-Cut, Parallelmontage, Schuss-Gegenschuss-Verfahren
- Montage: Vermischung unterschiedlicher Darstellungen, Genres (fiktional und nonfiktional) oder Szenen
- Ton und Musik: Lautstärke, Geschwindigkeit, Rhythmus, verwendete Instrumente, musikalische Motivik und Leitthemen, Verbindung von Szene und Musik, Sprache, Kommentare
- Licht: Einsatz von Beleuchtung, Farbgebung, Kontraste, Symboliken
- Ausstattung
- Spezialeffekte
- Dokumentarische Formen: Bildmaterial, Zeitzeugeninterviews, Archivmaterial etc.
Zur Analyse lässt sich ein sogenanntes Sequenzprotokoll erstellen. Selbst die Analyse sehr kurzer Sequenzen ist mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, dies trifft aufgrund der raschen Schnittfolge besonders auf den modernen Spielfilm zu. Daher sind solche Analysen nur für Schlüsselszenen zu empfehlen.
Ein Beispiel für ein solches Sequenzprotokoll könnte etwa so aussehen:
| Einstellung (#) | Dauer | Kameraperspektive, -einstellung und -bewegung | Was sieht man? | Was hört man? |
| … | … | … | … | … |
Wie lässt sich die Analyse weiterverwenden?
Die Filmanalyse ist das Handwerkszeug zur Zerlegung audiovisueller Darstellungen. Sie ist aber kein Selbstzweck, sondern stellt die Grundlage dar, auf deren Basis das filmische Material entsprechend einer spezifischen Forschungsfrage bearbeitet wird. Das Ziel ist es, filmästhetische Umsetzung und Inhalte auf einen bestimmten Kontext zu beziehen. Beispiele dafür können etwa sein:
- Filmästhetische/-historische Fragestellungen: Inwiefern lässt sich bei dem audiovisuellen Material von einem bestimmten Stil/Genre, einer bestimmten künstlerischen Innovation etc. sprechen? Sind die filmästhetischen Mittel für den filmgeschichtlichen Kontext, das Genre, die Regisseurin/den Regisseur (un-)typisch? Lässt die filmästhetische Umsetzung Rückschlüsse auf den wirtschaftlichen (Miss-)Erfolg, die Rezeption oder die Publikumserwartung zu?
- Soziologische Fragestellungen: Welches gesellschaftliche Thema, welcher Sachverhalt, welche Problemlage, welcher Konflikt wird dargestellt? Welche Zuschreibungen (Sympathie, Opfer/Täter, Stereotypen, Vorurteile etc.) verwendet der Film? Inwiefern entwirft der Film Lösungen? Mit welchen filmästhetischen Mitteln werden wissenschaftliche Theorien vereinfacht und populär dargestellt?
- Politische Fragestellungen: Welche politische Gesamtaussage hat der Film im Entstehungskontext? Welche Faktoren mit politischen Implikationen (Fördergeber, Auftraggeber, politische Ansichten des Regisseurs etc.) haben den Film beeinflusst? Welche filmästhetischen Mittel werden genutzt, um implizit oder explizit eine bestimmte politische Wirkung zu erzielen (v. a. etwa Symboliken)? Inwiefern werden in dem Film ideologische Einflüsse sichtbar?
- Historische Fragestellungen: Wie werden historische Prozesse hinsichtlich einer bestimmten Gesamtaussage oder Wirkabsicht dargestellt und abgeändert? Welche filmästhetischen Mittel werden eingesetzt, um historische Ereignisse zu dramatisieren? Welche Authentifizierungsstrategien werden verwendet, damit die filmische Darstellung glaubhaft wirkt? Welche Geschichtsbilder werden aus welchen Gründen präsentiert?
Literatur:
Ammerer, Heinrich: Filmanalyse. Arbeitsblätter für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht. Schwalbach: Wochenschau, 2016.
Beicken, Peter: Wie interpretiert man einen Film? Stuttgart: Reclam, 2004.
Fischer, Thomas/Schuhbauer, Thomas: Geschichte in Film und Fernsehen. Theorie – Praxis – Berufsfelder. Stuttgart: UTB, 2016.
Ganguly, Martin: Filmanalyse. Stuttgart: Klett, 2011.
Kleinhans, Bernd: Filme im Geschichtsunterricht – Formate, Methoden, Ziele. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag, 2016.
Ein Interview ist eine Methode (also ein geplantes Vorgehen) zur gezielten Informationssammlung. In Form eines mündlichen Gesprächs stellst du Fragen zu Erfahrungen und persönlichen Sichtweisen deiner Gesprächspartnerin/deines Gesprächspartners. Im Unterschied zu einem Fragebogen sind beim Interview keine Antworten vorgegeben.
Ein Interview ist nie nur eine angewandte wissenschaftliche Methode, sondern immer auch eine soziale Begegnung zwischen Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen.
Interviews werden eingesetzt, um unter anderem herauszufinden,
- was Menschen über ein bestimmtes Thema denken (welche Einstellungen oder Deutungsmuster sie in Bezug auf ein bestimmtes Thema haben)1,
- welche Erfahrungen Menschen in einem bestimmten Lebensbereich gemacht haben oder
- welche Expertise sich bestimmte Personen in Bezug auf ein Themenfeld, ein Fachgebiet, ein Tätigkeitsfeld etc. angeeignet haben.
2.1 Wann ist es sinnvoll, ein Interview durchzuführen?
Jedes methodische Vorgehen im Rahmen der Erstellung der ABA dient dazu, die Fragestellung bzw. die Leitfragen zu beantworten. Ob ein Interview die „richtige“ oder adäquate Methode ist, hängt davon ab, ob es bei der Beantwortung der Fragestellung und der Leitfragen hilft.2
Ist die „Innenperspektive“ von Betroffenen oder die „Fachmeinung“ von Expertinnen und Experten von Interesse, so bietet sich das Interview an. Damit kann man mehr über individuelle Sichtweisen, persönliche Erfahrungen, Meinungen, Motive und Expertisen der Interviewpartnerinnen oder Interviewpartner erfahren.
Die Vorbereitung und Nachbereitung von Interviews sind mit großem Aufwand verbunden, deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld genau mit den dafür nötigen Arbeitsschritten zu befassen.
Relevante Fragen vor der Methodenwahl Interview
- Warum möchte ich für meine ABA ein Interview führen? Wie kann ich das erklären?
- Welche Ziele verfolge ich mit dieser Methode? Was will ich damit erreichen?
- In welcher Form soll das Interview in die Arbeit einfließen? Wie stelle ich mir das ausgehend von meinem derzeitigen Wissensstand vor?
- Was kann ich durch das Interview erfahren, das ich durch andere Quellen nicht erfahre?
Das Interview ist als Methode für die ABA sinnvoll, wenn …
- die Literatur für die Beantwortung der Frage lückenhaft oder unvollständig ist und man sie daher um eine neue Perspektive/einen neuen Aspekt ergänzen möchte,
- Informationen in allgemein formulierter Form vorhanden sind und man sie um spezifischere und genauere Erklärungen ergänzen möchte,
- Informationen auf theoretischer Ebene vorhanden sind und man zusätzlich an Handlungen, Umsetzungsstrategien, Einstellungen und Einschätzungen von Fachexpertinnen und Fachexperten in der Praxis interessiert ist,
- Informationen so komplex sind, dass man auf Erklärungen von Expertinnen und Experten zurückgreifen muss oder möchte,
- Informationen mit einem interessanten Beispiel aus der Lebenspraxis eines Menschen illustriert werden sollen,
- Informationen in anderen Quellen vorhanden sind, man diese jedoch hinterfragen möchte.
2.2 Wann ist es nicht sinnvoll, ein Interview durchzuführen?
Nicht bei jedem Thema ist es sinnvoll, ein Interview durchzuführen. Es gibt verschiedene Methoden, um Informationen und Wissen zu sammeln. Deshalb ist es wichtig, sich ausführlich darüber Gedanken zu machen, wie man vorgehen möchte und welche Methoden im Kontext des ABA-Themas zielführend eingesetzt werden können.
Das Interview als Methode zu wählen, ist im Kontext der ABA nicht sinnvoll, wenn …
- das Interview nicht der Beantwortung der Fragestellung dient (auch wenn es zum Thema passt),
- ausschließlich Dinge erfragt werden, die in der Literatur bereits gut abgebildet sind (z. B. ein Expertinnen- oder Experten-Interview mit einer Ärztin oder einem Arzt zu einem bestimmten Krankheitsbild, ohne dabei auf Erfahrungen oder persönliche Expertise der interviewten Person einzugehen),
- das Interview nicht in die entsprechenden Teilkapitel der Arbeit eingebaut wird,
- das Interview nur dazu dienen soll, die ABA methodisch „aufzupeppen“ und „umfangreicher“ zu machen.
Keinesfalls werden Interviews durchgeführt, wenn dafür kein inhaltlicher Grund angeführt werden kann. Interviews werden nicht um ihrer selbst willen durchgeführt, sondern weil sie der Beantwortung der gewählten Leitfragen dienlich sind.
1 Vgl. Hussy, Walter/Schreier, Margrit/Echterhoff, Gerald: Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften für Bachelor. 2. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer, 2013, S. 224.
2 Vgl. Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11., aktualisierte und überarbeitete Aufl., Weinheim und Basel: Beltz, 2010, S. 17 ff.
eitlich sein?
In den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wurden Interviews zu sehr unterschiedlichen Zwecken und mit verschiedensten Zielen eingesetzt. Dadurch haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Interviewformen entwickelt, die besondere Spezifika aufweisen.3 Hier werden vier für die ABA häufig verwendete Interviewformen angeführt und kurz erklärt:
- das Leitfadeninterview
- das biografische Interview
- das problemzentrierte Interview
- das Expertinnen- oder Experten-Interview
3.1 Das Leitfadeninterview
Beim Leitfadeninterview wird – wie bei den meisten Interviews – ein Leitfaden vorbereitet, der der interviewenden Person hilft, durch das Gespräch zu „leiten“.
Ursprünglich war das Leitfadeninterview ein Sammelbegriff für halbstandardisierte (also zum Teil vereinheitlichte, genormte) Interviewarten, die eingesetzt werden, um die Sichtweisen von mehreren Personen zu einem Thema vergleichen zu können.4 Da für viele Interviewarten Leitfäden erstellt werden, können auch viele Interviewarten als Leitfadeninterviews bezeichnet werden. Um deutlich zu machen, welchen Stellenwert der Leitfaden im Rahmen der Methode „Interview“ einnimmt, muss daher in der ABA erklärt werden, wie das Interview vorbereitet wurde und welche Ziele damit verfolgt wurden.
Bereits im Vorfeld des Interviews musst du dich über das jeweilige Thema informieren. Damit passende Fragen formuliert werden können, sind also meist schon für den Leitfaden Recherchen notwendig. Der fertige Leitfaden macht dann die für dich relevanten Themenbereiche sichtbar. Im Kapitel „Interviewvorbereitung“ sind ausführliche Informationen zur Erstellung eines Leitfadens zu finden.
Mögliche Themenstellung: Die Entstehung des österreichischen Nationalparks Donau-Auen in den 1990er-Jahren
Geeignetes Leitfadeninterview: Interview mit einer Umwelthistorikerin oder einem Umwelthistoriker
3.2 Das biografische Interview5
Informationen und Wissen sind nicht nur in Büchern dargelegt. Menschen tragen ihre Erfahrungen und Erlebnisse als sogenanntes Erfahrungswissen mit sich. Wenn wir die Stimmen und Erzählungen von Menschen hören, die über persönliche Erfahrungen berichten, wird Geschichte lebendig. Es ist also eine besondere Qualität von Interviews, dass sie dabei helfen, dieses Wissen hörbar und erfahrbar zu machen.
Wollen wir also besondere Erfahrungen aus dem Leben, also aus der Biografie eines Menschen in eine ABA einarbeiten, so wählen wir das biografische Interview. Dieses wird mittels Recherchen und der Erstellung eines Leitfadens vorbereitet. Dennoch ist die interviewende Person bestrebt, mehr den Erzählungen des Gegenübers zu lauschen, als das Gespräch durch Fragen zu steuern. Ziel ist es, einen möglichst ungestörten Erzählfluss beim Gegenüber zu erwirken.
Eine Sonderform des biografischen Interviews ist das Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterview6. Dieses kann sich auf einen bestimmten thematischen Ausschnitt im Leben eines Menschen beziehen oder auch auf die gesamte Biografie der interviewten Person. Im Mittelpunkt steht immer deren Sichtweise auf das eigene Erleben. Diese Interviews können zum einen historische Arbeiten bereichern und ergänzen, zum anderen können Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterviews auch im Zentrum einer Arbeit stehen, wenn vorrangig die in den Interviews eingebrachten Perspektiven und Wahrnehmungen analysiert werden. Man spricht bei einer solchen Vorgehensweise auch von „Oral History“7. Zu beachten ist dabei, dass die Erzählungen und Erinnerungen der Interviewten persönlich gefärbt, manchmal „verfärbt“ sind. Sie erzählen nicht die (eine, wahre) Geschichte, sondern ihre Geschichte. Sie erzählen sie so, wie sie sich daran erinnern.
Wie jedes Interview sollte auch das Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterview nicht dazu dienen, Dinge zu erfragen, die in der Literatur bereits gut abgebildet sind. Zur inhaltlichen Vorbereitung gehört also das Einlesen in den spezifischen Themenbereich. Darüber hinaus sollte geklärt werden, ob man in Archiven (Stadt-, Landes-, Gemeindearchiv, Pfarrarchiv etc.) historische Dokumente oder Fotos zum Thema einsehen kann. Erst dann kann entschieden werden, ob ein Zeitzeugeninterview als Methode gewählt werden soll.
Mögliche Themenstellung: Aufwachsen in einem von der Scientology-Organisation geprägten Familienumfeld in den 1980er- und 1990er-Jahren in Österreich
Geeignetes Interview: Biografisches Interview mit einer betroffenen Person
3.3. Das problem- bzw. themenzentrierte Interview8
Bei der Bearbeitung bestimmter Themen kann es sein, dass z. B. gesellschaftliche oder naturwissenschaftliche Probleme im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Dafür ist es manchmal hilfreich, eine Person zu einem Gespräch einzuladen, die sich mit dem Problem oder dem Thema schon länger privat oder beruflich beschäftigt. Hier interessieren besonders die Wahrnehmungen, Erfahrungen und Reflexionen der ausgewählten Person zum untersuchten Problem. In diesem Fall wird von einem problem- oder themenzentrierten Interview gesprochen. Auch hierbei wird ein Leitfaden erstellt und die vorbereitenden Recherchen konzentrieren sich auf das ausgewählte Problem, um ein kompetentes Gespräch mit der interviewten Person führen zu können.
Mögliche Themenstellung: Wien und seine Abfallwirtschaft – Probleme und Herausforderungen
Geeignetes Interview: Problemzentriertes Interview mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der MA 48
3.4. Das Expertinnen- bzw. Expterten-Interview9
Das Expertinnen- bzw. Experten-Interview ist dem problemzentrierten Interview ähnlich. Es ist aber noch stärker auf die besondere Expertise der zu interviewenden Person ausgerichtet. Bei dieser Interviewform geht es um das Fachwissen und meist auch um das institutionelle Wissen einer bestimmten Person. Das bedeutet, dass ein Mensch befragt wird, dessen hohe Expertise und dessen Wirkungsfeld uns besonders interessiert. Sehr oft sind das Wissenschafterinnen, Wissenschafter oder andere Personen, die – aufgrund ihrer Arbeitsbereiche oder aufgrund spezieller Erfahrungen – über spezielles Wissen verfügen.
Mögliche Themenstellung: Aktuelle Forschungsfelder im Bereich Quantenphysik in Österreich
Geeignetes Interview: Expertinnen-Interview mit einer Physikerin oder einem Physiker der Universität Graz
3.5. Anmerkung zur Interviewpraxis
Ein Interview ist immer sehr gut und genau vorzubereiten. Niemals wird es bei der Durchführung möglich sein, alle Sequenzen eines Interviews zu steuern und zu lenken. Selbst wenn ein Interview z. B. problemzentriert angelegt ist, kann es sein, dass eine interviewte Person biografische Details in das Interview einbaut. Ebenso kann es geschehen, dass Menschen in Zeitzeugeninterviews auf ihre fachliche Expertise in Bezug auf ihre Arbeit eingehen. Es kann also durchaus vorkommen, dass man ein „themenzentriertes Leitfadeninterview mit biografischen Elementen“ durchführt. So etwas kommt sehr häufig vor..
Gute Interviews sind Gespräche, die inhaltlich und atmosphärisch gelungen sind. Das sollte bei der Interviewführung im Zentrum des Interesses stehen.
3 Vgl. Hopf, Christel: Qualitative Interviews – ein Überblick. In: Flick, Uwe/Kardoff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004, S. 349–359.
4 Vgl. Hussy, Walter/Schreier, Margrit/Echterhoff, Gerald: Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften für Bachelor. 2. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer, 2013.
5 Vgl. Marotzki, Winfried: Qualitative Biographieforschung. In: Flick, Uwe/Kardoff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004, S. 175–186.
6 Vgl. Interview-Beispiele dazu: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
URL: https://www.zeitzeugen-portal.de/ [Zugriff 06.10.2025].
7 Vgl. Teibenbacher, Peter (o. J.): Zur Oral History. Universität Graz/Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte. URL: https://wirtschaftsgeschichte.uni-graz.at/de/forschen/oral-history-archiv/zur-oral-history/ [Zugriff 06.10.2025].
8 Vgl. Witzel, Andreas: Das problemzentrierte Interview. In: Forum: Qualitative Sozialforschung, Vol.1/Nr.1, 2000. URL: https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1132/2519 [Zugriff 06.10.2025].
9 Vgl. Meuser, Michael/Nagel, Ulrike: ExpertInneninterview. In: Becker Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften: 2010, S. 376–379.
4.1 Die Wahl des Gesprächspartners/der Gesprächspartnerin
Die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner für die zu führenden Interviews werden je nach Themenwahl und Anliegen ausgewählt. Dabei stellen sich für dich folgende Fragen:
- Wer soll für die Beantwortung meiner Leitfragen interviewt werden?
- Welche Personen helfen mir bei der Beantwortung meiner Fragestellung?
- Gibt es verschiedene Personen, die ich befragen kann? Sind das Expertinnen oder Experten?
- Wie viele Personen möchte ich befragen?
- Warum möchte ich das auf diese Weise machen?
- Soll es vor allem um die Lebensgeschichte eines Menschen gehen, die in der Arbeit dargestellt wird? Oder möchte ich mehrere Menschen zu einem Thema befragen, um zu aussagekräftigen Schlüssen zu gelangen?
Zu berücksichtigen ist, dass nicht die Anzahl der Interviews die Qualität deiner ABA ausmacht, sondern die Wahl der Person, die interviewt wird. Es ist manchmal zielführender, ein Interview gut und genau vorzubereiten, die zu interviewenden Personen überlegt auszuwählen und sich Zeit für eine genaue Auswertung der Inhalte zu nehmen, als sich vorzunehmen, viele Interviews zu führen. Weniger ist manchmal mehr.
Wenn du dich für ein Interview entscheidest und auch schon weißt, welche Personen bzw. Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner du suchst, stellt sich die Frage, wie du Menschen finden kannst, die ihre Expertise und Einschätzungen zu einem bestimmten Thema abgeben können.
Es kann u. a. sinnvoll sein, im Bekanntenkreis nachzufragen, ob jemand Kontakt zu Personen mit bestimmten Kenntnissen oder Qualifikationen hat. Manchmal hilft ein Anruf bei einer Zeitung oder eine Recherche auf den Internetseiten von Institutionen (z. B. Universitäten, staatliche Institutionen und Einrichtungen, NGOs), um per E-Mail oder telefonisch mit passenden Personen in Kontakt treten zu können.
4.2 Die Gesprächsanbahnung (Wahl des Ortes und des Zeitraums)
Um ein Interview anzubahnen, ist es notwendig, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie dies am besten gelingen kann – angepasst an die ausgewählten Personen und ihren gesellschaftlichen Status. Interviews sind nicht nur Werkzeuge, um Wissen zu generieren, sondern auch soziale Situationen, bei denen Anstand und respektvolles Benehmen selbstverständlich sind.
Bei der notwendigen Kontaktaufnahme, die persönlich (z. B. im Rahmen einer Veranstaltung), per E-Mail oder auch telefonisch erfolgen kann, solltest du den potenziellen Interviewpartnerinnen oder Interviewpartnern neben dem inhaltlichen Anliegen (Worum geht es eigentlich?) auch Informationen über dich und den Kontext deiner ABA mitteilen. Es sollte deshalb zu diesem Zeitpunkt bereits klar sein, welches Ziel du mit dem Interview verfolgst. Bei dieser Gelegenheit wird auch immer auf die geplante Dauer des Interviews hingewiesen.
In Rücksprache mit der zu befragenden Person werden – so sie für ein Interview bereit ist – Überlegungen hinsichtlich des Interview-Ortes, der Aufnahme des Interviews und der inhaltlichen Vorbereitungen angestellt. Der Ort ist mit Bedacht zu wählen. Der oder die Befragte sollte sich wohlfühlen können. Bei der Wahl des Ortes ist darauf zu achten, dass dort über einen längeren Zeitraum ungestört und in Ruhe gesprochen werden kann. Nur dann kann sich die Person offen äußern und ein gutes Gespräch kann zustande kommen. Auf Wunsch können den Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartnern die Leitfragen auch vorab zur Verfügung gestellt werden. Manchen Menschen gibt das im Vorfeld mehr Sicherheit.
Darüber hinaus sollte geklärt werden, ob noch jemand beim Interview dabei sein wird (z. B. Ehepartnerin oder Ehepartner, Kind). Ein Vorteil einer solchen Konstellation könnte sein, dass die Anwesenheit einer vertrauten Person Sicherheit gibt und so die Gesprächsatmosphäre verbessert werden kann. Nachteilig könnte sich auswirken, dass eventuell nicht alles erzählt wird, um z. B. die Anwesenden zu schützen. Außerdem könnten sich diese Personen ins Gespräch einmischen und somit den Erzählfluss stören.
Das Vorgespräch ist aus zwei Gründen von großer Bedeutung: Einerseits erfährt die interviewte Person mehr über das genaue Thema der Arbeit und darüber, welches Ziel mit dem Interview verfolgt wird, andererseits wird sie darüber informiert, was von ihr erwartet wird und in welchem Rahmen das Gespräch stattfinden wird.
Weitere Inhalte des Vorgesprächs sind:
- Die interviewten Personen werden gebeten, sie sich ausreichend Zeit für das Gespräch zu nehmen.
- Sie werden gefragt, welche Fragen sie zum Interview haben bzw. was sie gerne im Vorfeld wissen möchten.
- Sie werden darüber informiert, dass das Gespräch aufgezeichnet wird.
- Sie werden darüber informiert, dass eine datenschutzrechtliche Vereinbarung von beiden Seiten unterschrieben wird, die die Verwendung des Interviews regelt. Interviewpartnerinnen und Interviewpartner haben in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, Passagen des Gesprächs, die nicht veröffentlicht werden sollen, gezielt auszunehmen.
4.3 Die Zusammenstellung des Gesprächs-/Interviewleitfadens
Ein Interviewleitfaden dient – unabhängig von der gewählten Interviewform – als Orientierung und Strukturierung des geplanten Gesprächs. Ein ausgewogener Leitfaden umfasst etwa fünf bis sieben Aspekte des gewählten Themas, die jeweils mit einigen, meist offenen Fragen abgedeckt werden. Diese Themenfelder sollen und können inhaltlich sehr unterschiedliche Fragen zu sehr verschiedenen Bereichen des Themas umfassen. Je nach Themenfeld und Kontext sollten im Rahmen der ABA zu jedem Themenaspekt zwei bis sechs Fragen vorbereitet werden. Diese Anzahl hängt davon ab, welche Art von Fragen gestellt wird. Es kann auch vorkommen, dass mehr als sechs Fragen zu jedem Aspekt notwendig sind, um das Thema abzudecken.
Die Fragen werden schriftlich vorbereitet und zum Interview mitgenommen. Du solltest die Fragen allerdings auch im Kopf haben, um im Interview freier sprechen und konzentriert zuhören zu können. Wichtig: Ein Leitfaden besteht nicht aus Stichwörtern, sondern aus ausformulierten Fragen.
Abstimmen der Fragen auf die Gesprächstpartnerinnen und Gesprächspartner
Die Fragen, die gestellt werden, sollten auf die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner abgestimmt werden, d. h., Interviewerinnen und Interviewer sollten sich fragen:
- Welche Fragen kann mein Gegenüber kompetent beantworten?
- Wie muss ich die Fragen stellen, damit ich mit meinem Anliegen verstanden werde?
Dafür ist es notwendig, über die Personen zu recherchieren oder in einem Vorgespräch zu klären, ob die gewählte Person auch die richtige für das Anliegen ist.
Mit dem Leitfaden ist flexibel umzugehen. Während des Interviews können Fragen umformuliert, ergänzt oder umgestellt werden. Allerdings sollen in allen Interviews auch möglichst alle Fragen gestellt werden, die vorbereitet wurden. Dadurch werden – im Falle mehrerer Interviews – bei allen Personen dieselben Themenaspekte behandelt und die Interviews werden dadurch leichter vergleichbar.
Es gibt auch die Möglichkeit Ad-hoc-Fragen zu stellen, d. h. spontan nachzufragen, wenn Inhalte angesprochen werden, die nicht Teil des Leitfadens, aber für das Thema relevant sind. Die Führung von Leitfadeninterviews erfordert daher hohe Konzentration seitens der Interviewerinnen und Interviewer.
Fragearten
Die Fragen für Interviews werden grundsätzlich offen formuliert. Sie enthalten keine suggestiven Hinweise auf die Art der Beantwortung oder gar Antwortvorgaben. Sie werden in einer einfachen, klaren Sprache formuliert, die gut verständlich ist. Geschlossene bzw. Aufzählungsfragen, Suggestivfragen, Formulierungen, die zu starke Wertungen enthalten, ritualisierte, umgangssprachliche Alltagsfragen („Wie zufrieden bist du mit ...?“) und zu intime Fragen sind zu vermeiden. Ein hilfreiches, gut verständliches Dokument zu fünf Ebenen der Gesprächsführung mit offenen Fragen findet sich in einer Online-Zusammenstellung von Brigitte Miller.10
Aufbau des Leitfadens
Einleitende Frage(n): Der Leitfaden beginnt mit einer erzählgenerierenden Frage (einfache, zum Beschreiben und Erzählen einladende Frage). Diese führt die interviewte Person zum Thema hin und dient zum „Aufwärmen“. Erzählgenerative Fragen können die Qualität der entstehenden Daten sehr positiv und, wenn sie misslungen sind, sehr negativ beeinflussen und sollten daher sorgfältig ausgewählt werden. Eine Eröffnungsfrage ist gut gewählt, wenn sie ein Thema aufgreift, zu dem die interviewte Person jedenfalls etwas sagen kann. Dadurch entsteht eine entspannte Situation. Eine solche Frage ist themenabhängig zu wählen, d.h., sie soll mit dem Interviewthema etwas zu tun haben.
Beispiele:
- Wie sind Sie dazu gekommen, sich mit der Thematik XY zu beschäftigen?
- Warum haben Sie sich dazu entschlossen, bei diesem Projekt mitzumachen? Was hat Sie daran interessiert?
Auch bei biografischen Interviews ist eine erzählgenerierende Frage von Bedeutung. Wird eine Person zu einem bestimmten Abschnitt in ihrer Biografie befragt, so kann zuerst einmal auf den familiären Hintergrund geblickt werden bzw. auf die Rahmenbedingungen, unter denen die Person aufgewachsen ist, auch wenn das vielleicht nicht direkt etwas mit dem zentralen Themenbereich des Interviews zu tun hat.
Beispiel: Wenn Sie an Ihre Kindergarten- und Volksschulzeit denken: Wie hat Ihr familiäres Leben damals ausgesehen?
Soll die zu interviewende Person zu Beginn noch nicht mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, weil mit den Erfahrungen sehr sensibel umgegangen werden muss, kann sich die Einstiegsfrage mit der derzeitigen Lebenssituation beschäftigen.
Beispiel: Ich möchte mit einer Frage zu Ihrer derzeitigen Lebenssituation beginnen: Seit wann wohnen Sie in Wien und wie ist es gekommen, dass Sie Ihren Lebensmittelpunkt in Wien-Währing haben?
Weitere Arten von Fragen sind:
- Hauptfragen:Von einfachen bzw. leichten zu komplexen Fragen: Zu Beginn werden einfachere Fragen zu Beschreibungen und Bewertungen unproblematischer Sachverhalte gestellt, welche die Befragten kennen. Komplexere Fragen (beispielsweise Fragen nach moralischen Bewertungen und Einschätzungen, Fragen nach Möglichkeiten und Alternativen) werden erst später im Gesprächsverlauf oder gegen Ende des Interviews eingebracht.
- Ad-hoc-Fragen: Diese können nicht geplant werden und werden spontan im Laufe des Interviews gestellt (z.B. „Das ist sehr interessant. Kannst du/Können Sie mir das näher erklären?“), wenn neue Aspekte eines Themas auftauchen oder um bei Unklarheiten nachzufragen.
- Abschlussfrage:Jedes Interview kann mit einer Abschlussfrage beendet werden, um das Gespräch abzurunden. Dadurch spüren Interviewpartnerinnen und Interviewpartner, dass das Interview zu Ende geht („Meine letzte Frage lautet: Was möchtest du/Was möchten Sie noch zum Thema xy sagen, was wir bisher noch nicht angesprochen haben?“). Alternativ dazu kann auch nach einem Ausblick in die Zukunft oder einer Einschätzung zum Thema gefragt werden.
- Demografische Daten:Wenn diese nötig sind, werden sie am Schluss der Befragung thematisiert („Nun habe ich nur noch ein paar Fragen zur Statistik.“). Es werden immer nur jene Daten erhoben, die der Beantwortung der Leitfragen dienlich sind. Andernfalls ist eine Erhebung nicht zielführend.
Besonderheiten des Leitfadens für Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterviews
- Beim Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterview ist es wichtig, auf offene Fragen zu achten, die das Erzählen fördern, also z. B. „Welche Erinnerungen haben Sie an das Ereignis xx?“ statt „Erinnern Sie sich noch an das Ereignis xx?“, wo nur mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet wird.
- Als Einstieg sollten Fragen gestellt werden, die eher positive Erinnerungen hervorrufen (z. B. nach schönen Kindheitserinnerungen oder nach dem beruflichen Lebensweg) erst später solche, die auf das Erzählen von schwierigen Erfahrungen abzielen.
- Bei der Vorbereitung können Themenfelder festgelegt werden, die im Interview thematisiert werden sollen und die sich auf die Aspekte der Lebensgeschichte des Menschen beziehen, z. B. Kindheit, Berufsausbildung, familiäre Zusammenhänge und Entwicklungen, Hobbys, historisch interessante Phasen der Biografie. Fragen dazu können inhaltlich gruppiert werden.
- Je konkreter die Frage, desto kürzer und prägnanter die Antwort. Je offener die Frage, desto mehr lädt sie zum Erzählen ein. Welche Frageform gewählt wird, hängt vom Ziel des Interviews ab. Da das Zeitzeuginnen-/Zeitzeugeninterview der interviewten Person besonders viel Raum geben soll, sind die offenen Fragestellungen besonderes mit Bedacht zu wählen.
4.4 Das Probeinterview
Der Interviewleitfaden sollte in einem sogenannten Probeinterview ausprobiert werden. Dafür wird eine vertraute Person gewählt, die sich in die Interviewsituation einfühlen kann und die auch bereit ist, Feedback z. B. hinsichtlich der Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit der Fragen zu geben. Durch die Rückmeldungen der „Probe-Person“ kann der Leitfaden in Bezug auf die Reihenfolge der Fragen oder deren Formulierungen verändert und angepasst werden.
4.5 Die technische Vorbereitung
Interviews werden fast immer elektronisch aufgezeichnet. Dabei entsteht ein Audiofile. Man muss vor dem Interview überlegen, welche technischen Hilfsmittel für die Aufzeichnung verwendet werden sollen und was dafür benötigt wird.
Manchmal können Interviews nicht aufgezeichnet werden, etwa wenn Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner eine Aufnahme ablehnen. In diesem Fall müssen Notizen gemacht und im Anschluss muss ein Gedächtnisprotokoll angefertigt werden.
Im Zuge dieser technischen Überlegungen sind mehrere Fragen zu klären:
- In welcher Tonqualität soll das Interview aufgezeichnet werden?
- Mit welchem Gerät (Mobiltelefon, Aufnahmegerät, PC, Videokamera) wird das Interview aufgezeichnet? Bin ich mit dem Gerät ausreichend vertraut? Habe ich das Aufnehmen als Funktion ausprobiert?
- Welches technische Know-how wird für den Umgang mit den Geräten benötigt?
(Sind die Akkus funktionstüchtig und aufgeladen? Habe ich den Flugmodus meines Mobiltelefons aktiviert, damit ich während des Interviews nicht angerufen werden kann? Ist das gewählte Gerät funktionstüchtig und hat es ausreichende Speicherkapazitäten für die geplante Aufnahme?) - Gibt es am Interviewort Möglichkeiten zum Aufladen des Aufnahmegerätes, falls nötig?
- Ist das Interview nur für mich und meine Arbeit wichtig? Oder könnte es später an ein Archiv übergeben werden? Soll es auch über die Arbeit hinausgehend Verwendung finden? (z. B.: Soll eine kurze zentrale Passage etwa bei der Präsentation vorgespielt werden?)
10 Vgl. Miller, Brigitte: Die 5 Ebenen der Gesprächsführung mit den Fragentechniken „Offene Fragen“ erschließen. URL: https://www.business-netz.com/Kommunikation/Fragetechniken-Offene-Fragen [Zugriff 06.10.2025].
5.1 Die Haltung des Interviewers/der Interviewerin
Gutes, höfliches Benehmen in gegenseitiger Anerkennung ist Grundvoraussetzung für ein gutes Gespräch.
Personen, die sich Zeit nehmen, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Einschätzungen zu teilen, ist mit respektvoller Dankbarkeit zu begegnen. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen sich dazu bereit erklären.
Menschen, die selten Interviews geführt oder gegeben haben, sind in der Interviewsituation manchmal aufgeregt. Alle wollen ihre Sache gut machen und sich einbringen. Das kann auf beiden Seiten Nervosität verursachen. Diese emotionale Regung ist etwas Menschliches, das als gegeben und normal angenommen werden sollte. Dann wird es leichter, damit umzugehen. Auch deshalb ist es für die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner bedeutsam, im Gespräch anzukommen und sich darauf einzustimmen.
5.2 Ankommen und Einstimmen – der Einstieg in das Gespräch
Wenn sich zwei (oder mehrere) Menschen zu einem Interview verabreden, so „stürzen“ sie sich nicht sofort in das Interview. Vielmehr kommt zuerst eine sogenannte Erwärmungsphase, die dazu genutzt wird, sich ein wenig kennenzulernen, Small Talk zu führen und sich auf die gemeinsame Aufgabe einzustimmen.
Dauer des Gesprächs und Pausen
Wenn sich die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner dazu entschließen, mit dem Interview zu starten, werden zuerst noch einmal die Rahmenbedingungen er- bzw. geklärt und die geschätzte Dauer des Gesprächs wird nochmals angesprochen. Die Dauer von Interviews variiert stark und hängt u. a. sehr vom Erzählstil der interviewten Person ab. Lebensgeschichtliche Interviews dauern erfahrungsgemäß wesentlich länger (mind. 1,5 Stunden, nach oben offen) als thematische Interviews, bei denen es um ein bestimmtes historisches Ereignis oder Thema geht.
Es wird darauf verwiesen, dass Unterbrechungen oder erwünschte Pausen (z. B. Telefon läutet) kein Problem darstellen. Interviewpartnerinnen oder Interviewpartner werden explizit darauf hingewiesen, dass sie das Gespräch jederzeit pausieren und auch abbrechen können (wenn es z. B. um ein sehr emotionales Thema geht, wenn sie müde sind etc.). Denn: Wenn es zu ungeplanten Unterbrechungen kommt, kann auch die Interviewaufnahme jederzeit unterbrochen werden. Wichtig ist in so einem Fall, dass dies im Gesprächsprotokoll, das im Anschluss an das Gespräch erstellt wird, vermerkt wird.
Das Aufnahmegerät als integrierender Teil des Interviews
In dieser ersten Sequenz des Gesprächs kann das Aufnahmegerät nochmals mit einer kleinen Testaufnahme ausprobiert werden und seine Funktionen kann erklärt werden. Dies lockert das Gespräch auf und macht das Aufnahmegerät zu einem integralen, natürlichen Bestandteil der Situation. Denn technische Hilfsmittel werden manchmal als störend und als Gesprächshindernis wahrgenommen. Das kann durch ein aktives Integrieren (anstelle des Ignorierens) des Geräts verhindert werden.
„Warmplaudern“
Manchmal beginnen die Interviewpersonen schon beim „Warmplaudern“ damit, über ihre Erfahrungen zu berichten, weil sie sich bereits im Vorfeld des Gesprächs mit dem Thema befasst haben. Die Erzählende/Den Erzählenden hier zu stoppen und zu bitten, auf die Aufnahme zu warten, erzeugt eine künstliche Gesprächssituation und bremst den Erzählfluss. Deshalb ist es besser, das in dieser Phase Erzählte noch nicht aufzunehmen und später in einem Gedächtnisprotokoll zu erfassen.
Datenschutz und rechtliche Aspekte
In dieser ersten Phase des Treffens mit den Interviewpartnerinnen oder Interviewpartnern wird auch über den Schutz der personenbezogenen Daten gesprochen. Dafür sind die vorbereiteten Einwilligungs- und Datenschutzerklärungen mitzubringen und von den Gesprächspartnerinnen bzw. Gesprächspartnern vor Ort zu unterschreiben.
Seit der Einführung der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung12) auf europäischer Ebene müssen personenbezogene Daten aktiv von jenen geschützt werden, die sie sammeln. Wenn Interviews personenbezogene Daten beinhalten, muss für eine gut geschützte Datensicherung gesorgt werden. Es muss zwischen den Gesprächspartnerinnen bzw. Gesprächspartnern eine Vereinbarung eingegangen werden, die besagt, wie mit den Informationen nach dem Gespräch umgegangen wird bzw. was damit geschehen darf. Die Vereinbarung wird von beiden Seiten unterschrieben und beinhaltet zumindest die folgenden Punkte:
Ich bin damit einverstanden,
O ja O nein
O ja O nein
O ja O nein
O ja O nein
O ja O nein
O ja O nein
Unter den oben angeführten Bedingungen erkläre ich mich bereit, das Interview zu geben. Vor- und Nachname (Druckschrift): …………………………………………………………………….. Ort und Datum: ……………………………………………………………………………………………………. Unterschrift: …………………………………………………………………………………………………………
Als interviewende Person verpflichte ich mich zu einem ordnungsgemäßen Umgang mit den im Interview vorkommenden personenbezogenen Daten und dazu, die oben vereinbarten Rahmenbedingungen zu wahren. Vor- und Nachname (Druckschrift): …………………………………………………………………….. Ort und Datum: ……………………………………………………………………………………………………. Unterschrift: ………………………………………………………………………………………………………… |
5.3 Das Interview – Die Gesprächssituation
Zu Beginn des Gesprächs wird das Aufnahmegerät aktiviert und du nennst das Datum und den Ort des Interviews, den Namen der Interviewperson (wenn erlaubt) und deinen eigenen Namen. Erst danach wird die erste Frage, eine Eröffnungsfrage, gestellt.
Je wohler sich die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner fühlen, desto eher werden sie bereit sein, sich auf das Interview einzulassen.
Du solltest …
- der erzählenden Person körpersprachlich Aufmerksamkeit und Interesse signalisieren (Zuwenden, Augenkontakt, Mimik).
- aktiv zuhören und dich vollständig auf das Gespräch einlassen. Zu vermeiden ist – wie es manchmal passiert –, aus Nervosität auf den Leitfaden und die nächste Frage fixiert zu sein. Aktives Zuhören bedeutet auch, wirklich verstehen zu wollen, was das Gegenüber sagen möchte, und nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wurde.
- dem Leitfaden nicht unbedingt strikt folgen, sondern einen flexiblen Umgang damit pflegen, wenn sich das Gespräch anders entwickelt als erwartet.
- den Erzählfluss unterstützen, indem du Gesprächspausen beim Gegenüber aushältst. Menschen brauchen oftmals Zeit, um Formulierungen für das zu finden, was sie ausdrücken möchten. Je mehr Zeit ihnen gegeben wird, desto mehr Ruhe und Vertrauen kommt ins Gespräch. Dazu gehört auch, Interviewpartnerinnen und Interviewpartner ausreden zu lassen, auch wenn in einem guten, interessanten Gespräch die Versuchung manchmal groß ist, zu unterbrechen, zuzustimmen oder seine eigene Position kundzutun.
- offene Fragestellungen vorbereiten, die dir dabei helfen, den Erzählfluss zu unterstützen (siehe oben).
- auf Ermüdungserscheinungen beim Gegenüber und bei dir selbst achten und Pausen vorschlagen (vor allem bei Zeitzeugen, die manchmal schon ein höheres Alter erreicht haben, kann dies von essenzieller Bedeutung sein).
5.4 Der Abschied – das Interview ausklingen lassen
Ein gutes Gespräch zufriedenstellend zu beenden, kann in manchen Fällen eine Herausforderung darstellen. Bei sehr emotionalen Themen kann es hilfreich sein, die interviewte Person (und auch sich selbst) in die Gegenwart „zurückzuholen“, und z. B. über Pläne für die kommenden Tage zu sprechen.
Oft reden die Interviewpersonen nach dem offiziellen Ende des Interviews noch weiter, weil ihnen z. B. noch weitere Episoden einfallen. Hier gilt es, diese Informationen nach dem Interview im Gesprächsprotokoll festzuhalten.
Abschließend ist es von Bedeutung, die Interviewpartnerinnen/Interviewpartner darüber zu informieren, wie mit dem Datenmaterial weiter verfahren wird und welche Arbeitsschritte deinerseits nun folgen werden. Dazu gehört auch die Klärung der Frage, ob ihnen eine Kopie der Gesprächsaufnahme zur Verfügung gestellt werden soll.
Eine adäquate Verabschiedung und ein Dank für das Gespräch schließen diesen Prozess ab.
11 Vgl. Hermanns, Harry: Interviewen als Tätigkeit. In: Flick, Uwe/Kardoff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004, S. 360–368.
12 Vgl. dazu Hinweise des BMB zur DSGVO. URL: https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/schulrecht/ds.html [Zugriff 06.10.2025].
Nach Beendigung des Interviews solltest du in jedem Fall ein Gesprächsprotokoll verfassen bzw. Notizen machen, um Erzähltes, das vielleicht nicht aufgezeichnet wurde, zu sichern. Wie oben bereits erwähnt, passiert es nämlich manchmal, dass nach Abschalten des Aufnahmegeräts noch die eine oder andere relevante Information zwischen den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern ausgetauscht wird.
Außerdem sollen auch deine persönlichen Eindrücke in Bezug auf das Gespräch festgehalten werden. Fragen, die hierbei beantwortet werden können, sind etwa:
- Wie ging es mir selbst beim Gespräch?
- Was hat mich überrascht?
- Was war neu oder bemerkenswert?
Dies stellt eine gute Grundlage dar, um sowohl in der Umsetzung der ABA als auch bei der Diskussion über die eigenen Erfahrungen bei der Methodenanwendung reflektieren zu können.
7.1 Aktives Anhören der Audiodatei und Dokumentation der ersten Eindrücke
Nach einem erfolgreich durchgeführten Interview wird die erzeugte Audiodatei „aktiv“ angehört, d. h., du fertigst während des Anhörens Notizen über die gewonnenen Eindrücke an. Dabei werden Themen und Sachverhalte notiert, die dir für deine ABA wichtig erscheinen. Im Rahmen eines Betreuungsgesprächs können diese Eindrücke besprochen werden und es kann Feedback dazu eingeholt werden, ob die eigenen Überlegungen zu den Textstellen nachvollziehbar sind. Dabei können bereits erste Ideen entstehen, welche im Interview angesprochenen Themenfelder für die ABA besonders interessant und wertvoll erscheinen. In diesem Schritt geht es noch nicht um das Aussuchen der exakten Textstellen, sondern um das grobe thematische Erfassen der Inhalte.
7.2 Transkribieren des Interviews13
Das Transkribieren dient dazu, eine Audioaufnahme in einen Text zu verwandeln. Dieser Text kann dann inhaltlich leichter bearbeitet werden. Denn: Interviewpassagen können letztlich auch nur in Textform in eine schriftliche Arbeit integriert werden.
Transkriptionskopf
Bevor Interviews oder Interviewpassagen transkribiert werden, sollte ein Transkriptionskopf angefertigt werden. Darunter versteht man kurze Notizen über die Umstände des Interviews, die zu einem späteren Zeitpunkt wichtig werden können. Diese Notizen beinhalten verschiedene Aspekte.
Beispiel Transkriptionskopf14
|
Jeder Transkriptionskopf kann selbstverständlich um Aspekte erweitert werden, die für das Interview relevant waren und nicht in Vergessenheit geraten sollen.
Umsetzung der Transkription
Beim Transkribieren auf vorwissenschaftlichem Niveau ist zu beachten, dass der gesprochene Text so zu transkribieren ist, wie er in den Audioaufnahmen zu hören ist. D. h., dass auch Dialektausdrücke und Grammatik- bzw. Ausdrucksfehler so niedergeschrieben werden, wie sie zu hören sind. Erst nach Abschluss der Transkription kann überlegt werden, welche Interviewstellen nutzbar sind und ob diese grammatikalisch bereinigt werden können, ohne dass der Sinn der Interviewstelle verloren geht.
Ist es nicht möglich, die Interviewstelle wortwörtlich zu zitieren, weil Sätze unvollständig sind oder auch wegen eines kreativen Satzbaus, so ist es anzuraten, diese Textstelle zu paraphrasieren (= mit eigenen Worten zu umschreiben). Sie ist jedoch trotzdem zu zitieren.
Erstellung eines Transkripts auf vorwissenschaftlichem Niveau
Ein Transkript bildet den Verlauf eines Gesprächs in Form eines Textes ab. Dabei werden folgende Elemente jedenfalls abgebildet:
| Transkripte weisen immer aus, welche Personen am Wort sind, z. B. | I = Interviewerin/Interviewer IP = Interviewpartnerin/Interviewpartner |
| Bei einem Sprecherinnen- oder Sprecherwechsel ist eine Leerzeile einzufügen: | I: (…) IP: (…) |
| Die Nummerierung der Zeilen ist unbedingt erforderlich, da dies für die Zitation gebraucht wird: | 1 … 2 … 3 … |
Beim Transkribieren werden nicht nur die gesprochenen Worte aufgeschrieben, sondern auch Hinweise integriert, die anzeigen, auf welche Art etwas gesagt wurde. Die folgenden Elemente können, müssen aber nicht Berücksichtigung finden:
| Elemente | (Mögliche) Anzeige im Transkript |
| Wörter, die lauter ausgesprochen wurden, können fett markiert werden. Das kann inhaltlich wichtig sein. | z. B.: mutige Handlung |
| Wörter mit sehr starker Betonung können unterstrichen werden. | z. B.: mutige Handlung |
| Unverständliche Wörter können in Klammer gesetzt werden. | z. B. (mutige) Handlung |
| Wenn man Passagen in der Transkription auslässt, so setzt man eine Klammer mit drei Punkten. | (…) |
| Wenn ein Satz abgebrochen wird, kann das mit einem Zeichen markiert werden. | // |
Grundsätzlich gilt, dass Transkriptionselemente selbst gewählt werden können, sie müssen nur immer in der gleichen Weise eingesetzt werden.
Ein Beispiel: Es ist egal, ob der Abbruch eines Satzes im Transkript z. B. mit einem Querstrich (/)oder mit zwei Doppelpunkten (::) markiert wird. Die einheitliche Verwendung ist jedoch verpflichtend.
| Beispiel für ein einfaches Transkript (vgl. Dresing & Pehl 2012)15: |
| 11 S2: (…) |
| 12 |
| 13 S1: Aha, ähm, können Sie mir dazu ein Beispiel ein konkretes Beispiel nennen? |
| 14 |
| 15 S2: Ein besonders gutes Beispiel, das waren mal unsere Nachbarn. (…), dreißig Jahre |
| 16 verheiratet, (…) das letzte Kind endlich aus dem Haus, zum Studieren, (…) weggegangen, |
| 17 ne, nach Berlin. (…) |
| 18 |
Wahl der Transkriptionsart – vollständig und/oder selektiv
Vor dem Transkribieren ist zu entscheiden,
- ob das Interview vollständig transkribiert wird oder
- ob nur für die ABA relevante Textstellen transkribiert werden (= selektives Transkribieren).
Ad (a) Vollständiges Transkribieren
Beinhaltet das Interview sehr viele thematisch unterschiedliche und nicht verzichtbare Passagen, ist es sinnvoll, das Interview komplett bzw. den größten Teil des Interviews zu transkribieren. Dadurch ist es weitaus leichter, jene Textstellen herauszufiltern, die in unterschiedliche Kapitel der ABA integriert werden sollen.
Gelungene biografische Interviews (z.B. Zeitzeuginnen- bzw. Zeitzeugeninterviews) werden oftmals vollständig transkribiert, da der Verlauf des Gesamtgesprächs von besonderem dokumentarischem Interesse sein kann. Dies muss im Einzelfall in Rücksprache mit den betreuenden Lehrenden entschieden werden.
Entscheidest du dich für die vollständige Transkription, so musst du den im Audiofile vorhandenen Text wortwörtlich verschriftlichen. Die Hinweise zur Erstellung einer Transkription sind einzuhalten.
Ad (b) Selektives Transkribieren
Da im Kontext der Erstellung der ABA das Ausprobieren und erste Anwenden von Methoden im Mittelpunkt steht, wird sehr häufig auf das selektive Transkribieren von Interviews zurückgegriffen.
Beim selektiven Transkribieren werden nur einige wenige Stellen aus dem Interview transkribiert. Beim wiederholten Anhören der Audiodatei wird notiert, welche Stellen transkribiert werden sollen, d. h., der TC (Time Code) der Interviewstellen (z. B. 00:35:41–00:36:50) und detaillierte Hinweise, warum diese Textstellen interessant erscheinen, werden aufgeschrieben.
Wichtiger Hinweis: Eine selektive Transkription von Interviewpassagen bringt immer den Nachteil mit sich, dass bestimmte Inhalte verloren gehen, weil sie beim Anhören und Aussuchen der Textstellen nicht als interessant genug wahrgenommen wurden. Der Gesamtkontext des Interviews kann durch den Fokus auf einzelne Passagen in den Hintergrund rücken. Dem kann vorgebeugt werden, indem die Audiodateien mehrmals angehört werden. Die Audiopassagen sind jedenfalls genau auszuwählen. Es ist zu begründen, welche Interviewpassagen warum verwendet werden.
Transkriptionssoftware
Unter Transkriptionssoftware versteht man Programme zur elektronischen Bearbeitung von Audiodateien, um sie in ein schriftliches Transkript zu überführen. Solche Programme bieten die Möglichkeit, z. B. die Sprechgeschwindigkeit einzustellen, um im eigenen Tempo transkribieren zu können. Diese Programme ermöglichen auch die Erstellung von Kürzeln für den Transkriptionstext und eine Zeitmarkierung (Timecode/TC), mit der der Transkriptionstext versehen werden kann.
Links und Informationen zu Transkriptionssoftware (Online-Quelle: Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften Berlin16):
- Wreally – automatische Online-Transkription; kostenlose Online-Anwendung (Registrierung erforderlich)
- Sonix – automatische Transkription für Audio und Video; kostenpflichtig mit freier Testversion
- Voicedocs – automatische Online-Transkription; kostenpflichtig mit freier Testversion
- Webcaptioner – multilinguale Transkriptionshilfe; webbasiert (Chrome), kostenlos
- Descript – einfache Audiotranskription parallel zur Aufnahme; kostenloser Download möglich
- Easytranscript – automatische Zeitmarken, Export als YouTube-Untertitel möglich; kostenloser Download möglich
Bei Verwendung von „automatischen“ Transkriptionsprogrammen ist unbedingt eine manuelle Überarbeitung notwendig, da die Transkriptionsprogramme nicht alle Aspekte einer Audioaufnahme (z. B. Lachen) berücksichtigen.
13 Zur Erstellung von Transkripten vgl. die beiden Texte:
- Froschauer, Ulrike/Lueger, Manfred: Richtlinien für die Gesprächstranskription (Abschnitt 8.5.) In: Froschauer, Ulrike/Lueger, Manfred: Das qualitative Interview. Zur Praxis interpretativer Analyse sozialer Systeme. WUV: Wien, 2003, S. 223–224.
- Kowal, Sabine/O'Connell, Daniel C.: Zur Transkription von Gesprächen. In: Flick, Uwe/Kardorff, Ernst von/Steinke, Ines (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Rowohlt: Reinbek, 2004, S. 437–447.
14 Alle in diesem Dokument verwendeten Praxisbeispiele sind fiktive Beispiele.
15 Hilfreiche Hinweise zu einfachen Transkripten finden sich in folgender Quelle:
Dresing, Thorsten/Pehl, Thorsten: Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende. 8. Auflage, 2012. URL: https://www.audiotranskription.de/wp-content/uploads/2020/11/Praxisbuch_08_01_web.pdf [Zugriff 06.10.2025].
16 Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften, Humboldt Universität zu Berlin, Software-Empfehlungen, Transcribing. URL: https://www.ibi.hu-berlin.de/de/service/iLab/software/software-empfehlung [Zugriff 06.10.2025].
Liegt ein Transkript eines Interviews vor, so gibt es verschiedene Wege, sich mit dessen Inhalten zu beschäftigen. An dieser Stelle werden einige wenige Methoden vorgestellt, die in Bezug auf die Intensität der Beschäftigung mit dem Material dem vorwissenschaftlichen Charakter der ABA entsprechen.
8.1 Zusammenfassen/Paraphrasieren
Jedes transkribierte Interview sollte auf einer bis zwei Seiten mit eigenen Worten zusammengefasst werden. Vor allem bei der Durchführung von mehreren Interviews ist diese Methode hilfreich, damit du dich später rasch an die Inhalte erinnern kannst.
8.2 Beschlagworten von Transkripten
Beschlagworten bedeutet, einen wichtige Textstellen zu markieren und mit Schlagworten zu versehen. So werden ABA-relevante Interviewpassagen sichtbar. Sie können dann als wörtliche Zitate oder Paraphrasen für die Beantwortung der gewählten Leitfragen verwendet werden.
Im Folgenden werden zwei Methoden zur Beschlagwortung vorgestellt, die im ABA-Kontext hilfreich sein können: das offene und das selektive Beschlagworten.
Offenes Beschlagworten
Beim offenen Beschlagworten werden interessante Stellen im Transkript markiert und mit einem passenden Schlagwort versehen. Das Markieren von Textstellen kann elektronisch über die farbige Markierungsfunktion von Textverarbeitungsprogrammen oder haptisch z. B. mit Leuchtstiften durchgeführt werden.
Du hast bei dieser Form des Beschlagwortens einen „offenen Zugang“ zum Transkript, d. h., der transkribierte Text wird ohne speziellen Fokus gelesen. Der Vorteil dieser Bearbeitungsmethode ist, dass alle inhaltlich interessanten Interviewpassagen identifiziert werden. Diese können für die Beantwortung der Leitfragen relevant sein oder auch Informationen, nach denen nicht explizit gefragt wurde, für die ABA beinhalten. Dadurch kann ein Einblick in Themenbereiche entstehen, die von den interviewten Personen eingebracht wurden und bisher noch nicht für die Verwendung in der ABA in Betracht gezogen worden waren.
ABA-Themenbeispiel: Der Beruf der Visagistin – Ausbildung und Tätigkeitsfelder in Österreich

Abbildung 1: Beispielbild für offenes Beschlagworten
Bei diesen Arbeitsschritten entsteht eine Sammlung von Textstellen mit dazugehörigen Schlagworten. In einem weiteren Schritt werden die verschiedenen Textstellen anhand der Schlagwörter inhaltlich gruppiert, d. h., es werden jene Interviewpassagen zusammengestellt, die thematisch ähnliche Inhalte abdecken und zu einem der geplanten ABA-Kapitel passen.
Selektives Beschlagworten
Beim selektiven Beschlagworten wird vor dem Beschlagworten eines Interviewtranskripts festgelegt, auf welche inhaltlichen Aspekte beim Lesen des Transkripts geachtet werden soll. Diese Aspekte werden in Form von Schlagworten in einer Liste zusammengestellt. Die Auswahl der Schlagworte orientiert sich dabei vor allem an den Leitfragen, aber auch an anderen für die ABA wichtigen Inhalten.
Schlagwortliste für die Interviewanalyse
ABA-Thema: Der Beruf Visagistin – Ausbildung und Tätigkeitsfelder in Österreich
- Entstehung Berufswunsch (Interessen, ausschlaggebende Erlebnisse etc.)
- Ausbildung (Hinweise auf Ort, Lehrende, Inhalte, Lernprozesse etc.)
- Herausforderungen (Schwierigkeiten und deren Bewältigung etc.)
- Umgang mit Menschen (Kundinnen- bzw. Kundenkontakt, Betätigungsfelder etc.)
- Jobaussichten (Ausschreibungen, Chancen etc.)
- Karriereentwicklung (persönliche Weiterentwicklung, Weiterbildungsmöglichkeiten etc.)
- …
In einem nächsten Schritt geht es darum, jene Textstellen zu identifizieren, die zu den gewählten Schlagwörtern passen. Es werden also beim Lesen des Transkripts nur jene Textstellen markiert, die zu den gewählten Schlagworten passen.
ABA-Themenbeispiel: Der Beruf der Visagistin – Ausbildung und Tätigkeitsfelder in Österreich

Abbildung 2: Beispielbild für selektives Beschlagworten
Hinweis zur Wahl der Beschlagwortungsart
Entscheide dich für eine der beiden Methoden der Beschlagwortung! Sollte die gewählte Methode nicht hilfreich sein, so kannst du jederzeit zur anderen Methode wechseln.
8.3 Auswählen von Interviewpassagen anhand beschlagworteter Transkripte
Wenn das Transkript mit Schlagworten versehen ist, kannst du entscheiden, wie und in welchen Kapiteln deiner ABA ausgewählte Interviewstellen (auch Interviewzitate genannt) verwendet werden können. Manchmal hast du zu diesem Zeitpunkt bereits eine klare Vorstellung über den Aufbau deiner Arbeit. Dann wird es einfach sein, die Interviewpassagen bestimmten Kapiteln zuzuweisen.
In einigen Fällen wiederum wird es notwendig sein, zuerst die Gliederung der ABA zu erstellen, um die Zuteilung der Interviewpassagen zu Kapiteln der Arbeit möglich zu machen. Es kann vorkommen, dass Interviewpassagen nur in ein Kapitel der ABA Eingang finden, weil die Inhalte nur zu einem inhaltlichen Teilaspekt passen. In vielen Fällen lassen sich ausgewählte Passagen verschiedenen Kapiteln zuordnen und dort an sinnvollen Stellen in den Text einbauen, um die Leitfragen zu beantworten. Je nach Themenfeld, Qualität der Interviews und Aufbau einer ABA kann die Dichte von Interviewpassagen im ABA-Text variieren.
Sind die Interviewpassagen einmal ausgewählt und – dem „roten Faden“ der ABA entsprechend – einem Kapitel oder Themenbereich der ABA zugeordnet, so beginnt der Umsetzungsprozess. Die Interviewzitate werden beim Schreiben – ähnlich wie bei Zitaten aus der Fachliteratur – an inhaltlich sinnvollen Stellen in den Text (schriftliche Arbeit bzw. Dokumentation des Entstehungsprozesses) eingebaut (vgl. dazu die angeführten Beispiele weiter unten im Text).
9.1 Zitationshinweise für ausgewählte Interviewpassagen
Beim Zitieren von Interviewpassagen in der ABA ist Folgendes zu beachten:
- Textpassagen aus Interviews können sowohl wörtlich als auch mit eigenen Worten umschrieben (= paraphrasiert) in die ABA eingebaut werden.
- Interviewpassagen werden an jenen Stellen in die ABA integriert, wo sie der Themenbearbeitung und der Beantwortung der Leitfragen dienen.
- Wörtliche Zitate, die länger als zwei Zeilen sind, werden eingerückt und können zusätzlich – um sie abzusetzen – kursiv und in etwas kleinerer Schrift gesetzt werden.
- Sowohl wörtlich übernommene Stellen als auch paraphrasierte Textstellen aus Interviews werden – wie jede andere Quelle auch – zitiert.
- Folgende Inhalte werden (in Klammer gesetzt) zitiert:
- der (abgekürzte) Name der interviewten Person (z. B.: Max Mustermann) oder
die entsprechende anonymisierte Angabe (z. B.: Interviewpartner 1), - der Ort/das Land des Interviews,
- das Datum des Interviews und
- der TC/Time Code, damit die Textstelle des Interviews im entsprechenden Audiofile wieder aufgefunden werden kann (z. B. TC 00:30:15). Alternativ dazu kann auch eine Zeilenangabe des Transkripts verwendet werden (z. B. Z 25–30).
- der (abgekürzte) Name der interviewten Person (z. B.: Max Mustermann) oder
9.2 Verwendung wörtlicher Interviewpassagen
Das nachstehende Beispiel zeigt ein wörtliches Zitat aus einem Interview, das in einen Text eingebaut wurde:

Bei der Verwendung von Interviewpassagen ist zu beachten, dass die Zitate meist nicht kontextlos eingebaut werden können. Der Text davor oder danach muss in irgendeiner Form erläutern, warum die Textstelle hier wichtig ist bzw. woher sie kommt oder warum du sie als interessant oder wertvoll erachtest (siehe dazu den zum Zitat überleitenden Satz im Fallbeispiel 1: Zu den Zielen der Organisation sagt eine Mitarbeiterin: […]).
Dies gilt nicht nur für Interview-Zitate, sondern auch für alle anderen Textpassagen, die aus Quellen wörtlich oder paraphrasiert zitiert werden.
9.3 Verwendung paraphrasierter Interviewpassagen im Text
Interviewpassagen können auch paraphrasiert in den ABA-Text eingebaut werden. Dabei wird der Inhalt der Interviewpassage in eigenen Worten wiedergegeben. Wie bei einem wörtlichen Zitat muss die Quelle angegeben werden. Dies ist wichtig, damit die Interviewstelle (auch von dir selbst) mühelos wiedergefunden werden kann. Paraphrasiert werden Interviewpassagen vor allem dann, wenn sie aufgrund von unvollständig gesprochenen Sätzen oder grammatikalischen Fehlern der Interviewten nicht wortwörtlich verwendbar sind.
9.4 Ein Zitationsbeispiel
Das folgende Beispiel beinhaltet sowohl ein wörtliches Zitat als auch eine Paraphrase (Wiedergabe in eigenen Worten).

9.5 Hinweis zur Art der Zitationsangabe
In den angeführten Beispielen wurde die sogenannte Harvard-Zitierweise gewählt (die Angaben erfolgen in Klammer im Text). Selbstverständlich kann auch eine Zitation in Fußnoten gewählt werden. Die anzugebenden Informationen zum Interview bleiben die gleichen.
9.6 Anmerkung zu Interviews im Anhang der ABA
Grundsätzlich gilt: Interviewtranskripte müssen nicht verpflichtend als Anhang in die ABA integriert werden. Es ist allerdings sinnvoll, dies dennoch zu tun, wenn ein Gespräch von allgemeinem bzw. öffentlichem Interesse ist (z. B. ein Zeitzeugeninterview). In diesem Fall ist darauf zu achten, dass die oben genannten formalen Mindestanforderungen an eine Interviewtranskription eingehalten werden.
Werden Interviewpassagen bzw. ganze Interviews in der ABA „veröffentlicht“, so ist auf den Schutz personenbezogener Daten (DSGVO) zu achten. Werden personenbezogene Daten in der ABA veröffentlicht, so ist die Einwilligung der interviewten Personen unerlässlich.
9.7 Angabe von Interviewpassagen im Quellenverzeichnis
Das Quellenverzeichnis einer ABA beinhaltet alle Quellen, die von dir für die Erstellung der ABA verwendet werden. Dazu gehören auch die Interviews. Diese werden separat von den bibliografischen Angaben angeführt.
Bei den Interviewangaben werden folgende Aspekte berücksichtigt:
- Name der interviewten Person bzw. Anonymisierung
- Kurzinformation zur Person
- Interviewdatum
- Ort des Interviews
- Dauer des Interviews
Die Interviewpartnerinnen bzw. Interviewpartner werden – sofern die zugestimmt haben – mit ihrem Namen genannt, um die Interviewpassagen den jeweiligen Personen zuordnen zu können. Durch diese Vorgehensweise wird das Erfahrungswissen der jeweiligen Person anerkannt.
Beispiel:
Thema der ABA: Ein Auslandsschuljahr in Italien: Erfahrungen zweiter österreichischer Schülerinnen (2015–2016)
Quellennachweis von Interviews im Quellenverzeichnis:
Interviewaufnahmen/Interviewtranskripte
- Interview mit Margarete Gruber, Schülerin AHS Linz, Interview vom 20.11.2018, Linz, 01:40:35 Std.
- Interview mit Person 2 (anonymisiert), Schülerin AHS Salzburg, Interview vom 04.01.2019, Salzburg, 01:53:05 Std.
- […]
Die Aufzeichnungen müssen sauber, einheitlich, übersichtlich, vollständig und genau geführt werden. Die Dokumentation muss ermöglichen, dass andere Personen das Experiment ohne weitere Informationen wiederholen können.
Titel/Überschrift des Experiments
Hier wird die nähere Bezeichnung der Untersuchung angegeben.
| Protokoll-Nr.: | Name: | Klasse: |
| Fachrichtung/ABA: | Betreuerin/Betreuer: | Datum: |
Aufgaben- bzw. Fragestellung, Einleitung
Worum geht es im vorliegenden Experiment? Welche Aufgabe/Frage soll mit dem Experiment beantwortet werden? Welches Ziel wird angestrebt?
Chemikalien/Laborgeräte
Alle benötigten Chemikalien inklusive Mengenangaben bzw. Konzentration sowie alle erforderlichen Laborgeräte inklusive eventueller Größenangaben werden aufgelistet. Bei Chemikalien werden gemäß GHS (=Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals) die Gefahrenklassen, Gefahrenkategorien, Gefahrenhinweise sowie Sicherheitshinweise angeführt, um Unfälle zu verhindern. Auch die sachgemäße Entsorgung wird beschrieben.
Durchführung
Kurze und sachliche Beschreibung der Vorgangsweise. Alle Mengenangaben werden notiert. Skizzen oder Fotos veranschaulichen die Durchführung.
Ergebnisse
Aufzeichnung aller Beobachtungen. Was konnte sinnlich erfasst – gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, ertastet – bzw. mit Instrumenten gemessen werden? Alle Messwerte werden in Form von Tabellen, Diagrammen und/oder Grafiken protokolliert, alle wichtigen Reaktionsgleichungen und Berechnungen angegeben.
Diskussion der Ergebnisse
Ergebnisse und Beobachtungen werden erklärt. Konnten die eingangs formulierten Aufgaben- bzw. Fragestellungen nachvollziehbar beantwortet werden? Können nun Hypothesen mit Fakten belegt werden?
Eventuelle Herausforderungen/Probleme werden genannt, weitere Vorgangsweisen reflektiert.
Literatur
Verwendete Literatur muss angeführt werden.
In deiner abschließenden Arbeit musst du darlegen, woher die Informationen, Daten, Theorien, Argumente, Beweise stammen, auf die du dich beziehst und die deiner Argumentation zugrunde liegen. Diese Quellen müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein.
3 Arten von Quellen
Primärquellen sind Originaldokumente oder Zeugnisse aus erster Hand, die unmittelbar aus der Zeit eines Ereignisses stammen und von Zeitgenossen verfasst wurden (z. B. Briefe, Tagebücher, Reden, Fotos, statistische Daten, Archivmaterial, Alltagsgegenstände oder Werke der Literatur, etwa das Drama „Faust“ von Goethe).
Sekundärquellen sind wissenschaftliche Arbeiten über einen Forschungsgegenstand (etwa eine Arbeit über das Verhalten von Graugänsen oder über das Frauenbild in Goethes „Faust“).
Tertiärquellen erschließen Primär- und Sekundärquellen, wie beispielsweise Lehrbuch, Lexikon, Nachschlagewerk, Literaturbericht. Lehrbücher fassen z. B. die Lehrmeinung zu einer Fachdisziplin zusammen, Nachschlagewerke geben einen Überblick über Themen oder Fachbegriffe. Überblicksartikel geben den aktuellen Wissensstand in einem Forschungsgebiet wieder. Auch bei ABAs, in welchen das Hauptaugenmerk auf empirisches Arbeiten (z. B. auf eigene Beobachtungen oder Versuche) oder auf eigene Analysen von Primärquellen (z. B. Originaldokumente) gelegt wird, muss mit wissenschaftlicher Literatur zum Thema gearbeitet werden, um die eigenen Untersuchungen in einen inhaltlichen Rahmen zu stellen und die Ergebnisse mit der wissenschaftlichen Literatur in Beziehung zu setzen.
Einstiegssuche
Eingangs verschaffst du dir einen Überblick über das Thema. Erste Informationsquellen sind Lexika, Nachschlagewerke (Buch und Internet) und Lehrbücher, populärwissenschaftliche Zeitschriften … So kannst du das Themenfeld gut überblicken. In Literaturverzeichnissen von Artikeln oder Büchern erhältst du Hinweise auf weitere wichtige Literatur.
Suche in Freihandbibliotheken (Bibliotheken mit frei zugänglicher Aufstellung von Medien).
In Schulbibliotheken oder städtischen Büchereien kann oft mit wenig Aufwand auf Fachliteratur zugegriffen werden.
Gezielte Suche in Bibliothekskatalogen und mittels Suchmaschinen:
Meist wird es notwendig sein, gezielt nach Literatur zu suchen. Dafür musst du Suchbegriffe festzulegen, mittels derer recherchiert wird. Dazu dienen Online-Verzeichnisse:
- Linksammlung der TU Wien zu allen österreichischen Bibliotheken und Online-Katalogen: http://www.ub.tuwien.ac.at/bibliotheken.html
- Verbundkataloge: Darin sind die Verzeichnisse mehrerer Bibliotheken zusammengeführt.
Österreichischer Bibliothekenverbund: Recherche in den Beständen von über 80 Bibliotheken mit mehr als 8 Millionen Titeln – http://www.obvsg.at/kataloge/verbundauswahl - Elektronische Zeitschriftenbibliothek der Nationalbibliothek: http://www.onb.ac.at/kataloge/index.htm
- Wissenschaftliche Suchmaschinen: Sie verzeichnen Bücher, Aufsätze und Abschlussarbeiten aller Fachgebiete. https://scholar.google.de; Suchmaschinen von Universitäten: https://www.base-search.net/; https://metager.de/
Literatur bewerten
Die erste Entscheidung über infrage kommende Literatur kann bereits bei der Recherche im Internet oder in den fachspezifischen Datenbanken getroffen werden, indem folgende Fragen gestellt werden:
Wer ist die Autorin oder der Autor?
Haben die Autorinnen und Autoren eine wissenschaftliche Ausbildung (akademische Titel)? Arbeiten die Autorinnen und Autoren an einer wissenschaftlichen Institution wie Universitäten oder Forschungsinstituten?
Werden sie bzw. ihre Werke in anderen (guten) Werken zitiert? Hintergrundinformationen zur Autorin/zum Autor, die man über eine Internetsuchmaschine wie beispielsweise Google erhält, können hilfreich sein.
In welchem Verlag ist die Publikation erschienen?
Ist der Verlag bekannt für hochwertige bzw. wissenschaftliche Publikationen? Zur Beantwortung dieser Frage reicht eine kurze Internetrecherche oder Nachfrage bei der Betreuungsperson oder der Schulbibliothekarin/dem Schulbibliothekar.
Die Frage nach Autorin bzw. Autor und Verlag ist speziell im Rahmen der ABA besonders wichtig, da hier auch populärwissenschaftliche Literatur verwendet werden darf. In qualitativ hochwertigen populärwissenschaftlichen Zeitschriften (etwa Spektrum der Wissenschaft, GEO Epoche/Wissen/Kompakt, National Geographic, Psychologie heute) sind Artikel namentlich gezeichnet, sodass Informationen über die Autorin/den Autor eingeholt werden können. Populärwissenschaftliche Fachzeitschriften erscheinen (fast) ausschließlich in renommierten Verlagen.
Wie aktuell ist die Publikation?
Grundsätzlich sollte man möglichst aktuelle Literatur verwenden, da darin der aktuelle Forschungsstand abgebildet ist. Gleichzeitig gibt es oft auch „Klassiker“, auf die man beim Lesen der Literatur sehr bald stößt.
Ist diese Publikation für mich überhaupt relevant?
Klappentext und Inhaltsverzeichnis geben eine grobe Auskunft über die Inhalte eines Buches. Bei neueren Büchern kann man häufig bereits im Internet die Einleitung, das Inhaltsverzeichnis oder einzelne Kapitel einsehen, z. B. auf den Seiten des Verlages, bei Google Books oder Amazon.
Gibt es Literaturverweise und ein Literaturverzeichnis?
Wissenschaftliche Quellen müssen belegt und somit nachvollziehbar sein. Sie enthalten Zitierungen im Text (oder in Fußnoten) sowie ein Literaturverzeichnis mit vollständigen Angaben. Auch Bildmaterial, Grafiken und Tabellen müssen mit Quellennachweisen versehen sein. Zitierte Literatur muss öffentlich zugänglich sein.
Sachlichkeit/Objektivität
Formal erkennt man wissenschaftliche Literatur an der Verwendung von Fachsprache und sachlichen Formulierungen. Die inhaltliche Prüfung der Seriosität ist oft schwieriger. Man kann dazu folgende Fragen stellen: Welchen Standpunkt vertritt die Autorin/der Autor? Ist die Publikation im Auftrag einer Firma oder einer Organisation entstanden, die eine bestimmte Philosophie verfolgt? Wurde der Artikel in einem Magazin mit spezieller redaktioneller Ausrichtung veröffentlicht?
Literatur zu Recherche und Bewertung:
Niedermair, Klaus: Quellen dokumentieren, Literatur verwalten. In: Hug, Theo/Miedermair, Klaus (Hrsg.): Handreichung Wissenschaftliches Arbeiten. 5. erweiterte und überarbeitete Auflage. URL: https://ulb-dok.uibk.ac.at/ulbtirolfodok/download/pdf/11829655 [Zugriff 22.10.2025].
Niedermair, Klaus: Quellen recherchieren, Literatur suchen. In: Hug, Theo/Miedermair, Klaus (Hrsg.): Handreichung Wissenschaftliches Arbeiten. 5. erweiterte und überarbeitete Auflage. URL: https://ulb-dok.uibk.ac.at/ulbtirolfodok/download/pdf/11829655 [Zugriff 22.10.2025].
Universitätsbibliothek Ruhr Universität Bochum: Kritische Evaluation von Literatur. O.J.
http://www.ub.ruhr-uni-bochum.de/digibib/Seminar/Literaturevaluation.html [Zugriff 22.10.2025].
Boeglin, Martha (2012): 2. Auflage. Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren. Wilhelm Fink –München.
Internetquellen bewerten
Im World Wide Web steht eine Vielzahl von Informationen in Form verschiedener Ressourcen (Websites, Online-Artikel, weiterführende Links, Bilder, Fotos, Filme, Newsgroup-Eintragungen, Chatrooms etc.) zur Verfügung. Aufgrund der Vielfalt und der divergierenden Qualität der verfügbaren Informationen ist es wichtig, quellenkritisch zu recherchieren und die Inhalte zu prüfen und nicht kritiklos als korrekt anzunehmen. Das bedeutet, man muss hinterfragen, wer was wann über welche Institution und zu welchem Zweck im Internet veröffentlicht hat.
Anmerkung: Quellenkritik ist natürlich auch bei Printpublikationen notwendig. In Büchern und anderen Printmedien überprüfen jedoch die Verlage die Inhalte ihrer Publikationen. Die Seriosität eines Verlages bietet also eine gewisse Garantie für die Qualität von Zeitschriftenartikeln und Buchinhalten. Dies ist im Online-Bereich in einem viel geringeren Ausmaß der Fall.
Um Quellenkritik im Internet zu strukturieren, wurden die sogenannten CARS-Kriterien formuliert. Sie helfen, eine Website quellenkritisch zu untersuchen. Sie werden wie folgt auf Informationen im Internet angewandt:
- Credibility – Glaubwürdigkeit einer Online-Ressource
Um eine Information zu prüfen, kann/soll auf der Website oder im Online-Dokument nach der Angabe eines Autors oder einer Autorin gesucht werden. Ist diese vorhanden, so kann die Vertrauenswürdigkeit der Person (hinsichtlich Bildung, Organisationszugehörigkeit und beruflicher Position) überprüft werden. Auch Institutionen können Autorinnen bzw. Autoren sein (z. B. die Umweltorganisation Greenpeace). Je umfangreicher die Informationen zu den Internetressourcen und zu den Autorinnen oder Autoren, desto vertrauenswürdiger die Quelle. Sind Autorinnen oder Autoren auf einer Website genannt, so sind sie auch beim Zitieren der Quelle zu nennen. - Accuracy – Genauigkeit der Informationen
Um die Genauigkeit einer Information im Internet zu prüfen, kann nach einer Datumsangabe gesucht werden. Auch sollten die Anzahl und eine gewisse Vollständigkeit der Quellen sowie Zielpublikum und Zweck der Veröffentlichung beachtet werden. Wenn Informationen aus dem Internet verwendet werden, ist es wichtig, dass sie aktuell und gültig sind. Dies wird von vielen Websites nicht gewährleistet. Deshalb ist hier Achtsamkeit angeraten. - Reasonableness – Angemessenheit und Vernünftigkeit
Da es allen Menschen, die Zugang zu den entsprechenden technischen Hilfsmitteln haben, möglich ist, Informationen ins WWW zu stellen, sind auch die Texte von sehr unterschiedlicher Qualität und Seriosität. Daher sind Informationen aus dem Internet auf ihre Ausgewogenheit, Objektivität und Fairness der Argumentation sowie auf Widerspruchsfreiheit hin zu prüfen. - Support – Belege und Unterstützung
Eine vertrauenswürdige Online-Ressource verweist auf Belege (bibliografische Angaben, weiterführende Hinweise). Ein weiteres wichtiges Merkmal ist eine vorhandene Kontaktinformation (meist E-Mail-Adresse) der Person, die die Website betreut (sog. Webmaster). Diese Person kann angeschrieben werden, wenn es Fragen zu den Ressourcen gibt, die z. B. für eine VWA verwendet werden sollen. Sie gewährleistet Transparenz und Verantwortung in Bezug auf die online gestellten Informationen.
Achtung: Sehr oft werden Fehlinformationen ins Netz gestellt, die im Erscheinungsbild ganz bewusst seriösen Informationen nachempfunden sind!
Hilfreiche Links zur Bewertung von Onlinequellen:
Verein Safer Internet. „Wahr oder falsch im Internet? Informationskompetenz in der digitalen Welt“. https://www.saferinternet.at/services/broschuerenservice/?categories=17 [Zugriff: 20.5.2019].
Handschack, Sandra/ Müller, Sandra/ Randt, Linda, Rietdorf, Claudia: Handbuch zur Recherche. Tipps und Tricks zur Informationssuche in konventionellen Informationsmitteln und im Internet. Fachhochschule Hannover, 2006. https://files.infokompetenz.de/Recherchehandbuch.pdf [Zugriff: 20.5.2019].
Spengler-Amesberger, Elke/ Wozelka, Rainer: Checkliste Internetquellen. https://eeducation.at/fileadmin/etapas_upload/Internetquellen_Checkliste_1434659499.pdf [Zugriff: 20.5.2019].
Paraphrasieren bedeutet, einen Text sinngemäß, also nicht wortwörtlich wiederzugeben. Schlüsselbegriffe aus dem Originaltext bleiben dabei erhalten.
Schreibhandlungen
Zusammenfassen: Bei der Übernahme von Gedanken und Inhalten wird der Ausgangstext gekürzt und somit zusammengefasst.
Wiedergeben einer ausgewählten Stellungnahme oder Position: Aus einem längeren Text werden einzelne Absätze bzw. Seiten ausgewählt und inhaltlich wiedergegeben.
Hervorheben und Erklären von einzelnen Aspekten: Aus den ausgewählten Textstellen werden einzelne Gedanken hervorgehoben und weitergeführt.
Zusammenführen und/oder Vergleichen von verschiedenen Aussagen: Aussagen verschiedener Autorinnen und Autoren zu bestimmten Aspekten werden zusammengeführt, Übereinstimmungen oder Widersprüche werden identifiziert.
Sinngemäße Wiedergabe
Wenngleich Paraphrasieren durch die Auswahl von Einzelaspekten und durch die eigene Wortwahl eine leichte Veränderung des Ursprungstextes bedeutet, muss dennoch die ursprüngliche Aussage beibehalten werden. Der Sinn darf keinesfalls verändert werden.
Sinnveränderungen können geschehen,
- wenn man aufgrund von Einzelpassagen Rückschlüsse auf ein ganzes Werk zieht. Z. B.: Ein wichtiger Aspekt wird als fehlend beschrieben, obwohl er möglicherweise an anderer Stelle behandelt wird.
- wenn nicht korrekt angegeben wird, von wem Aussagen stammenund als Aussage der Autorin/des Autors erscheinen. Z. B.: In einem Werk über Klimaveränderung werden Argumente der Leugnerinnen bzw. Leugner der Klimaerwärmung angeführt und später widerlegt. Bei der Wiedergabe der Textpassage werden diese Argumente aber der Autorin/dem Autor in den Mund gelegt. Auf die spätere Widerlegung wird nicht eingegangen.
- wenn Generalisierungen bzw. Reduzierungen vorgenommen werden. Z. B.: In einem Werk über Lernschwierigkeiten wird darauf hingewiesen, dass – neben zahlreichen anderen Aspekten – das Schulklima zu Lernschwierigkeiten beitragen kann. Sinnentfremdet wiedergegeben wäre der Text, wenn man schreiben würde, dass das Schulklima generell für Lernschwierigkeiten verantwortlich ist.
Quellenangabe
Wie bei wörtlichen Zitaten muss auch beim Paraphrasieren klar sein, auf welche Urheberin oder welchen Urheber die einzelnen Aussagen zurückgehen. Beginn und Ende der Bezugnahme müssen dabei deutlich werden. Die Quellenangabe wird meistens mit „vgl.“ (= vergleiche) eingeleitet.
Sprachliche Kennzeichnung
Für die Einleitung und sprachliche Kennzeichnung von Paraphrasierungen gibt es zahlreiche sprachliche Möglichkeiten:
Präpositionen und Nominalphrasen
- Laut X …
- X zufolge …
- In Anlehnung an X …
- Nach X …
- In Berufung auf X …
Verben
- Bei X wird deutlich, dass …
- X macht deutlich, betont, hält fest, dass …
- X fordert ein/e …, fordert, dass …
- X erklärt, räumt ein, stellt dar, stellt klar, stellt fest, dass …
- X meint, kritisiert, nimmt an, gibt zu bedenken, verweist auf …
- X charakterisiert, beschreibt das als …
- X behauptet, dass … (Distanzierung)
Zusammenführungen und Vergleiche
Gemeinsamkeiten/Parallelen
- X deckt sich mit Y hinsichtlich der Aussage, dass …
- X steht im Einklang mit Y …
- X kommt zur ähnlichen/gleichen Schlussfolgerung wie Y
- Zur gleichen Einschätzung kommt …
- X stimmt mit Y darin überein, dass …
Unterschiede
- Anders als X meint Y, dass …
- Im Gegensatz zu X stellt Y fest, dass …
- Während X feststellt, dass…, betont Y …
- Zu einer völlig anderen Schlussfolgerung kommt Y, wenn er schreibt …
- X und Y unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Position zu …
- X und Y widersprechen sich in ihrer Einschätzung von …
Wiedergabe von Äußerungen anderer
Der Konjunktiv I dient in der deutschen Sprache grundsätzlich der Kennzeichnung der indirekten Rede, also der neutralen Wiedergabe von Äußerungen anderer. Das ist beim Paraphrasieren grundsätzlich der Fall.
Beispiele
Im Folgenden wird beispielhaft gezeigt, wie mittels der angeführten Möglichkeiten Paraphrasierungen gestaltet werden können.
Ausgangszitate:
„Wissenschaftliche Arbeiten unterscheiden sich von anderen Texten vor allem dadurch, dass sie auf andere wissenschaftliche Texte Bezug nehmen. Das ist wichtig, denn niemand forscht in einem luftleeren Raum. Vielmehr knüpfen auch Sie in Ihrer Arbeit an einen bestehenden Diskurs an, den Sie aufgreifen und in den Sie Ihre eigene Forschung einbetten. Alle von Ihnen verwendeten Quellen müssen Sie daher sowohl im Text belegen als auch im Literaturverzeichnis aufführen.“
Prexl, Lydia: Mit digitalen Quellen arbeiten. Richtig zitieren aus Datenbanken, E-Books, Youtube und Co. 2. Auflage. Paderborn: Schöningh, 2015, S. 86.
„Wissenschaftliches Arbeiten ist ein theoretischer und/oder praktischer Erkenntnisprozess mit dem Ziel, die Ergebnisse in Form einer wissenschaftlichen Arbeit zu dokumentieren. Diese muss in jeder Hinsicht regelkonform sein und das selbstständige Denken des Verfassers belegen.“
May, Yomb: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Technik und Schriftform. Stuttgart: Reclam, 2010, S. 13.
Neutrale Wiedergabe
- Wiedergeben durch Kürzen (= Zusammenfassen)
Prexl charakterisiert hier wissenschaftliches Arbeiten vor allem durch die Bezugnahme auf andere wissenschaftliche Texte, auf die die eigene Arbeit aufbaut und die eindeutig zu belegen sind (vgl. Prexl, 2015, S. 86). - Wiedergeben einer Erkenntnis oder Position
Für Prexl ist ein wesentliches Merkmal wissenschaftlicher Texte die Bezugnahme auf andere wissenschaftliche Arbeiten zum Thema. Jede Forschung stehe im Kontext bereits bestehender Arbeiten und jede Arbeit müsse in diesen Kontext gestellt werden. Die Arbeiten, auf die Bezug genommen wird, seien eindeutig zu belegen – im Text und im Literaturverzeichnis (vgl. Prexl, 2015, S. 86). - Ausführen und Erklären
Prexl zufolge nimmt jede wissenschaftliche Arbeit auf andere wissenschaftliche Texte Bezug. Das ist es, was ihrer Meinung nach Wissenschaft zentral ausmacht: das Aufgreifen und Sich-Einordnen in einen bestehenden Diskurs (vgl. Prexl, 2015, S. 86). [Anm.: Hier endet die sinngemäße Wiedergabe des Ausgangstextes, daher wird die Quelle, in diesem Fall als Kurzbeleg, angeführt. Es folgt die darauf aufbauende Weiterführung des Gedankens:] Wissenschaftliches Arbeiten heißt folglich nicht, als Individuum eine geniale Einzelleistung zu entwerfen, sondern es bedeutet vielmehr, bereits getätigte Gedanken, Erfindungen und Entdeckungen zu recherchieren, sie zu beschreiben, miteinander zu vergleichen und die eigenen Untersuchungsergebnisse damit in Verbindung zu bringen. - Vergleichen von verschiedenen Aussagen
Während May wissenschaftliches Arbeiten als zielgerichteten Erkenntnisprozess mit entsprechender Dokumentation charakterisiert und dabei die individuelle gedankliche Leistung der Urheberin/des Urhebers einfordert (vgl. May, 2010, S. 13), hebt Prexl die Einbettung der Arbeit in einen bereits bestehenden Diskurs hervor, der unerlässlich für wissenschaftliches Arbeiten ist (vgl. Prexl, 2015, S. 86). [Hier wird der Indikativ gewählt und damit unbedingte Zustimmung ausgedrückt, s. u.] - Neutral durch Verb und Konjunktiv I (indirekte Rede):
Prexl hält fest, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten sei (vgl. Prexl, 2015, S. 86).
Wertende Wiedergabe von Aussagen
Durch sprachliche Mittel kommen neutrale Wiedergabe, Zustimmung oder Kritik zum Ausdruck. Dies geschieht zum einen durch die bewusste Auswahl von Verben. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob eine Aussage mit dem Verb „stellt fest“ oder „behauptet“ verbunden wird. Auch durch die bewusste Wahl des Modus positioniert man sich: Indikativ drückt Zustimmung aus, Konjunktiv I ist die Standardform der indirekten Rede, Konjunktiv II vermittelt den Eindruck von Distanzierung und Skepsis.
- Zustimmung durch Verb und Indikativ:
Prexl macht deutlich, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten ist (vgl. Prexl, 2015, S. 86). - Kritisch durch Verb und Konjunktiv II:
Prexl behauptet/meint, dass die Einbettung in einen bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs wesentlich für wissenschaftliches Arbeiten wäre (vgl. Prexl, 2015, S. 86). - Positionierung der Verfasserin/des Verfassers durch Verwendung von Adverbien:
Zustimmung: richtigerweise, richtig, treffend, nachvollziehbar
Ablehnung: fälschlicherweise, missverständlich, widersprüchlich, irrtümlicherweise
Wie Prexl sehr treffend schreibt, geht es bei wissenschaftlichem Arbeiten um einen eigenen Beitrag zu einem bereits bestehenden Diskurs.
Selbsttest
Überprüfe bei den folgenden Beispielen, ob es sich um seriöse Paraphrasierungen handelt, und begründe deine Einschätzung. Vergleiche anschließend deine Einschätzung mit den Lösungen.
| Paraphrase | +/– | Begründung |
| May nennt vier zentrale Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens: systematisches Erkenntnisstreben, Dokumentation der Ergebnisse, die Einhaltung von Regeln und die eigene gedankliche Leistung (2010, S. 13). [Da der Autor einleitend namentlich genannt wird, reichen im Kurzbeleg Jahr und Seitenangabe.] | ||
| Prexl behauptet, es sei bei wissenschaftlichem Arbeiten keine eigene gedankliche Leistung nötig (2015, S. 86). | ||
| Prexl betont die Bedeutung der Einbettung der eigenen Arbeit in einen wissenschaftlichen Diskurs (2015, S. 86). | ||
| Sowohl die Einbettung in den bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs (Prexl, 2015, S. 86) als auch die eigene gedankliche Leistung (May, 2010, S. 13) sind für wissenschaftliches Arbeiten unerlässlich. | ||
| Für May ist praktisches Forschen bei wissenschaftlichem Arbeiten unerlässlich (2010, S. 13). |
Lösungen
| +/– | Begründung | |
| May nennt vier zentrale Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens: Systematisches Erkenntnisstreben, Dokumentation der Ergebnisse, die Einhaltung von Regeln und die eigene gedankliche Leistung (2010, S. 13). | + | Inhaltlich korrekte Wiedergabe der Aspekte, die May nennt; eigene Formulierung, Übernahme von Schlüsselbegriffen; Kenntlichmachung der Quelle durch Kurzbeleg. |
| Prexl behauptet, es sei bei wissenschaftlichem Arbeiten keine eigene gedankliche Leistung nötig (2015, S. 86). [Da hier die Autorin namentlich genannt wird, reichen im Kurzbeleg Jahr und Seitenangabe]. | – | Wenngleich in diesem einen vorliegenden Absatz der Aspekt „eigene gedankliche Leistung“ nicht vorkommt, handelt es sich um eine Unterstellung, Prexl würde diese Behauptung anstellen. Sie sagt das nicht und es ist unbekannt, was die Autorin an anderer Stelle schreibt. |
| Prexl betont die Bedeutung der Einbettung der eigenen Arbeit in einen wissenschaftlichen Diskurs (2015, S. 86). | + | Sinngemäße Wiedergabe eines zentralen Aspekts aus dem Ausgangszitat. |
| Sowohl die Einbettung in den bereits bestehenden wissenschaftlichen Diskurs (Prexl, 2015, S. 86) als auch die eigene gedankliche Leistung (May, 2010, S. 13) sind für wissenschaftliches Arbeiten unerlässlich. | + | Inhaltliche Zusammenführung von zwei verschiedenen Quellen mit eindeutigen Belegen. |
| Für May ist praktisches Forschen bei wissenschaftlichem Arbeiten unerlässlich (2010, S. 13). | – | Die Aussage wird verfälscht: May spricht von einem theoretischen und/oder praktischen Erkenntnisprozess. D. h., auch ein ausschließlich theoretischer Erkenntnisprozess ist zulässig. |
Verwendete Quellen
- May, Yomb: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Technik und Schriftform. Stuttgart: Reclam, 2010.
Prexl, Lydia: Mit digitalen Quellen arbeiten. Richtig zitieren aus Datenbanken, E-Books, Youtube und Co. 2. Auflage, Paderborn: Schöningh, 2015. - Kühtz, Stefan: Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. Paderborn: Schöning, 2011.
Schreilechner, Adelheid/Maresch, Günther: klar. Matura. Vorwissenschaftliche Arbeit. Wien: Jugend & Volk, 2017.
Einordnung der Methode in die empirische Forschung
Die quantitative Befragung ist eine Form der empirischen Forschung. Darunter wird die systematische (d. h. strukturierte und nachvollziehbare) Erhebung, Auswertung und Interpretation von Daten unter Anwendung von wissenschaftlichen Methoden verstanden. Diese Vorgehensweise ermöglicht Aussagen über die Wirklichkeit, in der wir leben (Vgl. Hug und Poscheschnik 2015).
Jegliche Form der empirischen Forschung ist in einen Forschungsprozess eingebettet. Ausgehend von einem gewählten Forschungsgebiet erfolgt die Suche nach relevanter Literatur. Die genauere Auseinandersetzung mit der Literatur schafft die Basis für die Entscheidung für ein stärker umgrenztes Forschungsthema und die Identifikation einer bzw. einiger Forschungsfragen. Die weiteren Schritte des Forschungsprozesses (Bortz und Döring, 2002), die im Rahmen einer ABA zu setzen sind, umfassen:
- Entwickeln eines Plans für die Untersuchung: Die Wahl der Forschungsmethode sollte sich immer nach dem Ziel der Forschung, dem Forschungsgegenstand sowie der Forschungsfrage richten. Wichtig für die ABA: Die Wahl der Arbeitsweise sollte sich immer nach der zu untersuchenden Themenstellung sowie der Fragestellung richten.
- Sammeln von Daten, Ziehen einer Stichprobe (Auswahl an Personen oder Objekten, die stellvertretend für eine zu untersuchende Gesamtheit Auskunft gibt)
- Auswerten der Daten
- Berichten der Ergebnisse
Diese Schritte werden in weiterer Folge genauer beschrieben.
Entwickeln eines Plans für die Untersuchung
Das Ziel der quantitativen Datenerhebung ist es, einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit zu quantifizieren. Zu den quantitativen Methoden der Datenerhebung gehören Befragen, Beobachten sowie die Durchführung von physiologischen Messungen, wie beispielsweise Elektrokardiogramm (Bortz und Döring, 2002). Die weiteren Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf Befragungen mithilfe eines standardisierten Fragebogens.
Die quantitative Befragung ist nach Schätzungen die in den empirischen Sozialwissenschaften am häufigsten eingesetzte Methode. Im Rahmen dieser Befragung werden Teilnehmende gebeten, einen von den Forscherinnen bzw. Forschern entwickelten Fragebogen auszufüllen, bei dem die Antwortkategorien auf die Fragen vorgegeben sind.
Bei der Planung einer Untersuchung sind folgende Punkte festzulegen:
- Entscheidung über das Design der Befragung: Soll es eine Querschnittbefragung (Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nur einmal befragt) oder eine Längsschnittbefragung (Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden mehrmals befragt) sein?
- Erhebungsmethode: Soll die Erhebung über einen Papier-Bleistift-Fragebogen, face to face, über Telefon oder über einen Online-Fragebogen erfolgen?
- Operationalisierung der relevanten Begriffe: Alle in der Befragung relevanten Begriffe müssen definiert und operationalisiert werden. Das bedeutet, dass ausgehend von der Literatur ausführliche Definitionen für die zu erhebenden Untersuchungsgegenstände vorliegen sollten (z. B. Definition für körperliche Aktivität) und eine klare Vorstellung bestehen sollte, wie diese in Form eines Fragebogens erfasst werden können.
Entwickeln des Fragebogens
Im Folgenden wird die Entwicklung eines Fragebogens im Überblick beschrieben. Weitere Hinweise dazu findest du in der am Ende dieses Abschnitts angegebenen Literatur.
Schritt 1: Festlegen der Inhalte des Fragebogens:
In einem ersten Brainstorming (eventuell auch mit mehreren Personen) solltest du die relevanten Themen stichwortartig festhalten. Diese Liste soll auch durch Inhalte aus der Literatur ergänzt werden und insbesondere die gängigen Definitionen der Untersuchungsgegenstände berücksichtigen. Im Laufe der Entwicklung des Fragebogens soll immer wieder anhand der Liste überprüft werden, ob bereits zu allen aufgelisteten Themen Fragen identifiziert werden konnten oder formuliert wurden.
Schritt 2: Recherche von bereits entwickelten Fragebögen
In einem weiteren Schritt empfiehlt es sich, im Internet nach bereits publizierten Fragebögen zum ausgewählten Thema zu recherchieren. In vielen Fällen gibt es bereits entwickelte Fragebögen zum gewählten Thema und eventuell müssen lediglich einige Zusatzfragen von den Schülerinnen und Schülern entwickelt werden:
- https://www.forschungsdaten-bildung.de/zugang-forschungsinstrumente [08.06.2021] (Überblicksseite)
- https://www.psyndex.de [08.06.2021] (für Fragebögen zu psychologischen Themen)
- https://scholar.google.at [08.06.2021] („relevante Konstrukte“ AND questionnaire)
Schritt 3: Entwickeln von Items
Falls du keinen Fragebogen findest, den du verwenden könntest, musst du deinen eigenen entwickeln. Die Erstellung eines Fragebogens ist sehr aufwendig, sie erfordert Genauigkeit und Liebe zum Detail. Bei der Entwicklung einzelner Items (einzelne Fragen im Fragebogen) sind unter anderem folgende Hinweise zu berücksichtigen (Kallus, 2016):
- Enthält jedes Item nur eine Aussage? Wenn Items mehrere Aspekte beinhalten (z. B.: Ich gehe gerne in die Schule und freue mich auf meine Mitschülerinnen und Mitschüler), können sie nicht eindeutig beantwortet werden.
- Ist das Sprachniveau für die Zielgruppe der Befragung passend? Die Items sollten leicht verständlich und einfach formuliert sein.
- Sind die Antwortkategorien passend für die Aussage? Zu dem Satz „Meistens gehe ich gerne schwimmen“ passen die Antwortkategorien von 1 „nie“ bis 5 „häufig“ nicht.
- Sind die Aussagen neutral formuliert? Suggestivfragen und besonders wertende Fragen sollten vermieden werden.
- Doppelte Verneinungen stiften Verwirrung und sollten in Aussagen vermieden werden (z. B.: „Es ist nicht gut, wenn ich kein Obst und Gemüse esse“).
Die meisten Fragen in einem Fragebogen sind geschlossene Fragen, das bedeutet, dass sowohl die Fragen bzw. Aussagen als auch die Antwortkategorien vorgegeben werden. Es kann zwischen folgenden Fragetypen unterschieden werden (DATAtab, 2021):
| Fragen mit Mehrfachantworten | Aus welchem Grund bzw. aus welchen Gründen verreisen Sie im Urlaub?
| |
| Ranking-Frage | Welche der folgenden Probleme stellen für Sie die wichtigsten dar? Bitte reihen Sie diese von „1“ „am wichtigsten“ zu „6“ „am unwichtigsten“.
| |
| Fragen mit Einfachantworten | An wie vielen Tagen in der letzten Woche haben Sie sich so intensiv bewegt, dass Sie ins Schwitzen gekommen sind?
|
Fragen mit Einfachantworten eignen sich, um den Grad der Zustimmung oder Ablehnung zu messen („1 = stimme völlig zu“, „2 = stimme eher zu“, „3 = stimme teilweise zu“, „4 = stimme eher nicht zu“, „5 = stimme überhaupt nicht zu“). Alternativ können auch andere Antwortkategorien verwendet werden:
- stimme zu, stimme eher zu, lehne eher ab, lehne gänzlich ab
- trifft zu, trifft eher zu, trifft eher nicht zu, trifft nicht zu
- wichtig, eher wichtig, eher unwichtig, unwichtig
Bei einem offenen Antwortformat können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Antworten frei ergänzen. Dies bedeutet, dass die Antworten von den Forscherinnen und Forschern (und von dir im Rahmen der ABA) im Anschluss kategorisiert werden müssen. Das bedeutet, dass in einem ersten Schritt alle Antworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchgelesen werden. Dann werden ähnliche Aussagen bzw. Nennungen zu Gruppen zusammengefasst und mit einer Überkategorie bezeichnet. Am besten werden diese Einträge in einem Excel-Dokument bearbeitet, um später die Aussagen quantifizieren zu können.
Wichtig ist weiters zu überlegen, welche soziodemografischen Kategorien erhoben werden sollen. Üblich sind Alter, Geschlecht und höchste abgeschlossene Ausbildung. Ein Blick in den Fragenkatalog der Statistik Austria lohnt sich, um geeignete Formulierungen für Fragen und Antwortkategorien zu identifizieren. Es sollten jeweils nur die soziodemografischen Variablen abgefragt werden, die für die Beschreibung der Stichprobe oder für Gruppenauswertungen relevant sind.
Schritt 4: Testen und Überarbeiten des Fragebogens
Auch im Rahmen einer ABA empfiehlt es sich, Rückmeldungen zum Fragebogen von Personen einzuholen, die im Idealfall mit der Fragebogenentwicklung vertraut sind und die Fragen und Antwortkategorien kritisch durcharbeiten. Besonders hilfreich ist es auch, einige Personen der Zielgruppe vorab zu bitten, den Fragebogen auszufüllen und zu sagen, welche Gedanken ihnen bei der Beantwortung der Fragen durch den Kopf gehen. Auf diese Art und Weise kann man erkennen, ob einzelne Items wie beabsichtigt verstanden werden (Schnell, 2016). Diese Rückmeldungen sollten anschließend bei der Überarbeitung des Fragebogens berücksichtigt werden.
Üblicherweise wird der Fragebogen in einem weiteren Schritt an einer ersten kleinen Stichprobe unter Realbedingungen getestet. Die erhobenen Daten sollen dazu dienen, eine erste Itemanalyse durchzuführen, um schwierig zu beantwortende Items zu identifizieren. Auf diesen Schritt kann im Rahmen einer ABA verzichtet werden. Im Rahmen der Diskussion der Methoden sollte darauf hingewiesen werden, dass Reliabilität und Validität des Fragebogens nicht bestimmt wurden.
Schritt 5: Verfassen eines Informationsschreibens zur Anleitung für das Ausfüllen des Fragebogens
Eine Einleitung zum Fragebogen ist auch im Rahmen einer ABA erforderlich und sollte folgende Punkte beinhalten:
- Thema und Ziel der Befragung
- deine Kontaktdaten
- Verwendungszweck der Ergebnisse
- Veröffentlichung der Ergebnisse (wenn geplant)
- Gewährleistung der Anonymität der Daten (inkl. Hinweis, dass die Daten aggregiert ausgewertet werden, d. h., die Daten sind nicht mehr auf die einzelne Person zurückführbar) sowie Einhalten der Regelungen des Datenschutzes
- Vorgehensweise bei der Befragung (Rücksendedatum und Hinweise zur Rücksendung, falls es sich um einen Papier-Bleistift-Fragebogen handelt, wie sollen Fragen beantwortet werden [ankreuzen, anklicken], Reduktion der sozialen Erwünschtheit [„es gibt keine richtigen oder falschen Antworten“], Dauer der Teilnahme an der Befragung)
Sammeln von Daten, Ziehen einer Stichprobe
Das Ziel einer Befragung ist es, Aussagen über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu treffen. Diese Bevölkerungsgruppe stellt die Grundgesamtheit oder auch Population dar. Beispielsweise werden in Österreich und einigen anderen Ländern die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern der 5., 7., 9. und 11. Schulstufe untersucht. Würden nun alle Schülerinnen und Schüler an der Befragung teilnehmen, würde es sich um eine Vollerhebung handeln. Da dies oft nicht erforderlich ist und mit einem großen Aufwand verbunden ist, werden häufig Stichproben gezogen. Eine Auswahl aus der Grundgesamtheit bildet eine Stichprobe.
Von einer repräsentativen Stichprobe wird dann gesprochen, wenn die gezogene Stichprobe ein Abbild der Grundgesamtheit darstellt. Dies ermöglicht es, innerhalb bestimmter Schwankungsbreiten auf die Grundgesamtheit der Bevölkerung zu schließen. Um zu einer repräsentativen Stichprobe zu gelangen, ist es notwendig, eine Zufallsstichprobe zu ziehen. Dies bedeutet, dass alle Personen der Grundgesamtheit die gleiche Chance haben müssen, in die Stichprobe aufgenommen zu werden. Wenn eine willkürliche Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Stichprobe erfolgt, wird von einer Anfallsstichprobe gesprochen.
Die Stichprobengröße ist oft abhängig von den verfügbaren Ressourcen. Mit zunehmender Größe der Stichprobe werden die Befragungsergebnisse genauer.
Aufgrund der beschränkten zeitlichen Ressourcen wird im Rahmen einer ABA oft nur eine Anfallsstichprobe rekrutiert. Wenn beispielsweise nur eine 7. Klasse einer AHS aus deinem Umkreis befragt wird, handelt es sich um eine Anfallsstichprobe. Es ist notwendig, in der Diskussion der Ergebnisse darauf hinzuweisen, dass die Ergebnisse nur für die Stichprobe, die befragt wurde (Schülerinnen und Schüler einer Klasse der 7. Schulstufe einer AHS), jedoch nicht für die allgemeine Bevölkerung (alle Schülerinnen und Schüler der 7. Schulstufe von allen AHS in Österreich) gelten.
Kontrolle des Rücklaufs
Es empfiehlt sich aus zweierlei Gründen, zu dokumentieren, wie viele Fragebögen an welche Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer versendet wurden. Erstens können so nach ca. zwei Wochen Erinnerungen versandt oder es kann nachtelefoniert werden, um die Teilnahmeraten zu steigern. Zweitens ist es notwendig, die Zahl der eingeladenen Personen zu wissen, um die Teilnahmerate (Anzahl der Teilnehmenden an der Untersuchung/Anzahl der Personen in der Zielgruppe *100) zu berechnen.
Eingabe der Daten
Falls du eine Papier-Bleistift-Befragung durchgeführt hast, müssen die Daten in ein Datenverarbeitungsprogramm (z. B. Excel) eingegeben werden. Dieser Schritt entfällt, falls die Daten online erhoben werden.
Zuerst sollte jeder Frage ein Kürzel zugeordnet werden (z. B. „Frage_1“). In einem Tabellenblatt werden anschließend in den Spalten die Kürzel eingetragen. Für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer an der Befragung wird eine eigene Zeile angelegt. Die Fragebögen sollten mit fortlaufenden Nummern versehen werden, die in der ersten Spalte der Tabelle eingetragen werden, damit man nachvollziehen kann, in welcher Zeile welche Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingetragen wurden.
Wer hat was verfasst? Wann und wo wurde es publiziert? Die bibliografischen Angaben orientieren sich an den Fragen: Wer? Was? Wo? Wann?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Quellenangaben im Literaturverzeichnis anzuführen. Die Werke müssen aber auf jeden Fall einheitlich und in alphabetischer Reihenfolge – nach Nachnamen geordnet – aufgelistet werden. Hier findest du ein Modell, an dem du dich orientieren kannst.¹
1. Printmedien
1.1. Selbstständig erschienene Werke (Monographien)
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Auflage. Verlagsort: Verlag*, Erscheinungsjahr (Reihe Reihennummer).
1.2. Unselbstständig erschienene Werke
1.2.1. Aufsatz in einem Sammelband
Autorin(nen)/Autor(en): Titel. Untertitel. In: Herausgeberin(nen)/Herausgeber Sammelband: Titel Sammelband. Auflage. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenangaben.
1.2.2. Aufsatz in einer Zeitschrift
Autorin(nen)/Autor(en): Titel. Untertitel. In: Titel der Zeitschrift. Erscheinungsjahr, Jahrgang, Heftnummer, Seitenangaben.
2. Online zur Verfügung gestellte Quellen
2.1. PDF-Dokumente
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Erscheinungsort: Erscheinungsdatum. Angabe URL [Zugriff: Zugriffsdatum].
2.2. Website
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Publikationsdatum. Angabe URL [Zugriff: Zugriffsdatum].
3. E-Books
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel [E-Book]. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
4. Sonstige Formate
Beteiligte Person(en) (Funktion): Titel/Betreff [Film, Mail, Brief, DVD, Interview, Radiosendung …]. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
Beispiele für die Langform der Quellenangabe im Literaturverzeichnis
1. Printmedien
1.1. Selbstständig erschienene Werke
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Auflage. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr (Reihe Reihennummer).
Esselborn-Krumbiegel: Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. 5. Auflage. Paderborn u.a.: Schöningh, 2017.
Hahner, Markus/Scheide, Wolfgang/Wilke-Thissen, Elisabeth: Wissenschaftliche[s] Arbeiten mit Word 2010. Unterschleißheim: Microsoft Press, 2011.
Schellmann, Bernhard u.a.²: Medien verstehen – gestalten – produzieren. Eine Einführung in die Praxis. 3., erweiterte und verbesserte Auflage. Haan-Gruiten: Verlag Europa-Lehrmittel, 2005.
1.2. Unselbstständig erschienene Werke
1.2.1. Aufsatz in einem Sammelband
Autorin(nen)/Autor(en): Titel. Untertitel. In: HerausgeberIn(nen) Sammelband: Titel Sammelband. Auflage. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenangaben.
Stary, Joachim: Wissenschaftliche Literatur lesen und verstehen. In: Franck, Norbert/Stary, Joachim (Hrsg.): Die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. 16., überarb. Auflage. Paderborn u. a.³: Schöningh, 2011 (UTB 724), S. 71–96.
1.2.2.Aufsatz in einer Zeitschrift
Autorin(nen)/Autor(en): Titel. Untertitel. In: Titel der Zeitschrift. Erscheinungsjahr, Jahrgang, Heftnummer, Seitenangaben.
Mittnik, Philipp: Die Vorwissenschaftliche Arbeit im Fach „Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung“. In: Historische Sozialkunde. Geschichte – Fachdidaktik – Politische Bildung. 2011, 41. Jahrgang, H. 1, S. 14–17.
2. Online zur Verfügung gestellte Quellen
2.1. PDF-Dokumente
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Erscheinungsort: Erscheinungsdatum. Angabe URL [Zugriff: Zugriffsdatum].
Wohlgemuth, Jan/Voß, Viola: Bibliographieren – … aber wie? Version 3.0. Münster: 2010. https://www.researchgate.net/publication/42318874_Bibliographieren_-_aber_wie/link/54dc93610cf282895a3a9ee4/download [Zugriff: 15.07.2019].
Stahl, Johanna/Kipmann, Ulrike: Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Schwerpunkt Empirische Forschung. Ein Leitfaden für Studierende. Salzburg, 2012. www.oezbf.at/wp-content/uploads/2017/12/Skriptum_Wiss_Arbeiten_komplett_2013-02-28.pdf. [Zugriff: 15.07.2019].
2.2. Website
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel. Publikationsdatum. Angabe URL [Zugriff: Zugriffsdatum]
Baumgartner, Peter: Zitieren – eine Geheimwissenschaft? – Initiationsrituale: Quellenangabe, Zitierschema und Zitierstil. Gedankensplitter. 29.08.2008. peter.baumgartner.name/2008/08/29/zitieren-eine-geheimwissenschaft [Zugriff: 17.08.2019].
Schreibwerkstatt Uni Essen-Duisburg: Materialien. 10.07.2019. www.uni-due.de/schreibwerkstatt/material.shtml [Zugriff: 17.08.2019].
3. E-Books
Autorin(nen)/Autor(en) bzw. Herausgeberin(nen)/Herausgeber: Titel. Untertitel [E-Book]. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
Theissen, Manuel R.: Wissenschaftliches Arbeiten. Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeiten [E-Book]. 16. Auflage. München: Vahlen, 2013.
4. Sonstige Formate
Beteiligte Person(en) (Funktion): Titel/Betreff… [ Film, Mail, Brief, DVD, Intervies, Radiosendung… ]. Verlagsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
Birkenbihl, Vera F.: Gedächtnis. Was Sie unbedingt wissen sollten [DVD]. Heusenstamm: Best Entertainment AG, 2008.
Scott, Pippa (Regie): Schatten über dem Kongo. Schreckensgeister der Kolonialherrschaft [Film]. WDR: 2008. www.youtube.com/watch [Zugriff: 25.4.2012].
Kerbler, Michael/Vargas Llosa, Mario: Das Lesen verwandelt Traum in Leben und Leben in Traum. Michael Kerbler spricht mit Mario Vargas Llosa, Schriftsteller. [Radiosendung]. Wien: ORF Österreich 1, 10.11.2011.
Wagenhofer, Erwin (Buch und Regie): Let’s make money [DVD]. Wien: edition Filmladen, 2009.
¹ Nach Hujber, Wendelin: Zitieren in der Schule. 2012. https://www.wendelinsseiten.info/vom-zitieren [Zugriff: 23.07.2019].
* Kursiv gesetzte Angaben sind optional.
² Bei mehr als drei Autorinnen oder Autoren bzw. Herausgeberinnen oder Herausgebern: nur den ersten Namen und Zusatz „u. a.“ angeben.
³ Bei mehr als drei Verlagsorten: nur den ersten Verlagsort und Zusatz „u. a.“ angeben.
Geschichte entsteht, wenn Menschen heute auf die Vergangenheit schauen und ihr Bedeutung geben. Sie basiert auf Quellen wie alten Texten oder Gegenständen, die Menschen damals mit bestimmten Absichten geschaffen haben. Diese Quellen müssen genau untersucht und im Zusammenhang verstanden werden.
Neu entdeckte Quellen und neue Fragen sorgen dafür, dass Geschichte immer wieder neu erklärt wird. Die Geschichtswissenschaft nutzt viele verschiedene Methoden, da das Material unterschiedlich ist und die Ergebnisse oft unsicher sind. Geschichte ist daher ein fortlaufender Prozess, der sich ständig verändert.
Kurz gesagt:
- Geschichte wird aus der heutigen Sicht auf die Vergangenheit gemacht.
- Sie beruht auf Quellen, die kritisch untersucht werden müssen.
- Geschichte wird immer wieder neu interpretiert und ist nie endgültig.
So hilft Geschichte, die Vergangenheit zu verstehen und erklärt, warum sie für uns heute wichtig ist.
1. Historismus und Historik
Historismus ist eine wichtige Denkweise in der Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts, bei der Geschichte als einmaliges und unverwechselbares Ereignis verstanden wird. Die Historiker suchten nicht nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, sondern versuchten, vergangene Ereignisse individuell und genau zu verstehen. Die Methode basiert auf der historischen Hermeneutik, also dem Verstehen und Interpretieren von Quellen statt dem Erklären wie in den Naturwissenschaften.
Der bekannte Historiker Johann Gustav Droysen beschrieb den Erkenntnisprozess in drei Schritten: Zuerst sucht man passende historische Quellen, dann prüft man diese sorgfältig auf Echtheit und Inhalt, und zum Schluss interpretiert man die Informationen und setzt sie in Zusammenhang. Bei der Interpretation werden verschiedene Aspekte betrachtet, z. B. warum etwas passiert ist, welche Bedingungen vorlagen, das Verhalten der Menschen und welche Ideen dahinterstecken.
Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Forschung vor allem auf politische Geschichte und große Persönlichkeiten, oft auch "Geschichte der großen Männer" genannt. Später wurde diese Sichtweise kritisiert, weil sie zu sehr auf Einzelereignisse und Personen blickte und soziale Zusammenhänge eher vernachlässigte. Dabei entstand die Diskussion darüber, wie objektiv Geschichte sein kann, da Historiker die Quellen immer auch interpretieren und bewerten müssen.
Kurz gesagt: Historismus ist eine Methode, um Geschichte als einzigartiges Erlebnis zu verstehen, indem man Quellen sammelt, prüft und dann gründlich interpretiert, mit besonderem Fokus auf das Verstehen der Menschen und Ereignisse in ihrem historischen Umfeld.
2. Historische Sozialwissenschaft
Historische Sozialwissenschaft beschäftigt sich weniger mit einzelnen Ereignissen oder Personen und mehr mit den sozialen Strukturen und Prozessen, die das Leben der Menschen beeinflussen. Sie untersucht, wie Menschen und ihre Umwelt sich gegenseitig prägen und betrachtet Gesellschaft aus einer breiteren Perspektive. Dabei werden unterschiedliche Methoden angewendet, nicht nur das Verstehen von Quellen, sondern auch erklärende und statistische Ansätze.
Strukturgeschichte betrachtet zum Beispiel dauerhafte soziale, wirtschaftliche und politische Abläufe und wie Menschen miteinander leben und arbeiten. Gesellschaftsgeschichte analysiert ganze Gesellschaften und deren Bereiche wie Wirtschaft, Politik und Kultur, wobei vor allem soziale Gruppen und Klassen im Mittelpunkt stehen. Es geht darum, wie Arbeit, Besitz und Kultur das Leben der Menschen bestimmen.
Außerdem gibt es die Frauen- und Geschlechtergeschichte, die aufzeigt, welche Bedeutung Frauen in der Geschichte hatten und wie ihre Rolle oft unterdrückt wurde. Diese Forschung unterscheidet zwischen dem biologischen Geschlecht und den sozialen Rollen, die sich daraus entwickeln. So soll Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln verstanden werden, nicht nur aus Sicht der Mächtigen oder Einzelpersonen.
3. Geschichtswissenschaft in der „Postmoderne“
In der Postmoderne wenden sich Geschichtswissenschaftler wieder mehr den einzelnen Menschen zu und forschen, wie Menschen damals lebten, fühlten und dachten. Drei wichtige Ansätze sind die historische Anthropologie, die Mikrogeschichte und die Alltagsgeschichte, die alle eine „Geschichte von unten“ erzählen wollen, also die Sicht der ganz normalen Leute zeigen. Dabei hilft auch die Oral History, bei der persönliche Erlebnisse und nicht aufgeschriebene Informationen gesammelt werden.
- Historische Anthropologie schaut auf das tägliche Leben und die Handlungen der Menschen mit einem interdisziplinären Ansatz.
- Mikrogeschichte untersucht kleine, ganz bestimmte Themen, um daraus größere Zusammenhänge zu verstehen.
- Alltagsgeschichte betrachtet das Leben von Menschen, besonders von Randgruppen, und zeigt ihre persönliche Sicht statt nur große Ereignisse.
So wird Geschichte vielfältiger und gibt auch den Stimmen Raum, die früher oft übersehen wurden.
4 Erinnerung und Gedächtnis
Das kollektive Gedächtnis beschreibt, wie eine Gruppe von Menschen gemeinsam an vergangene Ereignisse erinnert und so ihre gemeinsame Identität bildet. Es gibt zwei Arten: Das kommunikative Gedächtnis, das Erinnerungen über etwa drei Generationen weitergibt, und das kulturelle Gedächtnis, das durch Traditionen, Rituale, Texte oder Denkmäler über sehr lange Zeit bestehen bleibt. Wichtig sind auch sogenannte Erinnerungsorte, das können Orte, Bräuche oder Personen sein, die helfen, diese Erinnerungen wachzuhalten.
5. Neue Kulturgeschichte
Die Neue Kulturgeschichte entstand in den 1980er Jahren und betrachtet Kultur nicht nur als Kunst oder Musik, sondern als alle Bedeutungen und Vorstellungen, die Menschen in der Vergangenheit hatten. Sie untersucht, wie Menschen ihre Welt sehen und verstehen und wie diese Sinngebungen ihre Realität formen. Dabei spielen Sprache und Erzählweisen eine große Rolle, zum Beispiel untersucht die Narrativitätstheorie, wie Geschichten erzählt werden, und die Diskursanalyse zeigt, wie Sprache Macht beeinflusst. Die Neue Kulturgeschichte verbindet viele Disziplinen wie Anthropologie und Ethnologie, um vergangene Kulturen besser zu verstehen, ohne sie mit heutigen Maßstäben zu vergleichen.
6. Exkurs: Quellen und Literatur in der Geschichtswissenschaft
Historische Texte können bei entsprechender Fragestellung eine geeignete Quellengrundlage für das Verfassen einer ABA darstellen, da sie klar eingrenzbar sind und anhand ihrer Untersuchung substanzielles inhaltliches Wissen ebenso wie methodische Kompetenz gezeigt werden kann.
Ob ein historischer Text als Quelle behandelt oder als Fachliteratur herangezogen wird, hängt allerdings wesentlich von der Fragestellung ab, wie am Beispiel der Schriften Sigmund Freuds gezeigt werden soll:
Lautet die Themenstellung etwa „Symptome und Behandlung neurotischer Störungen“, fallen Freuds Schriften zur Neurosenlehre und -behandlung unter die Fachliteratur.
Lautet die Themenstellung hingegen „Sigmund Freuds therapeutisches Konzept der Behandlung von Neurosen“, so dienen seine diesbezüglichen Schriften als Quellengrundlage der Untersuchung.
Um Quellen und Literatur voneinander abgrenzen zu können, muss zunächst deren Begrifflichkeit geklärt werden:
Quellen sind Produkte jeglicher menschlichen Handlung, die über die Vergangenheit befragt werden können. Quellen können in textlicher (Schrifttum), bildlicher (Fotografien), dinglicher (Münzen, Kleidungsstücke, Bauwerke etc.) oder audiovisueller (Tonträger, Filme, Videos etc.) Form vorliegen.
Sie werden folgendermaßen kategorisiert und dementsprechend auch im Quellenverzeichnis angeführt:
6.1 Quellen
ungedruckte Quellen/Archivalien (z. B. Schriftstücke, Dokumente, Urkunden, Akten in oder aus einem Archiv)
gedruckte Quellen (z. B. Gesetzestexte, Briefsammlungen, gedruckte Tagebücher, lateinische Textsammlungen)
Interviews
Filmografie (Verzeichnis von Filmen)
audiovisuelle Quellen (Ton- und Filmdokumente)
6.2 Literatur
6.2.1 Primärliteratur
Darunter fallen all jene Werke, die Gegenstand der wissenschaftlichen Analyse sind.
Beispiel 1: Lautet die Themenstellung „Sigmund Freuds therapeutisches Konzept der Behandlung von Neurosen“, so sind Freuds diesbezüglich herangezogene Werke zur Primärliteratur zu zählen. Sie stellen für die Fragestellung methodisch zwar die Quellengrundlage dar, sind aber aus Freuds Forschungsprozess heraus entstanden und fallen daher nicht unter die Quellen.
Beispiel 2: Widmet sich das Thema der ABA etwa der Geschichte des Kochens, würden die dafür herangezogenen Kochbücher unter der Primärliteratur subsumiert werden.
Beispiel 3: Unter die Primärliteratur fallen u. a. auch alle fiktionalen Werke. Lautet die Fragestellung z. B. „Die Darstellung des Elisabethanischen Zeitalters im Werk William Shakespeares“, würden dessen Werke unter der Primärliteratur angeführt werden.
6.2.2 Sekundärliteratur
Darunter versteht man die Forschungsliteratur, also Darstellungen, mittels derer historische Prozesse und/oder Ereignisse behandelt werden.
Beispiel 1: Lautet die Themenstellung „Symptome und Behandlung neurotischer Störungen“, fallen Freuds Schriften zur Neurosenlehre und -behandlung unter die Sekundärliteratur.
Beispiel 2: Widmet sich das Thema der Geschichte des Kochens, würden die wissenschaftlichen Arbeiten über Entwicklungen von Ernährungsgewohnheiten, Lebensmittelkunde, Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise etc. zur Sekundärliteratur gezählt werden.
Beispiel 3: Bei der Themenstellung „Die Darstellung des Elisabethanischen Zeitalters im Werk William Shakespeares“ ist die Fachliteratur zum Elisabethanischen Zeitalter ebenso wie die Shakespeare-Biografik der Sekundärliteratur zuzuordnen.
6.2.3 Internetressourcen
Unter Internetressourcen fallen alle Veröffentlichungen auf Homepageseiten.
Davon sind jedoch Digitalisate (digitalisierte Versionen analoger Werke) ebenso wie Beiträge in wissenschaftlichen Online-Zeitschriften zu unterscheiden.
Digitalisierte Archivalien sind den ungedruckten Quellen zuzurechnen:
Beispiel: Telegramm von Kaiser Wilhelm II. an Kaiser Karl I., Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv, Neue Feldakten, Armeeoberkommando Ktn. 476, Op. Geh. Nr. 2091 fol. 454, URL: https://www.oesta.gv.at/veroeffentlichungen/archivale-des-monats/spaetes-sympathietelegramm-kaiser-wilhelm-ii-an-kaiser-karl-i-.html [Zugriff: 22.04.2021].
Gesetzestexte sind den gedruckten Quellen zuzurechnen:
Beispiel: Bundesverfassungsgesetz vom 6. Februar 1947 über die Behandlung der Nationalsozialisten (Nationalsozialistengesetz), BGBl. Nr. 25/1947, URL: https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/1947/25/P0/NOR11000216 [Zugriff: 12.04.2021].
Digitalisierte Fachliteratur ist der Sekundärliteratur zuzurechnen:
Bramann, Jorn B., Karl Wittgenstein – Ein Amerikaner in Wien. In: zeitgeschichte 45/1 (1974), S. 29–40, URL: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=ztg&datum=19740004&seite=00000029 [Zugriff: 22.02.2021].
Beiträge in wissenschaftlichen Internetzeitschriften sind der Sekundärliteratur zuzurechnen:
Kersting, Wolfgang (2001), Plädoyer für einen nüchternen Universalismus. In: Information Philosophie im Internet 1, URL: https://www.humanrights.ch/cms/upload/pdf/070108_kersting_universalitaet.pdf [Zugriff: 10.01.2021].
Literarische Texte, wie Geschichten, Gedichte oder Theaterstücke, sind erfunden, haben oft mehrere Bedeutungen und hängen mit anderen Texten zusammen. Leserinnen und Leser geben den Texten Bedeutung, abhängig davon, wie sie den Text verstehen und was sie über ihn wissen. Eine gute Interpretation stützt sich immer auf den Text selbst und erklärt mit Belegen, was der Text bedeuten kann.
Es gibt verschiedene Wege, einen Text zu untersuchen: Manche Methoden schauen vor allem auf die Themen und Form des Textes, andere auf den historischen oder gesellschaftlichen Hintergrund, und wieder andere untersuchen, wie Leser den Text verstehen. Im Deutschunterricht lernen Schüler, Texte genau zu lesen, ihre Sprache zu analysieren und eigene Deutungen mit Textbelegen zu begründen. Ziel ist es, die Bedeutung des Textes zu verstehen und kritisch darüber nachzudenken.
1 Der Text im Fokus
Hermeneutik als Lehre des Verstehens beschäftigt sich damit, wie man den Sinn eines Textes findet. Dabei ist wichtig, dass man den Text nicht nur einmal liest, sondern immer wieder zurückgeht, mehr über den Autor oder die Zeit lernt und so den Text immer besser versteht. Dieser Prozess nennt sich hermeneutischer Zirkel oder besser hermeneutische Spirale, weil man sich immer wieder im Verstehen weiterentwickelt.
Strukturalismus schaut nicht auf die Bedeutung, sondern wie ein Text aufgebaut ist, also welche Wörter oder Strukturen er benutzt. Das hilft zu erkennen, welche Art von Text es ist und welche Muster er hat.
Werkimmanenz heißt, den Text alleine zu analysieren, ohne andere Quellen. Man schaut genau auf Sprache, Figuren, Themen und wie Zeit oder Raum im Text dargestellt werden.
Intertextualität bedeutet, dass Texte miteinander verbunden sind, zum Beispiel durch Zitate oder Anspielungen. Man untersucht, wie ein Text andere Texte beeinflusst oder von ihnen beeinflusst wird.
Komparatistische Methode vergleicht Texte aus verschiedenen Kulturen oder von verschiedenen Autoren, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden.
Literarische Übersetzung verwandelt einen Text in eine andere Sprache oder ein anderes Medium und ist dabei eine Form der Interpretation, weil Übersetzer wichtige Bedeutungen erhalten oder verändern müssen.
All diese Methoden helfen dabei, Texte besser zu verstehen und verschiedene Bedeutungen sichtbar zu machen.
2 Der Kontext im Fokus
2.1. Sozial- und kulturgeschichtliche Ansätze
Literatur steht immer im Zusammenhang mit der Gesellschaft. Texte zeigen, wie Menschen leben, denken und fühlen – und sie können die Gesellschaft auch beeinflussen. Hier fragt man:
- Welche Zeit und welche Ereignisse haben den Text geprägt?
- Was wissen wir über die Autorin oder den Autor?
- Welche Themen und Probleme der Gesellschaft spiegelt der Text?
Beispiel: Nach dem Amoklauf an einer Schule in den USA 1999 entstanden viele Bücher und Filme, die dieses Thema behandelten. So kann man untersuchen, wie Literatur auf aktuelle Ereignisse reagiert.
2.2. Feministische Literaturtheorie:
Diese Theorie fragt, welche Rolle Frauen in der Literatur spielen – als Autorinnen und als Figuren. Wichtige Fragen sind:
- Wann und wie konnten Frauen schreiben?
- Schreiben Frauen anders als Männer?
- Wie werden Frauen in Texten dargestellt?
Beispiel: In Dramen wie „Hamlet“, „Faust“ oder „Woyzeck“ kann man untersuchen, ob Frauenfiguren wie Ophelia oder Gretchen typische Rollenklischees zeigen oder neue Frauenbilder.
2.3. Gender Studies:
Hier geht es um das Verhältnis der Geschlechter in der Literatur und Gesellschaft. „Gender“ meint das kulturelle, also gesellschaftlich geprägte Geschlecht – nicht das biologische. Die Fragen lauten:
- Wie werden Männer- und Frauenbilder in Texten gezeigt?
- Welche Rollenbilder sind festgelegt und welche werden verändert?
Beispiel: In verschiedenen Versionen von „Rapunzel“ kann man sehen, wie sich die Vorstellungen von Männern und Frauen im Laufe der Zeit geändert haben.
3 Autorin/Autor und Leserinnen/Leser im Fokus
3.1. Rezeptionsästhetik
Diese Theorie fragt, welche Rolle Leserinnen und Leser beim Verstehen eines Textes spielen. Ein Text ist erst vollständig, wenn ihn jemand liest und eigene Gedanken, Erfahrungen und Gefühle einbringt.
Wichtige Fragen sind:
- Wie beeinflusst der Text die Leserin oder den Leser?
- Wie verändert sich die Bedeutung eines Textes im Lauf der Zeit?
- Wie wurde ein Werk früher verstanden, und wie wird es heute gelesen?
Literarische Texte lassen oft Abschnitte offen. Leser füllen diese Lücken mit ihrem Wissen und ihren Vorstellungen. So entsteht durch das Lesen erst die ganze Bedeutung.
Beispiel:
Die Vampirfigur hat sich stark verändert – vom gruseligen „Dracula“ (1897) bis zum romantischen Edward Cullen in „Twilight“ (2005). Jede Zeit und jedes Publikum verstehen die Figur anders. So zeigt sich, wie Lesen und Publikum den Sinn eines Textes verändern.
Umfrage am eigenen Schulstandort
Was ist zu beachten, wenn du im Rahmen deiner abschließenden Arbeit eine Umfrage an deiner Schule durchführen möchtest?
Inhaltliche und methodische Planung
Als erster wichtiger Schritt sollte im Rahmen der Betreuungstätigkeit die Zielsetzung der Umfrage eingehend besprochen und das Vorhaben auf seine Zweckmäßigkeit und methodische Durchführbarkeit hin durchleuchtet werden.
Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:
- Welches (vertiefte) methodische Wissen1 benötige ich?
- Welchen Stellenwert hat die Umfrage im Rahmen meiner ABA?
- Zur Beantwortung welcher Leitfragen sollen Daten gewonnen werden?
- Welche Fragestellungen ergeben sich daraus für die Umfrage?
- Welche und wie viele Personen müssen befragt werden, um seriöse Aussagen machen zu können?
- Wie sieht ein realistischer Zeitplan aus? (Dieser sollte die Vorbereitung und Durchführung der Umfrage, die Auswertung, Aufbereitung und Darstellung der gewonnenen Daten sowie deren kritische Bearbeitung im Rahmen der ABA beinhalten.)
Kommunikation des Vorhabens am Schulstandort
Anders als bei einer Befragung durch externe Personen zu wissenschaftlichen Zwecken2 ist für eine Umfrage am Schulstandort im Rahmen einer ABA eine Befassung des Schulgemeinschaftsausschusses nicht erforderlich. Es ist jedoch wichtig, dass du nach der Befürwortung der betreuenden Lehrperson die Schulleitung über das Vorhaben informierst und deren Einverständnis einholst. Zudem können auch die Klassenvorständinnen und Klassenvorstände oder andere Lehrpersonen der ausgewählten Klassen über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Umfrage im dafür vorgesehenen Zeitrahmen und – bei Bedarf – mit deren Unterstützung durchgeführt werden kann.
Schülerinnen und Schüler informieren und ggf. Einverständnis der Erziehungsberechtigten einholen
Die für die Umfrage vorgesehenen Schülerinnen und Schüler werden von dir zeitnah über den Kontext und Zweck der Umfrage sowie über ihre Rechte informiert. Werden Schülerinnen und Schüler befragt, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist sicherzustellen, dass deren Erziehungsberechtigte ihre Zustimmung zur Teilnahme an der Umfrage schriftlich erteilen. Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ist keine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten für die Teilnahme an einer Umfrage erforderlich. Es müssen keine Einverständniserklärungen von den Schülerinnen und Schülern eingeholt werden, da dadurch zusätzliche, für die Umfrage nicht benötigte, personenbezogene Daten entstehen.
Die genannten Punkte lassen sich am effizientesten durch ein Informationsblatt (siehe auch unten angeführter Musterbrief für eine dritte Klasse) abdecken, das den Schülerinnen und Schülern vorgelegt wird. Für den Rücklauf der Zustimmungserklärung der Erziehungsberechtigten ist ein realistischer Zeitraum vorzusehen.
Das Informationsblatt sollte folgende Aspekte abdecken:
- deinen Namen und deine Klasse
- das ABA-Thema und die Betreuungsperson
- kurze Beschreibung der Zielsetzung und des Verwendungszwecks der Umfrage
- Information über die Rechte der Befragten (Freiwilligkeit der Teilnahme sowie Recht, einzelne Fragen nicht zu beantworten)
- Zusicherung, mit den gewonnenen Daten gemäß den Regelungen des Datenschutzes3 sorgfältig umzugehen (Gewährleistung der Anonymität inklusive Hinweis, dass die Daten aggregiert ausgewertet werden, d. h., dass sie nicht mehr auf die einzelne Person zurückführbar sind)
- Abschnitt für die Einwilligungserklärung eines Erziehungsberechtigten der Schülerin/des Schülers, falls diese/r das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat
Dokumentation in der ABA und im Begleitprotokoll der Schülerin/des SchülersDu beschreibst in deiner ABA das methodische Vorgehen und dokumentierst die wichtigsten Schritte in der Durchführung der Umfrage. Darüber hinaus vermerkst du im Begleitprotokoll, dass alle an der Umfrage Teilnehmenden über ihre Rechte und den Verwendungszweck der Daten informiert wurden und zugestimmt haben.
1 Siehe dazu auch die Methoden Quantitative Befragung und Interview.
2 Siehe dazu exemplarisch folgende Darstellung:
https://www.phwien.ac.at/forschung-und-entwicklung/erhebungen-an-schulen
3 Seit der Einführung der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) auf europäischer Ebene müssen personenbezogene Daten aktiv von jenen geschützt werden, die diese sammeln. Wenn Umfragen personenbezogene Daten beinhalten, muss für eine gut geschützte Datensicherung gesorgt und eine Vereinbarung eingegangen werden, die besagt, wie mit den Informationen umgegangen wird bzw. was damit geschehen darf.
Musterbrief für Schüler/innen, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben
Sehr geehrte Erziehungsberechtigte und liebe Schüler/innen der 3C-Klasse,
mein Name ist Max Mustermann, ich bin Schüler der 7A-Klasse und verfasse derzeit meine Vorwissenschaftliche Arbeit zum Thema „Öffentliche Parkanlagen im 10. Wiener Gemeindebezirk und ihre Nutzung durch Jugendliche“. Frau Prof. Musterfrau ist meine Betreuungslehrerin.
Ich beschäftige mich in meiner Arbeit unter anderem damit, welche Erwartungen und Wünsche Jugendliche in Bezug auf die Gestaltung öffentlicher Parkanlagen haben, und möchte dazu Schüler/innen der dritten, fünften und siebten Klassen unserer Schule befragen.
Die Teilnahme an dieser Befragung ist freiwillig und es besteht selbstverständlich die Möglichkeit, einzelne Fragen nicht zu beantworten.
Ich habe für meine Umfrage die Erlaubnis der Schulleitung eingeholt und eine (Online-)Befragung vorbereitet, zu der die Schüler/innen vor Beginn der Befragung einen Zugangscode erhalten.
Die Umfrage kann eigenständig bearbeitet werden, die Beantwortung der Fragen beansprucht ca. 15 Minuten. Der Online-Fragebogen wird im Rahmen einer Unterrichtsstunde in der vorletzten Schulwoche nach Ende der Prüfungszeit anonym ausgefüllt. Die Auswertung lässt keinen Rückschluss auf die einzelnen Personen zu, von denen die Aussagen stammen, und wird ausschließlich für meine Vorwissenschaftliche Arbeit verwendet.
Für Schüler/innen, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben:
Ich bitte Sie, den unten angefügten Abschnitt auszufüllen und Ihrem Kind in die Schule mitzugeben. Der Klassenvorstand/Die Klassenvorständin Ihres Kindes hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, die Abschnitte in der Woche vom 6. bis 10. Juni 2022 für mich einzusammeln.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
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Ich bestätige mit meiner Unterschrift, dass meine Tochter/mein Sohn …………………………………………….…………………………………… (Schüler/in der 3C-Klasse) an der Umfrage zum Thema „Öffentliche Parkanlagen im 10. Wiener Gemeindebezirk und ihre Nutzung durch Jugendliche“ teilnehmen darf, und erteile die Zustimmung, dass die erhobenen Daten von Max Mustermann für die Vorwissenschaftliche Arbeit verwendet werden können.
Datum und Unterschrift des/der Erziehungsberechtigten:
Jede Übernahme von Erkenntnissen aus der Literatur ist in der ABA auszuweisen und zu belegen, Zitate sind als solche zu kennzeichnen. Geschieht dies nicht, vergreift man sich am geistigen Eigentum anderer und begeht ein Plagiat.
Funktion von Zitaten:
- Das Zitieren dient dem Schutz des geistigen Eigentums der Urheberin bzw. des Urhebers eines Gedankens.
- Das Zitat ermöglicht es der Leserin bzw. dem Leser, zu überprüfen, woher die Aussagen stammen und ob sie korrekt übernommen wurden.
- Es wird belegt, dass man sich mit dem Thema umfassend beschäftigt und die relevanten Quellen zur Kenntnis genommen hat.
- Sie stützen die eigene Argumentation.
Man unterscheidet zwei Arten von Zitaten:
1. wörtliche (direkte) Zitate, an deren Wortlaut nichts geändert werden darf;
2. sinngemäße (indirekte) Zitate (Paraphrasierungen bzw. Zusammenfassungen), in denen der Wortlaut des Originaltextes verändert wird, wobei die Aussagen sinngemäß wiedergegeben werden.
Ad 1. Wörtliche (direkte) Zitate:
Wörtliche Zitate sind sinnvoll,
- wenn ein zentraler Inhalt in einem Satz oder in einer Textpassage besonders pointiert formuliert ist,
- wenn man die im Zitat getroffene Aussage in der eigenen Arbeit diskutieren möchte.
Zitiertechnik: Jedes wörtlich übernommene Zitat ist als solches kenntlich zu machen. In jedem Fall wird es in Anführungszeichen gesetzt.
Längere Zitate (ab drei Zeilen) werden im Schriftbild abgehoben. Dies kann erfolgen, indem man den übernommenen Text
- als Textblock einrückt,
- sie kursiv setzt oder eine kleinere Schriftgröße verwendet.
Kürzere Zitate werden in den Fließtext integriert.
Zitat im Zitat: Ein Zitat im Zitat wird in einfache Anführungszeichen gesetzt.
| „Er musste sich über mich gebeugt haben, weil ich das Gesicht plötzlich in Großaufnahme sah, gleichsam mehrfach vergrößert. ‚Gott sei Dank, du lebst‘, hörte ich. ‚Aber du bist krank. Du hast Malaria.‘“¹ _______________________ ¹ Kapuściński, 2001, S. 56. |
Auslassungen innerhalb von Zitaten werden durch [...] angezeigt. Der ursprüngliche Sinn der Aussage darf sich dadurch nicht verändern.
| „Das Regime Mengistus wurde nach siebzehnjähriger Herrschaft im Sommer 1991 gestürzt. Der Führer selbst setzte sich [...] nach Zimbabwe ab.“ 1 _______________________ ¹ Ebd., S. 220. |
Grammatikalische Veränderungen im Zitat, die durch das Einfügen des Zitats in den eigenen Satzbau vorgenommen werden (Satzstellung, abweichende Endungen, veränderte Groß- oder Kleinschreibung ...), werden durch eckige Klammern gekennzeichnet.
| Kapuściński meint, der Kontinent sei „zu vielfältig und zu groß, als dass man ihn beschreiben könnte“¹. Er sieht Afrika als „eigene[n] Planet[en]“, als „vielfältige[n], reiche[n] Kosmos“². _______________________ ¹ Kapuściński, 2001, S. 5. ² Ebd., S. 5. |
Ergänzungen, die für das Verständnis des Zitates wichtig sind, werden in eckigen Klammern beigefügt.
| „Beide Länder [England und Frankreich, Anm. d. Verf.] wurden von einem Fieber nationalistischer Euphorie erfasst. Anfangs wollte keine der beiden Seiten nachgeben.“¹ _______________________ ¹ Ebd., S. 177f. |
Hervorhebungen im Originaltext (Fettdruck, Kursivschrift) müssen in Zitaten übernommen werden, Hervorhebungen durch die Verfasserin bzw. den Verfasser der Vorwissenschaftlichen Arbeit müssen durch den Zusatz (Hervorh. durch d. Verf.) gekennzeichnet sein.
| „Die afrikanische Kultur ist eine Kultur des Austauschs. Du gibst mir etwas, und es ist meine Pflicht, mich dafür zu revanchieren. Nicht nur meine Pflicht. Das verlangt meine Würde, meine Ehre, mein Menschentum.¹ _______________________ ¹ ebd., S. 177f., Hervorh. durch d. Verf. |
Zeichensetzung und Rechtschreibung werden unverändert übernommen. Fehler im Zitat (nicht jedoch alte Rechtschreibung) werden durch ein [sic!] (lateinisch für „so!“) gekennzeichnet.
| „Rechtschreibfeler [sic!] in Zitaten werden unverändert übernommen.“ |
Zitate in einer Fremdsprache werden in den Fließtext eingefügt und – außer bei englischen Zitaten – in einer Fußnote übersetzt.
Sekundärzitate, also Übernahmen von wörtlichen Zitaten aus einer anderen Arbeit, sollten vermieden werden. Kann jedoch ein Zitat nicht im Original überprüft werden (z.B. wenn ein Buch vergriffen ist), so ist nach dem Zitat der wörtlich übernommenen Passage noch „zit. n.“ (für „zitiert nach“) und das genaue Zitat zu ergänzen, woher man den Originalwortlaut übernommen hat.
Ad 2. Sinngemäße (indirekte) Zitate (Paraphrasierungen bzw. Zusammenfassungen)
Zitiertechnik:
Ein sinngemäßes Zitat weist keine Anführungszeichen auf, es wird im Quellenverweis durch ein „vgl.“ (für „vergleiche“) gekennzeichnet.
| Kapuściński schreibt, dies sei kein Buch über Afrika, sondern über einige Menschen, denen er begegnet sei. Wenn wir von Afrika sprächen, so sei dies notwendigerweise eine Vereinfachung der dort vorhandenen Vielfalt.¹ _______________________ ¹ Vgl. Kapuściński, 2001, S. 5. |
| Laut Kapuściński¹ ist das Sprechen über Afrika notwendigerweise eine Vereinfachung der dort vorhandenen Vielfalt. _______________________ ¹ Vgl. Kapuściński, 2001, S. 5. |
Zitate sind durch genaue Angabe der Literatur nachzuweisen
Dafür gibt es zwei Varianten:
1. Kurzbeleg in Fußnoten
2. Kurzbeleg im Text
Ad 1. Kurzbeleg in Fußnoten
Die Vollbelege der verwendeten Literatur sind im Literaturverzeichnis zu finden, z. B.:
| Kapuściński, Ryzard: Afrikanisches Fieber. Erfahrungen aus vierzig Jahren. München: Piper-Verlag, 2001. |
In den Fußnoten reichen Kurzbelege mit der Angabe von AutorIn, Erscheinungsjahr, Seite, z. B.:
| Kapuściński, 2001, S. 129f. |
Bei unmittelbar aufeinander folgenden Verweisen auf dieselbe Quelle kann ab der zweiten Nennung auch „ebd.“ (für „ebenda“) verwendet werden: ebd., S. 135.
Verweist ein Beleg auf zwei Seiten im Originaltext, so fügt man der Seitenzahl ein „f.“ (für „folgende“) an, bei mehr als zwei Seiten ein „ff.“ oder auch die genaue Seitenangabe (z. B.: S. 18–25).
Ad 2. Kurzbeleg im Text
Kurzbelege mit der Angabe von AutorIn, Erscheinungsjahr und Seite können auch innerhalb einer Klammer im Text stehen (Harvard-Zitierweise):
| (Kapuściński, 2001, S. 129f.) |
Zitieren aus elektronischen Medien
Bei Webseiten sind Seitenangaben meist nicht möglich.
| Kurzbeleg: Hubjer, 2012. Vollbeleg: Hujber, Wendelin: Zitieren in der Schule. 2012. https://www.wendelinsseiten.info/vom-zitieren [Zugriff: 23.07.2019]. |
Bei Filmen, Hörtexten oder Audiofiles gibt man nach „TC“ (Time Code) die genaue Zeitangabe an.²
Vollbeleg: Wagenhofer, Erwin: Let’s make money [DVD]. Wien: edition Filmladen, 2008, TC 5:49. Kurzbeleg: Wagenhofer, 2008, TC 5:49. |
Auch Abbildungs-, Kapitel- und Paragraphennummern sind als genaue Positionsangabe möglich.
Vollbeleg: Wahlster, Wolfgang: Sprachtechnologie im Alltag. Der Computer als Dialogpartner. Saarbrücken: 1999. http://www.dfki.de/~wahlster/Alltag/Alltag.html [Zugriff: 15.11.2012]. Kurzbeleg: Wahlster, 1999, Fig. 2. |
Passagen aus E-Books³ werden im Text mit sogenannten Positionen zitiert. Statt der Seitenzahl wird beim Zitieren die Position angegeben.
Da diese aber bei jedem Lesegerät anders und an bestimmter Stelle angezeigt werden, ist es wichtig, im Literaturverzeichnis anzugeben, welchen Reader man verwendet hat.
Lässt sich bei bestimmten Geräten keine Position oder dergleichen finden, so wird im Text bzw. in der Fußnote das Kapitel zitiert.
Zitieren ohne Position, sondern mit Kapitel
| Vollbeleg: Bromfield, Louis: Mrs. Parkington. New York, NY: Harper & Brothers, 1943. Project Gutenberg Canada. Web. EPUB file. 29 Aug 2015, chapter XV. Kurzbeleg: Bromfield: 1943, chapter XV. |
Zitieren mit Positionen
| Vollbeleg: Canfield, Dorothy: The Brimming Cup. New York: Hartcourt, Brace & co, 1919. Project Gutenberg. Web. MOBI file. 29 Aug. 2015, Pos. 337–343. Kurzbeleg: Canfield: 1919, Pos. 337–343. |