„Das Endprodukt macht mich sehr glücklich“
Im Rahmen seiner abschließenden Arbeit (ABA) hat Gabriel Luger ein Buswartehäuschen entworfen und umgesetzt.
Interview: Katharina Prochart
Wir haben gehört, du hast für deine ABA einen gestalterischen bzw. künstlerischen Zugang gewählt. Welcher war das?
Gabriel Luger: Ich habe ein Buswartehäuschen entwickelt, das – in leicht abgewandelter Form – tatsächlich realisiert worden ist und heute vor meiner Schule zu finden ist!
Wie bist du auf diese Idee gekommen?
Die damaligen 7. Klassen haben im Zeichenunterricht Buswartehäuschen entworfen. Nach der Präsentation ihrer Projekte in einer Ausstellung wurde über diese abgestimmt. Der Siegerentwurf sollte schließlich tatsächlich umgesetzt werden. Ich war ehrlich gesagt unzufrieden mit den Entwürfen, weil sie keine Verbindung zum Schulgebäude hatten. Da dachte ich mir: Warum mache ich nicht meinen eigenen Entwurf? Das habe ich getan, habe ihn nachgereicht und schlussendlich gewonnen.
Wie hast du dein Projekt gestartet?
Nachdem ich die Ausstellung besucht hatte, habe ich mir Gedanken dazu gemacht und die erste Skizze mit Bleistift angefertigt. Ich habe sie koloriert und dann abgegeben. Für die zweite Runde habe ich meinen Entwurf überarbeitet und die Skizze auf Transparentpapier übertragen. Mit der Anwendung „SketchUp“ habe ich außerdem ein 3D-Modell angefertigt. Der Entwurf wurde schließlich zum Siegerprojekt gekürt!
Wie ging es danach weiter?
Ich habe die Möglichkeit bekommen, mein Projekt tatsächlich zu realisieren. Dafür habe ich den Entwurf in Zusammenarbeit mit einer Baufirma weiterentwickelt. Ich durfte drei Tage bei der Firma verbringen, habe dort mit einer Software gearbeitet und einen Plan erstellt. Zuerst wurde mir erklärt, wie alles funktioniert. Danach konnte ich loslegen und selbstständig an meinem Entwurf arbeiten. Dabei habe ich Unterstützung von den Profis, z. B. einem Architekten, bekommen.
Wie kam es dazu, dass du dieses Projekt auch für deine ABA verwendet hast?
Die Lehrerin, die auch den Wettbewerb initiiert hat, hat mich bei meinem Entwurf unterstützt. Sie hat mich schließlich darauf hingewiesen, dass ich das Projekt auch für meine ABA verwenden könnte. Eine gute Idee – weil ich ja schon viel Arbeit hineingesteckt hatte!
Für die ABA musstest du das Projekt aber genau beschreiben und deine Arbeitsschritte dokumentieren, vermute ich.
Richtig. Im Sommer wurde das Buswartehäuschen gebaut – und ich habe den gesamten Bauprozess bildlich und schriftlich dokumentiert. Dafür bin ich immer wieder auf die Baustelle gekommen, habe Fotos gemacht und schriftlich festgehalten, was seit dem letzten Mal passiert war. Natürlich habe ich auch die Entstehung meiner Entwürfe und Skizzen schriftlich festgehalten und den Prozess chronologisch beschrieben.
Gibt es neben der Beschreibung des Entstehungsprozesses noch andere Informationen, die du in deine ABA hast einfließen lassen?
Man findet auch Hintergrundinformationen aus dem Einreichplan: Wie viel Erde wurde ausgehoben? Wie viel Schotter wurde eingefüllt? Wie hoch ist die Betonplatte? Außerdem habe ich auch bestimmte Bauvorgaben vom Land angeführt.
Wie kann man sich die Präsentation und Diskussion deiner abschließenden Arbeit vorstellen?
Ich habe alle meine Skizzen auf Folien gezeigt und auch ein Holzmodell präsentiert. Die Diskussion haben wir dann unten beim Buswartehäuschen gemacht. Das war besonders cool, denn nur wenige Schülerinnen und Schüler haben die Chance, ihr Endprodukt wirklich herzeigen zu können! Man muss die Entwürfe, die im Rahmen der ABA entstehen, nämlich nicht zwingend umsetzen – das war bei mir nur die Kirsche auf der Torte!
Welche Vorteile hatte das Verfassen einer ABA mit gestalterischem Zugang für dich?
Bei einer rein schriftlichen Arbeit bearbeitet man ein Thema und bleibt dabei hauptsächlich in der Theorie. Der Fokus liegt auf der Recherche, der Quellensuche und der Aufbereitung von Daten und Fakten. Bei gestalterischen und künstlerischen Arbeiten kann man hingegen sehr frei agieren und ich konnte kreative Ideen umsetzen.
Gab es auch Nachteile?
Für manche Dinge hat es damals noch keinen festen Rahmen gegeben, z. B. was die Zitation angeht. Deshalb hatte ich viele zusätzliche Besprechungen mit meiner Betreuungsperson. Andererseits war das wiederum auch ein Vorteil, weil ich dadurch viel Extra-Unterstützung bekommen habe.
Was, würdest du sagen, ist wichtig bei der Themenfindung für ein gestalterisches bzw. künstlerisches Projekt im Rahmen der ABA?
Am wichtigsten ist, dass man sich ein Thema aussucht, das einen wirklich interessiert. Es hat keinen Sinn, wenn man ewig an etwas herumzeichnet oder -bastelt und eigentlich keinen Spaß daran hat. Ich kann allen Schülerinnen und Schülern nur raten, ein Projekt auszuwählen, bei dem sie ihre Träume ein bisschen verwirklichen können.
Hast du noch weitere Tipps für Schülerinnen und Schüler, die vielleicht auch eine gestalterische ABA umsetzen möchten?
Es ist sehr wichtig, dass man rechtzeitig anfängt. Im Laufe des Projekts gibt es immer wieder Hürden, die auftauchen, und Probleme, die behoben werden müssen. Zu spät anzufangen, kann zu Stress führen! Ein anderer Tipp ist, sich Partner zu suchen, z. B. wenn man für ein Projekt eine teure Software, Werkzeug oder Ähnliches benötigt. Bei mir war es eben die Baufirma, die mich dabei unterstützt hat, mein Buswartehäuschen in vollem Ausmaß zu realisieren.
Gibt es etwas, was du rückblickend anders machen würdest?
Ich würde wahrscheinlich versuchen, in meinem Zeitmanagement noch ein wenig besser zu sein, damit es am Ende nicht stressig wird. Aber es hat alles geklappt. Ich habe mein Projekt realisiert und dabei vieles erleben und lernen dürfen – und das Endprodukt macht mich sehr glücklich!
Juni 2026